Erstellt am 28. März 2012, 00:00

Abt und Stift im Kreuzfeuer. KRITIK / Vorwürfe wegen Aufnahme eines Tatverdächtigen aus Kremsmünster. Christian Haidinger fühlt sich falsch zitiert.

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VON MARTIN KALCHHAUSER

ALTENBURG, KREMSMÜNSTER / „Es bringt mich nicht aus der Ruhe, aber ärgerlich ist es schon.“ Christian Haidinger, Abt des Stiftes Altenburg und als Abtpräses zugleich oberster Benediktiner Österreichs, ist in die Schlagzeilen geraten. In einer „profil“-Coverstory über das Stift Kremsmünster („Kremsmonster“), dem er als Schüler, später als Mönch und Lehrer über 40 Jahre zugehörte, geht es um Übergriffe gegen Jugendliche dort. Zusätzlich sorgte der Umstand für Aufregung, dass der schwer beschuldigte Pater Alfons M. im Stift Altenburg unterkam.

Kein Verständnis für die  Aufregung über den Gast

„Ich habe kein Verständnis über die Aufregung über den Aufenthalt Pater Alfons‘ bei uns“, stellt Haidinger klar. „Er ist die ganze Zeit in seiner Zelle gesessen und war nur beim Chorgebet bei uns.“ Geplant sei gewesen, dass sich der Bruder, der seit 9. Jänner im Stift war, bis zum Palmsonntag bleibe. „Er ist aber am 15. März abgereist und damit dem ,profil‘-Artikel zuvorgekommen.“ Er habe Altenburg „da nicht hineinziehen“ wollen.

Dem Pater werden neben Übergriffen gegen ihm anvertraute Internatszöglinge auch illegaler Waffenbesitz – er soll Schülern auch drohend seine Pumpgun gezeigt haben – vorgeworfen. „Wir können ihn auch nicht auf den Mond schießen!“, hofft Haidinger, dass ein Gericht den Mitbruder zur Verantwortung ziehen wird. „Er wartet auf seinen Prozess. Aber noch ist er nicht verurteilt, und ich habe als Abtpräses eine Verantwortung.“

Haidinger betont, dass er nach der Anfrage seines Abt-Kollegen Ambros Ebhart aus Kremsmünster den Altenburger Seniorenrat (Mitglieder: der Abt, Prior Thomas Renner, Subprior Michael Hüttl, Pater Albert Groiß und Alt-Abt Bernhard Naber, Anm.) informiert habe. Auch Sängerknaben-Erzieher Ernst Kugler war informiert. Der 78-Jährige sei aber ohnehin nie mit jemand in Kontakt gekommen. Nun wohne er in einem Seniorenheim.

Völlig falsch zitiert fühlt sich Abt Christian in der Wochenzeitschrift in Bezug auf sein eigenes Verhalten. Konkret wird ihm vorgeworfen, einem Schüler, der sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte, die Krankensalbung gespendet zu haben, statt Hilfe zu holen. „Jeder, der mich nur ein bisschen kennt, glaubt nicht, dass ich einem Opfer, das zu verbluten droht, keine Hilfe hole!“, ärgert er sich. Er könne sich nur an einen Selbstmordversuch mit Tabletten (der Schüler wurde gerettet) erinnern.

Tabuthema: „Wir haben  nichts mitbekommen!“

„Es macht mich persönlich tief betroffen, was da von den ehemaligen Kremsmünster-Schülern alles vorgebracht wird“, will Haidinger die – sogar laut Kremsmünster-Abt Ebhart durchaus glaubwürdigen – Vorwürfe nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Aber wir haben wirklich nichts mitbekommen. Natürlich waren sexuelle Übergriffe damals ein Tabuthema.“