Pferde und Vögel als Waldarbeiter. Das Stift Altenburg setzt in seinen Forstrevieren auf Pferde als Arbeitskräfte – und Vögel als heimliche Forst-Helfer.

Von Eduard Reininger. Erstellt am 20. Juni 2020 (06:03)
Branko Hug ist mit seinen drei Hengsten im Holzrückeeinsatz für das Stift Altenburg unterwegs, um die Belastung des Waldbodens möglichst gering zu halten und um die wertvolle und sensible Ressource Waldboden zu schützen.Reininger
Eduard

Nachhaltigkeit und Ökologie werden im Stift Altenburg großgeschrieben. Rund 2800 Hektar Waldfläche, aufgeteilt auf die zwei Forstreviere Altenburg und Wildberg, die auf einer Seehöhe von 260 bis 600 Metern liegen, bilden ein wichtiges Standbein der wirtschaftlichen Tätigkeit von Stift Altenburg, informierte Forstbetriebsleiter Herbert Schmid.

Um die wichtige Ressource Waldboden zu schonen, setzt Schmid bei der Bewirtschaftung von besonders sensiblen und schützenswerten Böden im Natura 2000 Gebiet auf die sanfte Kraft der Pferde, um den Einsatz von Maschinen und der damit verbundenen negativen Begleiterscheinungen hintanzuhalten. Und so ertönt seit vier Jahren „Hü und Ho“ aus dem Wald. Branko Hug ist mit seinen drei Hengsten im Holzrücke-Einsatz für das Stift unterwegs, um die Belastung des Waldbodens möglichst gering zu halten. Trittsicher bringen die Pferde die Baumstämme zum nächsten Forstplatz.

„Dass alles in gemäßigtem Tempo passiert, entspricht genau dem ausgeglichenen Temperament meiner Pferde.“ Pferdebesitzer Branko Hug

„Hier können die bis zu rund 900 Kilo schweren Tiere ihre Kraft und Ausdauer zeigen. Dass alles in gemäßigtem Tempo passiert, entspricht genau ihrem ausgeglichenen Temperament“, ist Pferdebesitzer Hug überzeugt. Seine Pferde seien den Einsatz in Kombination mit Waldmaschinen gewohnt, sodass sichere Forstarbeit garantiert sei, betont er. Und auch für Forstdirektor Schmid ist das „Holzrücken mit dem Pferd umweltfreundlich und es verursacht keinen Lärm“. Es sei eine traditionelle Form der Waldarbeit in Harmonie mit der Natur. Die Arbeit mit den Pferden sei für den Boden sowie für die Pflanzen- und Insektenwelt weitaus besser als die schweren Holzernter (Harvester), „vom Dieselverbrauch und dem Schadstoffausstoß ganz zu schweigen“, meinte Schmid. Das Pferd sei viel flexibler, es sei für den Wald schonender, und „wir tragen außerdem dazu bei, wertvolles Handwerk zu bewahren.“

Seit seiner Bestellung 1982 hat sich Schmid konsequent mit dem Umbau der Bestände beschäftigt, um den Wald „klimafit“ zu machen. In den stiftseigenen Mischwäldern wird konsequent auf Naturverjüngung gesetzt. Dabei scheut Forstbetriebsleiter Schmid auch nicht vor unkonventionellen Methoden zurück und setzt auf geflügelte Unterstützung bei der Verjüngung mit Eiche und Buche. „Wir bieten Eichelhähern in eigens gebauten Futterkisten Eicheln und Bucheckern an“, berichtete der Forstdirektor.

Die Vögel verstecken die Früchte als Wintervorrat im Waldboden und die „vergessenen“ Samen keimen. Bis jetzt laufe alles sehr erfolgreich – nach dem Minimalprinzip „wenig Aufwand, großer Erfolg“, zeigte sich Schmid erfreut. Im forstlichen Alltag stehe der Erhalt eines „klimafitten“ Waldes im Vordergrund, sagte der Forstdirektor.