"Kinderschiff" ist eröffnet

„Die Bürgermeister haben den Trend erkannt“, freut sich Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister über die gestern eröffnete Tagesbetreuungsstätte in Sigmundsherberg. Pfarrer Milos Ambros nahm - ganz launig in Kapitänsmanier - die Segnung vor.

Erstellt am 10. Oktober 2021 | 15:23

„Das macht nichts. Ich habe eine laute Stimme und wir werden das aushalten“, sagt Bürgermeister Franz Göd bei der Eröffnung der Tagesbetreuungseinrichtung am Samstag zu einer Mutter, die ihr Kind beruhigen muss. „Kinderschrei ist Zukunftsmusik!“

Ihn schmerzt es dagegen, wenn er sich Meldungen um mangelnde Kinderbetreuung in Österreich anhören müsse. Denn die Region habe viel auf die Beine stellen können, denkt Göd dabei auch an Röschitz, Meiseldorf, Burgschleinitz, Straning und Eggenburg. „Ich glaube, da ist Niederösterreich over the top.“

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So weit würde allerdings Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister nicht unbedingt gehen: Die EU gibt eine 33 prozentige Kinderbetreuungsquote vor, das Bundesland liege derzeit bei bis zu 27 Prozent. „Da fehlt noch ein Stück, aber man muss auch die Entwicklung sehen.“ Sie sei zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg. „Die Bürgermeister haben den Trend erkannt.“

Frühe Betreuung, aber kein  „Fortschieben“

Es gehe nicht darum, dass Kinder „abgeschoben“ werden. Das betont Teschl-Hofmeister. „Die Eltern wollen, dass die Kinder früh Kontakte mit Altersgenossen knüpfen.“ Die pädagogische Betreuung und das Wurzelschlagen in ganz jungen Jahren dürfe nicht vergessen werden. Und: „Das ist aus meiner Sicht eine Investition in den Wirtschaftsstandort.“

Das „Kinderschiff“ liegt bei der Christophorus-Siedlung und neben dem „Spielplatz der Generationen“: Die Tagesbetreuungseinrichtung befindet sich in einem Zubau des Kindergartens, der außerdem zum Teil umgebaut wurde. Die frühere Mutterberatungsstelle dient nämlich heute der dritten Gruppe, die seit 2015/16 besteht.

Nendwich: „Hat unheimlich viel Spaß gemacht“

Eine der tragenden Säulen für die Umsetzung war geschäftsführende Gemeinderätin Eva Nendwich: Sie richtete emotionale Dankesworte an den Bürgermeister, der ihr die Aufgabe übertragen und damit großes Vertrauen gezeigt habe. „Ich durfte mit diesem Projekt viele Erfahrungen sammeln und es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht.“ Stolz ist sie darauf, dass die geplanten Kosten unterschritten wurden, obwohl unvorhergesehene Baumaßnahmen (mit 50.000 Euro an Zusatzkosten) bezahlt werden müssen.

„Es war keine leichte Aufgabe, den Kindergarten-Betrieb während der Bauphase aufrechtzuerhalten; dann ist Corona dazugekommen“, erinnert sich der Bürgermeister. „Das war für uns schon eine große Herausforderung“, bestätigt Kindergartenleiterin Melitta Weißenhofer. Die Umsetzung sei aber auch gelungen, weil die Eltern „sehr viel Verständnis“ an den Tag legten. „Es ist ein richtiger Wohlfühlkindergarten, in dem sich alle – die Kinder und das Personal – optimal weiterentwickeln können“, unterstreicht die Leiterin.

Pfarrer Milo Ambros segnet zum Schluss alle Räume, nachdem er das launig vorgetragene Evangelium mit einem fröhlichen „Ahoi!“ beendet hat.

Bau-Details

  • Baubeginn: Juni 2020
  • Inbetriebnahme: zweite Februar-Woche 2021
  • Kosten: 1.266.000 Euro (geplant), 1.240.000 Euro (tatsächlich)
  • Sigmundsherberg bietet eine neunwöchige Ferienbetreuung an (außer Weihnachten, aber den Sommer über durchgehend).
  • Sechs Betreuer beschäftigt die Marktgemeinde in den Kindergärten (einer steht noch in Walkenstein) und in der Tagesbetreuung.
  • Seit September neu: Die Kinder werden in einem neunsitzigen Elektrobus von Gemeindebediensteten abgeholt, zum Kindergarten und wieder nach Hause gebracht. Derzeit ist ein Ersatzauto im Einsatz, bis das neu angekaufte Fahrzeug im November geliefert wird.