Kündigung im Spitalsbett als „Top-Grauslichkeit“ 2017. Kündigung im Spitalsbett war „Top-Grauslichkeit“ des vergangenen Jahres. 700.000 Euro herausgeholt

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 24. Februar 2018 (06:19)
Horns AK-Bezirksstellenleiter Robert Fischer mit AK-Präsident Markus Wieser: „Die Zahlen allein spiegeln noch lange nicht alles wider, was die Arbeiterkammer für ihre Mitglieder im Bezirk Horn erledigt!“
AKNÖ

Es ist leider eine beliebte Praxis, Mitarbeiter im Krankenstand zu kündigen. „Dann braucht der Arbeitgeber das Entgelt nicht für die gesetzlich vorgesehene Frist weiterzuzahlen“, weiß der Horner AK-Bezirksstellenleiter Robert Fischer aus Erfahrung. Im vergangenen Jahr konzentrierte sich die Arbeiterkammer besonders auf derartige Fälle – und musste einige Male Arbeitnehmern zu Hilfe kommen.

Nach OP zurück gekehrt: Kündigung lag am Tisch

Glück im Unglück hatte eine Angestellte in einem besonders unschönen Fall. Der Chef hatte ihr angekündigt, sie „bald zum AMS schicken“ zu müssen und schickte sie auf Urlaub. Dann musste sie zu einer unaufschiebbaren OP ins Spital und meldete sich beim Chef (weil sie ihn telefonisch nicht erreichen konnte) per SMS krank. Bei der Rückkehr nach Hause lag die Kündigung am Tisch.

„Zum Glück gilt die Kündigung erst, wenn die Betroffene darüber in Kenntnis gesetzt ist“, machte sich Fischer für die Frau stark. „Die ausstehenden Zahlungen konnten eingefordert werden, der Malerbetrieb zahlte den Lohn für die Zeit der Kündigungsfrist von rund 620 Euro nach.“

Arbeiterkammer leistet auch Informationsarbeit

Die Summe findet sich in der AKNÖ-Blanz für den Bezirk (siehe weiter unten!), landesweit konnten 51 Millionen erfolgreich eingefordert werden, bei uns 685.741 Euro. 3.753 Mal wurde die AK kontaktiert. „Dabei sagt diese Zahl nicht viel aus“, meint Fischer. „Wir leisten ja auch Informationsarbeit an allen Mittelschulen, im Poly und in HLW und HAK.“ Dort gehe es um Vorbereitung auf die Arbeitswelt (Lehrverträge, …). Bei den (Pflicht-)Praktika der BHS-Schüler seien teilweise in Verträge Fallen eingebaut.

Obwohl es oft gar nicht zu Klagen komme, sondern ein Brief der AK reiche, um berechtigte Forderungen von Dienstnehmern einzufordern, dominiere oft die Angst um den Arbeitsplatz. „Leider gibt es viele Fälle, in denen sich Leute informieren, sich ihre Rechte dann aber nicht einzufordern trauen.“ Sorgt die Verbesserung der Lage auf dem Jobmarkt nicht für Entspannung? Fischer: „Da ist es leider noch zu wenig nach oben gegangen. Je höher die Position ist, desto schwieriger ist es, im Notfall einen gleichwertigen anderen Arbeitsplatz in der Region zu finden.“