Als die Russen nach Horn kamen

Erstellt am 29. Mai 2022 | 04:11
Lesezeit: 3 Min
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In der Zeit nach 1945 waren Johann Krist und der Gymnasialprofessor Adolf Görg (von links mit sowjetischen Soldaten) Gemeinderäte der ÖVP. Das Bild zeigt sie vor der Apotheke am Hauptplatz, wo die Russen die Kommandantur eingerichtet hatten.
Foto: Sammlung Erich Rabl
Zeitzeuge Richard Zecha über das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Besatzung durch russische Soldaten.
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Zeitzeuge Richard Zecha aus Horn.
Foto: Kornell

„Meine kleinen Zwillingsschwestern haben im Gitterbett geschlafen, aber ich war mit meinen Eltern und vielen anderen auf der Straße, die Freude bei allen war riesig“, erinnerte sich der mittlerweile verstorbene Horner Richard Zecha, vielen bekannt als Mitarbeiter der Sparkasse – zuletzt Leiter des dortigen Reisebüros – und einer der ersten, der beim Aufbau der Bezirksstelle des Roten Kreuzes mithalf und viele Jahre Bezirkskassier war, kurz nach seinem 89. Geburtstag vor zwei Jahren an die Abendstunden des 8. Mai 1945, als die Kirchenglocken das Ende des Zweiten Weltkrieges verkündeten. Aber schon am nächsten Tag wich die Freude der Ernüchterung, als russische Soldaten in Horn einmarschierten.

Prägend waren für ihn dieser Einmarsch und die Zeit danach: „Die Russen sind mit Lastwagen vorgefahren und haben die Häuser in der Riedenburgstraße und Ferdinand-Graf-Gasse räumen lassen und in Besitz genommen. Viele Häuser in Horn sind geplündert worden, auch unser Haus an der Ecke Misson- und Lazarethgasse – dort war kein Lazarett, es ist ein Flurname – blieb nicht verschont.“

In besonderer Erinnerung blieb ihm der „Sturm“ der Russen auf das Kaufhaus Öhlknecht in der Pragerstraße, heute der Öhlknechthof. „Aber auch etliche Horner sind mit Leiterwagen gekommen und haben sich geholt, was die Russen übrig gelassen haben. Ich erinnere mich noch gut, wie Maggi-Würfel überall auf der Straße verstreut gelegen sind.“ Nicht vergessen hat er auch die Kommandantur, die in der heutigen (und damaligen) Apotheke eingerichtet wurde und wo ein Schulkollege davor auf der Straße gesessen ist und den Russen die Schuhe geputzt hat. „Diese ,Geschäftsidee‘ habe ich dann auch mit meinem inzwischen verstorbenen Freund Walter Winkler verfolgt.“

Mit diesem ist er auch oft zu der mit Zaun und Stacheldraht umgebenen Kaserne, in der bis zu 3.000 deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren, gegangen und hat den Leuten Zigaretten, Brot und Kartoffeln zugesteckt. „Erwischen hätte man uns nicht dürfen, sonst …“ Der Zaun im Taffatal steht noch heute, die Erinnerung Zechas an diese Zeit blieb immer lebendig.

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