Noch ein „Schatz“ für das Stift Altenburg. Die Hollabrunner Familie Sainitzer überlässt dem Stift Altenburg ihre Sammlung mit mehr als 400 seltenen Andachtsbildern.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. Juli 2021 (04:08)
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Prior Michael Hüttl (rechts) und Abt Thomas Renner nahmen die Sammlung mit Kulturhistorikerin Monika Dachs von Sohn Lukas Sainitzer sowie Renate und Erwin Leopold Sainitzer (v. li.) entgegen.
Andreas Anker, Andreas Anker

Ein einzelnes Andachtsbild als Geschenk eines Nachbarn zur Geburt des ersten Kindes – das war der Ausgangspunkt für die anhaltende Sammlertätigkeit von Erwin Leopold und Renate Sainitzer von 1963 bis zur Gegenwart. Die gesamte Sammlung – mittlerweile auf mehr als 400 Andachts-, Schnitt- und Spitzenbildchen angewachsen – schenkte die Familie Sainitzer jetzt dem Stift Altenburg.

Jener Nachbar vererbte dem Paar später dessen kleine Sammlung und schürte damit die Leidenschaft für die kleinen, in liebevoller und ebenso mühsamer Kleinarbeit gefertigten Bildchen. Die Bilder sind zum Teil per Hand koloriert und detailreich verziert. Wie Erwin Leopold Sainitzer beim Festakt anlässlich der Schenkung im Stift Altenburg betonte, waren seine Frau und er Zeit ihres Lebens auf der Suche nach besonders seltenen und schönen Exemplaren jener Bildchen. Dafür wurden einige Entbehrungen in Kauf genommen: Statt der Sammlertätigkeit hätte auch das eine oder andere Auto angeschafft werden können.

Sammlung Arnold als „Vorbild“. Mit dem Stift Altenburg verbindet das Ehepaar Sainitzer die Bekanntschaft zu Abt Thomas Renner im Rahmen des „Ritterordens zum Hl. Grab von Jerusalem“. Doch der konkrete Hintergrund, warum die seltene Sammlung ausgerechnet dem Benediktinerstift bei Horn geschenkt wurde, ist bemerkenswert, wie Prior Michael Hüttl unterstreicht: „Das Ehepaar Sainitzer war vor zwei Jahren zu Gast in Stift Altenburg und wurde von mir durch die ,Sammlung Arnold’ geführt, jene einzigartige Gemäldesammlung wertvoller Barockwerke, die uns großzügigerweise vom Ehepaar Arnold aus Tirol überlassen worden ist. Diesem Kunstschatz ist seit 2018 eine eigene Dauerausstellung gewidmet. Die Geschichte des Sammlerehepaares Arnold hat die Familie Sainitzer damals offenbar inspiriert. Denn wenig später entstand die Idee, auch ihre Sammlung unserem Stift zu vermachen.“

Wohnzimmer-Schatz jetzt auch öffentlich zugänglich. Für den bald 80-jährigen Erwin Leopold Sainitzer steht dahinter der Wunsch, die von der Familie fast 60 Jahre lang gesammelten Andachtsbildchen noch zu Lebzeiten an einem passenden Ort aufgehoben zu wissen und erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Bislang war die Sammlung nämlich sozusagen ein Wohnzimmer-Schatz“, betonte Hüttl.

Experten-Einschätzung: „Wertvoll und kunsthistorisch außergewöhnlich“. Der überwiegende Teil der Andachtsbilder wurde von der Familie Sainitzer unter dem Titel „Sammlung Sainitzer I.“ vor wenigen Tagen offiziell an das Stift Altenburg übergeben. Dort wird die Sammlung nun in einem ersten Schritt unter der Leitung von Kunsthistorikerin Monika Dachs wissenschaftlich aufgearbeitet. „Eines sei aber bereits verraten, laut Ersteinschätzung von Dachs ist die Sammlung Sainitzer in jedem Fall als wertvoll und kunsthistorisch außergewöhnlich einzuordnen“, stellte Hüttl fest.

Öffnungszeiten: immer von Donnerstag bis Sonntag sowie an Feiertagen (bis 26. Oktober) von 10 Uhr bis 17 Uhr.