Sängerknaben: Stimme erklingt nur online,

„Altenburger Sängerknaben“ dürfen derzeit nicht gemeinsam proben. Verantwortliche suchen weiterhin nach Nachwuchs.

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 07:27
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Die Altenburger Sängerknaben müssen einmal mehr pausieren: Der Chor darf im Lockdown keine Proben durchführen. Die Pandemie setzt ihm zu, einerseits weil die Ausbildung spürbar gehemmt ist. Und: Die Verantwortlichen feilen daran, wie sie neue Mitglieder gewinnen können. Die Nachwuchssorgen sind nicht geringer geworden.

Das Sommercamp, das heuer abgehalten wurde, hat zwar Wirkung gezeigt: „Zwei Buben sind geblieben“, freut sich Internatsleiter Ernst Kugler. Aber die Pandemie hinterlässt ihre Spuren: Zum Chor kamen vereinzelt Knaben nicht mehr zurück. „Die Anreize werden immer weniger, um solche Institutionen in Anspruch zu nehmen: Singen dürfen’s nicht, spielen dürfen’s nicht. Das wird halt auf Deutsch gesagt fader.“

Singen dürfen’s nicht, spielen dürfen’s nicht. Das wird halt auf Deutsch gesagt fader.“

Größere Abgänge gibt es dann, wenn der vierte oder achte Schuljahrgang abgeschlossen ist. „Das waren zuletzt relativ große Klassen“, sagt Kugler. Ein Nachrücken in dieser Größenordnung erfolgte nicht. Was tun?

„Wir suchen ganz gezielt nach Volksschülern, die tageweise zu uns kommen können.“ Die Sängerknaben suchen grundsätzlich öffentliche Schulen auf und verbringen die Zeit nach Unterrichtsschluss üblicherweise von Montag bis Freitag in Altenburg, um zu lernen – und zu singen. Das neue Angebot ist flexibler: „Sie können sich zwei Tage ausschen, wo sie betreut werden. Die Chor-Verantwortlichen planen zudem im Jänner einen „Tag der offenen Tür“ und wollen wieder Schulen aufsuchen, um den musikalischen Botschafter des Landes vorzustellen.

Wird überlegt, den Chor für Mädchen zu öffnen?

„Im Moment reden wir davon noch nicht. Was die Zukunft bringt, weiß man nicht, da ist alles Mögliche denkbar.“ 1961 erfolgte die Wiedergründung der Altenburger Sängerknaben, bis heute werden nur Buben aufgenommen. „Der Hauptgrund ist eigentlich, dass ein Knabenchor kurz vorm Stimmbruch einen ganz spezifischen Klang hat. Die Mädchen singen auch schön, aber darum geht’s nicht“, verweist Kugler darauf, dass es sich um eine gewachsene Institution in einem Männerkloster handelt. Die Gründung eines eigenen Mädchenchores müsste organisatorisch genau überlegt werden: „Aber das heißt nicht, dass es nicht einmal kommen wird. Veränderungen sind immer denkbar.“

Singen im Distance Learning „gestaltet sich schwierig“

Der Betreuungsbetrieb ist derzeit im Lockdown ganz normal, zumindest für jene, die auch die Schulen aufsuchen. Und das ist die Mehrheit. Corona-Tests werden regelmäßig durchgeführt, auch in Altenburg. 15Knaben kommen derzeit regelmäßig. Das Singen wird im Distance Learning absolviert.

„Das gestaltet sich schwierig“, erklärt Kugler. „Auf der einen Seite ist das Klavier, auf der anderen Seite soll der Bursche singen. Es braucht den persönlichen Kontakt, damit man ihnen zeigt, worauf sie achten sollen.“ Jene Knaben mit wenig praktischen Erfahrungen tun sich besonders schwer.

Grundsätzlich hält es aber Kugler für gut, dass die Schulen offen sind. „Vor allem deshalb, weil das die Kinder selber wollen. Diejenigen, die wollen, sind daheim“, sagt er. „Es macht ihnen einen Riesenspaß, wenn sie zusammensein können, natürlich eingeschränkt, aber zumindest den Kontakt gibt’s“, führt er aus. „Manche brauchen auch die schulische Betreuung, die fehlt ihnen sonst.“

Kugler erklärt die Vorzüge einer Mitgliedschaft bei den Sängerknaben: „Was man sicher mitnehmen kann, ist dieses Gemeinschaftserlebnis. Man verbringt die Freizeit miteinander, macht die Hausübungen gemeinsam und was man ganz spezifisch lernt, ist das Singen. Man lernt, im Chor aufeinander zu achten, weiß, wie man Stücke interpretieren und singen kann.“

Hin und wieder schlägt der ein oder andere eine musikalische Laufbahn ein: Karl-Heinz Lehner aus Eggenburg ist Opernsänger in Deutschland, Josef M. Döller ist Domkapellmeister in Graz, Norbert Matsch ist Stiftskapellmeister in Wilten bei Innsbruck. Einer der bekanntesten ist wohl Andy Marek aus Siegharts, der noch immer auf Bühnen singt.