Gelungene Integration: „Eine Geschichte im Stillen“. Monika Sulz bot Asylwerber Thomas (33) ihr Haus in Ziersdorf an. Mittlerweile zählt er zur Familie.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 14. Dezember 2018 (03:37)
Sylvia Stark
„Mutter Monika“ mit ihrem Ziehsohn Thomas. Er bereichert die Familie, hilft, wo er kann.

Monika Sulz ist Krankenhausseelsorgerin im Landesklinikum Hollabrunn. Dass sie und ihr Mann ihre Nächstenliebe auch privat leben, bewies sie mit der Aufnahme eines jungen Flüchtlings aus dem Nahen Osten.

Monika Sulz und ihr Mann Gerhard, Generalmajor im Innenministerium und ehrenamtlicher Diakon im Pfarrverband Mittleres Schmidatal, lernten Asylwerber Thomas kennen, als Pfarrer Andreas Kalita 14 Immigranten ein Jahr lang auf die Taufe vorbereitete. „Ich habe gemerkt, dass Thomas ohne Familie hier ist. Er ist vor den Islamisten geflohen. Er war besonders in seiner Arbeit als Jurist in einem Krankenhaus politischem und religiösem Druck ausgesetzt“, erzählt Gerhard Sulz.

Sylvia Stark
Gerhard Sulz zeigt seine Freude über den Ziehsohn. Mit seiner Frau lebt er in Baumgarten.

Seit Februar 2016 lebt der 33-jährige Thomas in Ziersdorf. „Mein Problem war die Sprache, vor allem der Dialekt“, berichtet er. Der junge Mann arbeitete wie die anderen damals in Ziersdorf untergebrachten Flüchtlinge regelmäßig für die Gemeinde. Das Team rund um Bürgermeister Johann Gartner und der heuer verstorbene Altbürgermeister Raimund Pfeifer engagierten sich sehr für die Immigranten, von denen fast alle nach der Taufe nach Wien zogen.

„Das Leben am Land hat für mich viele Vorteile"

„Mittlerweile hat Thomas schon die Prüfung für das Deutschniveau C 1 absolviert“, schildert Mutter Monika, wie Thomas seine Ziehmama nennt, stolz. Für die Anerkennung seines im Heimatland absolvierten Rechtsstudiums muss er bis 2022 zehn Prüfungen an der Uni Wien ablegen.

Warum ist er eigentlich nicht auch nach Wien gezogen? „Das Leben am Land hat für mich viele Vorteile. Da gehe ich zum Legionstreffen, zur katholischen Männerbewegung und ich bin auch als Mesner in der Pfarre tätig“, antwortet Thomas. Überhaupt schätzt er die Ruhe hier.

Zweimal besuchte er bereits seinen Bruder in Deutschland. Dort traf er auch seine Schwester, die wie die Mutter im Nahen Osten lebt. „Ah ja, und eine Schwester von mir lebt in Schweden“, wirft Thomas strahlend ein. Zu seiner neuen Familie kam er, als er Monika Sulz fragte, ob sie ein freies Zimmer in der Umgebung wüsste.

"Grunddevise einer christlichen Einstellung“

Inzwischen gehört Thomas zur Familie, auch die Söhne Clemens (27) und Raimund (25) akzeptieren ihn. Und er ist nicht das einzige Ziehkind: Rosi (43) übersiedelte vor 30 Jahren vom Kinderheim zu den Sulz‘.

„Dass ich Thomas unter die Arme gegriffen habe, ist für mich die Grunddevise einer christlichen Einstellung“, sagt Monika Sulz. Dann wird sie nachdenklich: „Leider hört man von der katholischen Kirche immer nur die Missbrauchsvorfälle. Geschichten wie unsere hört man nur im Stillen. Das holt niemanden vom Ofen hervor.“

Nach der Flucht und dem schwierigen Neubeginn fühlt sich Thomas nun frei. An die neue Essenskultur hat er sich natürlich auch schon gewöhnt: „Alles, was Mutter Monika kocht, ist sehr gut, besonders die Schnitzel und der Erdäpfelsterz,“ schwärmt der Ziersdorfer.