In Eggenburg plant die Post den nächsten Kahlschlag. Abgeordnete Göll läuft Sturm gegen Reduktion von Post-Standorten. Post AG spricht von negativen Zahlen.

Von Karin Pollak, Markus Lohninger und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 05. Februar 2020 (06:14)
Droht der Post-Filiale im Grätzl in Eggenburg das Aus? Bürgermeister Georg Gilli will gegen die Schließung ankämpfen.
Petra Hauk, MK

Die Gmünder Landtags-Abgeordnete Margit Göll (ÖVP) läuft Sturm: Die Post AG plane die nächste Schließungswelle – und damit einen nächsten Schritt zur Ausdünnung der Infrastruktur im ländlichen Raum, zeigt sie auf. Im Bezirk Horn soll es künftig nur noch ein Postamt in der Bezirkshauptstadt Horn geben (zuletzt hatte 2015 das Postamt in Geras seine Pforten zugesperrt), im Gmünder Bezirk sind die Standorte in Schrems und Weitra betroffen.

Bei Regulierungsbehörde angemeldet. Für die Post bestätigt Sprecher Michael Homola der NÖN die Pläne: Die Filialen in den Stadtgemeinden Eggenburg, Weitra und Schrems seien am 31. Jänner bei der Regulierungsbehörde zur Schließung „eingemeldet“ worden. „Die Post macht insgesamt große Gewinne, während die Briefträger seit Jahren miese Arbeitsbedingungen haben und jetzt wieder Postmitarbeiter um ihre Arbeitsplätze bangen müssen“, entrüstet sich Göll. Das sei auch menschlich gesehen „ein Wahnsinn“.

„Ich verstehe nicht, dass man diese Strukturen zerstören muss.“Für Bürgermeister Georg Gilli gehört das Postamt zur Stadt Eggenburg dazu

Homola hält dagegen, dass ohnehin nur Filialen zur Schließung „eingemeldet“ werden können, die „mindestens drei Jahre in Folge wirtschaftlich negativ waren (also nicht kostendeckend zu führen sind) und deren Ausblick ebenso negativ ist“. Das sei in Eggenburg, Weitra und Schrems der Fall. Grund dafür sei hauptsächlich die negative Entwicklung im Briefgeschäft, das jährlich um drei bis fünf Prozent zurückgehe.

Als „Katastrophe“ bezeichnet Bürgermeister Georg Gilli die Postamt-Schließung.
Martin Kalchhauser

Auch Bürgermeister protestiert. Als „Katastrophe“ bezeichnet Bürgermeister Georg Gilli eine im Raum stehende Schließung des Postamts: „Ich verstehe nicht, dass man diese Strukturen zerstören muss.“ Eggenburg ohne Postamt sei für ihn nicht vorstellbar.

Er verweist auf ein erst bevorstehendes Gespräch mit Post- Vertretern, aktuell habe er noch keine offizielle Information zu der im Raum stehenden Postamt-Schließung. Nach diesem Gespräch wolle er schauen, was machbar sei: „Auf alle Fälle werden wir das aber nicht einfach hinnehmen und dagegen protestieren“, gab sich Gilli kämpferisch.

Göll: „Geht um Beschäftigte und Gemeindebürger“. „Warum schraubt man Leistungen zurück? Das machen Leute am Schreibtisch in Wien, die kennen die Strukturen bei uns am Land nicht“, klagt Abgeordnete Göll. Der Protest stehe nicht mit der leitenden Position ihres Gatten Herbert am Postamt in Weitra in Zusammenhang, betont Göll: „Er steht sowieso kurz vor der Pension.“

Ihr gehe es vielmehr um die jüngeren Postmitarbeiter und um Frauen, die Teilzeit Arbeiten – und natürlich um Bürger der betroffenen Gemeinden. „Es gibt Postpartner, aber deren Angebote sind mit einem Postamt nicht vergleichbar.“ Postämter seien in den Städten einfach wichtige Teile der Infrastruktur.

Wie geht es weiter? Margit Göll will die Pläne nicht auf sich sitzen lassen und dagegen auch im Landtagsklub ankämpfen. „Das kann ich nicht zulassen“, zeigt sie sich kämpferisch: „Ich finde es komisch, dass diese Vorhaben niemanden interessieren.“

Die Regulierungsbehörde könne die Einmeldung innerhalb dreier Monate prüfen, klärt Homola auf. Erst nach dem Okay von oben könne die Postfiliale in einen Postpartner umgewandelt werden. „Wir wollen natürlich die bestmögliche Lösung für die Bürgerinnen und Bürger finden und einen professionellen und reibungslosen Übergang von Postfiliale zu Post Partner ermöglichen“, sagt Michael Homola. Für Postkunden ändere sich dadurch nicht viel, denn ein Postpartner biete das gesamte Angebot an postalischen Dienstleistungen.

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  • Postamt Eggenburg: Schließung verständlich?