Forscher auf den Spuren der Garser Geschichte. Literaturwissenschaftler Andreas Weigel veröffentlicht seine Erkenntnisse in einem Blog.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 22. November 2020 (05:08)
Andreas Weigel (links), hier mit dem Garser Obmann des Zeitbrücke-Museums Anton Ehrenberger, hat mit diesem ein Buch über den Komponisten Franz von Suppè herausgebracht.
NÖN-Archiv/Rupert Kornell

Bereits seit 2007 ist der Literaturwissenschaftler Andreas Weigel auf den Spuren der Vergangenheit von Gars. Er erforscht die lange und reichhaltige Geschichte der Sommerfrische des Ortes, der doch oft im gleichen Atemzug mit Semmering oder Baden genannt wird. Zum einen setzt er sich für die Wiederentdeckung des Vergessenen ein, „entzaubert“ dabei jedoch gleichzeitig ein wenig den Mythos und die Legenden, die sich um die Stadt ranken.

Damit stieß er nicht immer auf den vollen Zuspruch der Garser. So widerlegte Weigel den Mythos, dass Franz von Suppès Operette „Boccaccio“ in Gars komponiert worden sei. Auch dass Gars die zweitbeliebteste Sommerfrische-Destination Niederösterreichs war, ist laut Weigel frei erfunden. Diese Erkenntnisse kamen natürlich bei einigen nicht gut an.

„Ich will mit meinen Forschungen ganz sicher nicht die Legenden zerstören, doch Fakten sind Fakten. Ich forsche gewissenhaft und Fehler müssen korrigiert werden“, erklärt Weigel.

Auch wenn seine Ergebnisse bei manchen Garsern umstritten sind, gilt er mittlerweile als Fachmann für die Tourismusgeschichte der Marktgemeinde und brachte zahlreiche Erkenntnisse ans Tageslicht.

„Ich will mit meinen Geschichten ganz sicher nicht die Legenden zerstören, doch Fakten sind Fakten.“ Andreas Weigel

Anfang der 1970er Jahre verbrachte er selbst als Kind einige Sommerurlaube im Kamptal – eine Erfahrung, die ihn später zu seinen Forschungen motivierte. Er entwickelte große Faszination für den Urlaubsort der Kindheit und bemerkte, dass es relativ wenige Informationen gab.

„Gars wird immer wieder auf wenige Personen wie Franz von Suppè beschränkt. Ich war jedoch erstaunt, wie viel Wissen aus der damaligen Zeit verloren gegangen ist“, erklärt Weigel.

Auch Geschichte der Garser Hotels erforscht

Er betont, dass erst durch seine Forschungen ein großer Teil der Garser Sommerfrische rund um die Hotels und Künstler aufgedeckt und wiederentdeckt wurde. Komponist Hans Eisler, Malerin Olga Wisinger-Florian und Schriftsteller Walter von Molo sind nur einige der mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten, deren Besuch in Gars er nachweisen konnte.

Besonders interessant gilt die Geschichte der vielen Hotels, wie dem Hotel Kamptalhof, das ausgerechnet zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges eröffnet wurde. Auch mit der Waldpension (Mück) und ihrer fast vergessenen jüdischen Geschichte beschäftigte sich Weigel intensiv.

Seine Forschungsergebnisse teilt er seit 2017 kontinuierlich auf seinem privaten Blog „Stars in Gars“ und der damit verbundenen Facebook-Seite. Auf der Seite gibt es vielfältige Informationen über die Geschichte der Sommerfrische Gars, mit ihrer Hotellerie und einer umfassende Bestandsaufnahme jener Künstler, deren Gars-Aufenthalte laut Weigel von der Forschung bislang grob vernachlässigt wurden.

„Es ist wie ein Mosaik, das sich langsam zusammensetzt. Mit immer neuen Erkenntnissen ergibt sich Stück für Stück das große Gesamtbild der Garser Sommerfrische“, erklärt Weigel zu seiner Forschungsarbeit. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.