Wilde Vertuschungs-Anschuldigungen nach Jagdunfall. Jäger merkte erst nach Tagen, dass er in Wartberg (Gemeinde Straning-Grafenberg) von Kugel getroffen wurde. Jäger und Polizei widersprechen anonymem Brief.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:18)
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Es liest sich wie das Drehbuch zu einem schlechten Heimatfilm: Laut einem anonymen Brief, der in den NÖN-Redaktionen Horn und Hollabrunn eingegangen ist, soll eine Jägerin im betrunkenen Zustand bei einer Treibjagd in Wartberg einen Jäger aus Hollabrunn angeschossen haben. Die Wunde sei dann an Ort und Stelle von einer Tierärztin genäht worden.

Weil die Schützin persönliche Beziehungen in prominente Kreise – sowohl in die lokale Politik als auch zur Polizei – habe, werde der Vorfall aber sowohl von der Jägerschaft, als auch von der Polizei vertuscht.

Ruttenstock deckt einige „Fehler“ im Schreiben auf

Der Horner Bezirksjägermeister Karl Ruttenstock bestätigte gegenüber der NÖN, dass es den Vorfall, von dem er zunächst längere Zeit nichts gewusst habe, gegeben hat. Zunächst sei man von einem kleineren Unfall ausgegangen, der nicht anzeigepflichtig sei. Der getroffene Jäger habe zunächst angenommen, es handle sich nur um einen Kratzer und habe die Jagd auch fortgesetzt.

Erst später sei er zu einem Arzt gegangen, dabei sei eine Schrotkugel zutage getreten. „Und dann hat es auch die entsprechende Anzeige bei der Polizei gegeben und das notwendige Verfahren wurde eingeleitet“, erklärt Ruttenstock, der auch einige andere „Fehler“ im anonymen Schreiben aufdeckt.

So sei der beschuldigte Jagdleiter gar nicht in dieser Funktion tätig, sondern nur Mitpächter, auch der Begleiter der Schützin sei nicht mehr, wie im Brief angegeben, Jagdleiter. Auch die angeblich handelnde Tierärztin sei gar nicht bei dieser Jagd dabei gewesen.

Polizei will Fall „lückenlos“ aufklären

Polizeibezirkskommandantin Birgit Geitzenauer bestätigte gegenüber der NÖN die Version Ruttenstocks. Es habe bei dieser Jagd, die schon am 23. Oktober stattgefunden hat, einen Vorfall gegeben. Zunächst habe der Jäger nur eine Schürfwunde angenommen, erst später habe sich herausgestellt, dass doch eine Schrotkugel den Mann im Mundbereich getroffen habe.

Daher sei zunächst auch bei der PI Hollabrunn Anzeige erstattet worden, von dort sei der Fall zur zuständigen PI Eggenburg weitergeleitet worden. Zur angeblichen Alkoholisierung der Schützin und ihres Begleiters könne man aufgrund des zeitlichen Abstandes keine Nachforschungen mehr anstellen, meint Geitzenauer, die eine „lückenlose Aufklärung“ der Anschuldigungen ankündigte.

Bezirksjäger: „Alle Vorfälle gleich melden“

Der ebenfalls im Schreiben kritisierte Hegeringleiter Leopold Winkelhofer meinte von der NÖN mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe den Vorfall nicht gemeldet, da er davon gar nichts gewusst habe. „Und das glaube ich ihm“, sagt Ruttenstock, denn: „Wir sind ein paar Tage nach der besagten Jagd beieinander gewesen. Da wurde über die Jagd gesprochen, der Vorfall war dabei aber kein Thema“, meint der Bezirksjägermeister, dass zu diesem Zeitpunkt noch niemand davon ausgegangen sei, dass es eine gröbere Verletzung gegeben habe.

Vorfälle wie dieser seien auch nicht zu vermeiden, sagt Ruttenstock: „Die kommen immer wieder vor“, sagt er. Er empfiehlt seinen Waidkameraden, auch kleinste Vorfälle sofort zu melden, selbst, wenn sie nicht meldepflichtig sind, denn: „Wenn du gleich zur Polizei gehst und freiwillig einen Alko-Test machst, kann man Vorwürfe wie diesen verhindern und gleich zeigen, was Sache ist.“

Er selbst habe bei einem ähnlichen Vorfall aktiv Anzeige erstattet und einen Alkoholtest absolviert, um dann gleich beweisen zu können, dass kein Alkohol im Spiel war.