Flüchtlinge am Arbeitsmarkt: „Sprache ist Um und Auf“. AMS-Geschäftsstellenleiter Ferdinand Schopp spricht über die Voraussetzungen von Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 08. August 2018 (06:02)
Weikertschläger
AMS-Geschäftsstellenleiter Ferdinand Schopp analysiert die aktuellen Zahlen an beim AMS gemeldeten Asylwerbern im Bezirk Horn. Foto: TW

Ende Juli waren im Bezirk Horn insgesamt 62 Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte beim Arbeitsmarktservice Horn gemeldet (Juli 2017: 45). Die NÖN sprach mit AMS-Geschäftsstellenleiter Ferdinand Schopp über Integrationsmaßnahmen, Fortbildungsmaßnahmen und Chancen am Arbeitsmarkt.

NÖN: Die Zahl der beim AMS Horn gemeldeten Migranten ist leicht steigend. Wie schaut die Entwicklung genau aus?

Ferdinand Schopp: Mit Ende Juli waren 24 Konventionsflüchtlinge arbeitslos gemeldet, 22 in Schulungen und einer auf Lehrstellensuche. Im Vorjahr waren 32 arbeitslos gemeldet, elf in Schulungen und zwei auf Lehrstellensuche. Insgesamt blieb hier die Zahl mit 47 im Vergleich zu 45 relativ konstant. Einen größeren Anstieg gibt es bei den Subsidiär Schutzberechtigten. Hier hatten wir im Vorjahr null gemeldet. Derzeit sind sechs arbeitslos gemeldet und neun in Schulungen.

Quelle AMS, Grafik Bischof
Die AMS-Flüchtlingsstatistik

Was macht das AMS Horn konkret, um diese Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen?

Wir setzen auf vier Punkte: Verbesserung der Sprachkenntnisse, Vermittlung an die Betriebe, Förderungen und bedarfsorientierte Ausbildung bei Mangelberufen.

Bleiben wir bei den Sprachkenntnissen: Wie wichtig ist die Sprache bei der beruflichen Integration tatsächlich?

Sie ist das Um und Auf. Derzeit haben wir zwei Kurse laufen, einen auf Niveau A2 und einen auf B1, der schon für Fortgeschrittene ist. In beiden Kursen sind Plätze für 60 Teilnehmer. Die aktuellen Kurse haben Ende Juli begonnen, dauern bis Ende November, sind halbtägig und werden von Trainern, die die Sprachen der Flüchtlinge beherrschen, geleitet. Sie werden von Männern und Frauen gleichermaßen genutzt. Ich war beim Start der Kurse selbst dabei. Die Vorkenntnisse sind so, dass man sich jederzeit mit den Teilnehmern verständigen kann. Zudem kooperieren wir auch mit dem Österreichischen Integrationsfonds bei Kursen.

„Bei den technischen Berufen ist interessant, dass sich viele Frauen für diesen Bereich interessieren und durchaus auch schon einiges an Vorbildung aus ihrer Heimat haben

Kommen wir zu den weiteren Punkten: Wie funktioniert die Vermittlung der Betroffenen und wie wird gefördert?

Wenn Firmen Betroffene einstellen, dann übernimmt das AMS einen Teil der Lohnkosten. Eine weitere wichtige Fördermaßnahme sind die sogenannten Arbeitserprobungen. Dabei kommt ein Betroffener für einen kurzen Zeitraum bis zu einer Woche in den Betrieb und kann seine Fähigkeiten und Fertigkeiten unter Beweis stellen. Diese Möglichkeit steht übrigens allen bei uns gemeldeten Arbeitskräften zur Verfügung und bringt allen Beteiligten – sowohl den Arbeitssuchenden, als auch den Unternehmen – etwas, auch dann, wenn es mit einer Einstellung nicht klappt.

Inwiefern?

Wenn es nicht klappt, erhält der Arbeitssuchende ein Feedback und weiß, wo er noch Defizite hat. Hat er aber entsprochen, wird aber nicht genommen, weil das Unternehmen einer anderen Person den Vorzug gegeben hat und das Unternehmen sucht kurz darauf später wieder einen Mitarbeiter, hat der Betroffene dort schon einen ersten Eindruck hinterlassen und das Unternehmen kann sich wieder an diese Person wenden.

Sie haben auch von bedarfsorientierer Ausbilung in Mangelberufen gesprochen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Es gibt etwa über das Wifi in St. Pölten das „Projekt Küche“, ein gezieltes Projekt in den Bereichen Tourismus, Service/Küche und Etage. Es richtet sich an Personen, die im Gastrobereich einfache Hilfstätigkeiten ausüben möchten. In diesem Projekt werden die Teilnehmer gezielt auf die Arbeit in diesem Bereich vorbereitet. Es gibt auch schon eine konkrete Bedarfsmeldung seitens eines Gastronomie-Betriebs im Bezirk Horn.

Es wird im Waldviertel viel vom Fachkräftemangel in technischen Berufen gesprochen. Wie schaut es da mit Ausbildungen aus?

Auch in diesem Bereich gibt es – etwa in Kooperation mit dem BFI Sigmundsherberg – viele Möglichkeiten. Interessant ist, dass sich viele Frauen für diesen Bereich interessieren und durchaus auch schon einiges an Vorbildung aus ihrer Heimat haben. Aber gerade in diesem Bereich sind wir wieder bei der Kernfrage der Sprachkompetenz. Gerade wenn es um technische Fachbegriffe geht, ist es wichtig, sich ordentlich verständigen zu können.