Gemeinde sagte der Pfarre ab. Der Gemeinderat in Zellerndorf verständigte sich darauf, von einem Projekt mit der Pfarre Abstand zu nehmen. Ein Grund dafür: die Auflagen des Denkmalschutzes.

Von Sandra Frank. Erstellt am 29. Oktober 2020 (04:49)
Die Zukunft des Zellerndorfer Pfarrhofs ist weiter ungewiss. Sicher ist nur, dass die Gemeinde nicht dort einziehen wird.
Enzmann

Die Gemeinde wird sich nicht an der künftigen Verwendung des denkmalgeschützten Pfarrhofs beteiligen. Diese Entscheidung gab die Gemeindeführung nun bekannt, nachdem ÖVP-Bürgermeister Markus Baier die Debatten über ein mögliches Projekt nicht öffentlich hatte führen wollen (die NÖN berichtete).

Wunderte sich über Geheimniskrämerei: Patrick Eber.
SPÖ

„Ich finde es gut, dass der Pfarrgemeinderat an uns herangetreten ist und ein Wahrzeichen, was der Zellerndorfer Pfarrhof als Barockjuwel sicherlich ist, nicht sofort an private Interessenten gefragt hat“, sagt der Zellerndorfer SPÖ-Chef Patrick Eber auf NÖN-Nachfrage.

Zur Erinnerung: Der Zellerndorfer Pfarrhof soll neu genutzt werden. Das erste Angebot wurde der Gemeinde gemacht, deren Amtsgebäude in die Jahre gekommen ist. In der Juni-Sitzung wurden dem Gemeinderat einen Machbarkeitsstudie präsentiert.

„Ich persönlich fand den Gedanken nicht verwerflich und hätte dem Projekt, oder zumindest weiteren Schritten, noch eine Chance gegeben“, sagt Eber. Er gibt aber zu: Auch in seiner Fraktion war es schwierig, Zustimmung zu erlangen. Dennoch: „Ich hatte den Eindruck, dass es sich schon um ein weit entwickeltes Konzept gehandelt hat, das mit dem Bürgermeister abgesprochen war. Die Präsentation wurde ja sogar mit einem gemeinsamen Foto für die Medien abgerundet.“

Deswegen war Eber überzeugt, dass Gemeinde und Pfarre weitere Schritte gemeinsam gehen werden. „Dieser Eindruck hat sich im Gemeindevorstand und im Gemeinderat aber schnell verflüchtigt.“ Der Gemeinderat habe schließlich nicht für das Projekt gewonnen werden können, da es zu schwierig gewesen wäre, alle Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen.

„Es musste eine Entscheidung getroffen werden“, wollte auch Eber den Pfarrgemeinderäten nicht länger falsche Hoffnungen machen. In einer weiteren Gemeinderatssitzung wurde es besiegelt. Allerdings im nicht öffentlichen Teil. Ein Umstand, den auch Eber nicht nachvollziehen kann: „Ich habe nicht verstanden, warum ein Geheimnis daraus gemacht wurde.“ Denn immerhin stehe die Zukunft des Pfarrhofs ja im öffentlichen Interesse. „Ich bedaure sehr, dass das Thema nicht öffentlich diskutiert wurde. Zumal es keine Diskrepanzen gab und im Vorfeld alles gut besprochen wurde.“

Eber wünscht sich jedenfalls, dass der Pfarrhof weiterhin ein öffentlicher Ort bleibt. Er ist überzeugt, dass Pfarre und Diözese eine gute Lösung finden werden. Wo er kann, will er gerne unterstützen, denn: „Der Pfarrhof soll kein Schlösschen für einen russischen Oligarchen werden.“