Ein „Matador-Narr“ zeigt seine Schätze. Karl Weber aus Ziersdorf geht das Herz auf, wenn er im früheren Blumengeschäft seine imposante Matador-Sammlung herzeigen kann.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 17. Februar 2021 (09:17)
Karl Weber ist stolz auf seine Stücke, etwa auf die Wassermühle aus Matador aus dem Jahre 1927.
Sylvia Stark

Karl Weber aus Ziersdorf ist, wie er selbst sagt, ein „Matador-Narr“. Die Auslagen seines früheren Blumengeschäfts sind nicht mehr mit Rosenbouquets geschmückt, sondern mit imposantem Matadorspielzeug und Spielzeugdampfmaschinen.

Weber hat jetzt seine Sammlung um ein Matadorradio erweitert, das an der „100-Jahres-Marke“ kratzt. Der 82-Jährige zeigt das Radio gern her. Auf die Frage, ob es auch funktioniert, setzt er sich den Originalkopfhörer mit Gewebeband auf, nickt und beginnt, die Technik zu erklären: „Es gibt einen Sendersucher mit Feineinstellung. Früher hat man Röhrenradios verwendet. Die hat man mit einer Anodenbatterie antreiben müssen.“ Mit den Wurf- und Empfängerwellen konnten die Kinder die Radiosendungen schon 1924 in ihren Kinderzimmern hören. Den dazugehörigen Matador-Ergänzungsradiokasten Nummer 151 gibt es nur mehr ganz selten. Ein Sammler aus Korneuburg besitzt noch einen, weiß Weber. Sein Radio ist ein Nachbau des Originals, abgesehen von den Originalkopfhörern.

70 Jahre altes Spielzeug funktioniert einwandfrei

Seit dem letzten Besuch der NÖN bei Karl Weber stechen noch eine Wassermühle aus Matador aus dem Jahre 1927 und ein 70 Jahre altes Fußballspiel mit zwei hölzernen „Matadorkickern“ samt Zuschauerriege hervor. Die Spieler schießen den Ball noch immer, wenn auch mit Holzbeinen, umher. Im Schaufenster, das nicht zur Hauptstraße, der Horner Straße, hinausgeht, stehen „Dickkopfdampfmaschinen“. Diese waren Spielzeuge für Kinder aus reichem Haus. Mit solchen Spielzeugdampfmaschinen der Marke „Bing“ betrieben die Buben zum Beispiel Misch- und Schleifmaschinen.

Von solch edlem Spielmaterial konnte Karl Weber, der 1939 auf die Welt kam, nur träumen. Er wuchs im burgenländischen Wimpassing an der Leitha auf. „Während des Krieges spielten wir Tempelhüpfen und Wolferl-Treiben. Ungarisch heißt das Zigas; weil mein Dorf früher zu Ungarn gehörte, weiß ich noch die ungarischen Wörter“, erzählt Weber. Wie das gespielt wurde? Dabei hatten die Kinder ein keilförmiges Gebilde mit einer Höhe von acht Zentimetern, unten befand sich ein Nagel, auf der Seite waren Rillen. „Mit einer Schnur in den Rillen konnten wir Kinder den Keil – den Wolferl – drehen“, erinnert sich der Matador-Fan.

„Erst nach dem Weltkrieg bekam ich mein erstes Matador zum Spielen“, sagt Weber und sieht sich in seinem Matador-Universum mit glänzenden Augen um.