Bruch Spur Zeichen: Künstlerin mit „Zwischenbericht“. Die Künstlerin Sabine Müller-Funk über die Ziele ihrer Arbeit, die aktuelle große Ausstellung „Bruch Spur Zeichen“ und ihre persönliche Integration in Drosendorf.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 10. März 2018 (04:15)
Martin Kalchhauser
Sabine Müller-Funk mit dem Werk „Membran“ (2005), das im Garten ihres Hauses in Drosendorf steht.

Anlässlich der großen Werkschau „Bruch Spur Zeichen“, die ab 16. März in St. Pölten zu sehen sein wird, bat die NÖN die Künstlerin Sabine Müller-Funk zum Gespräch.

NÖN: Seit wann sind Sie künstlerisch tätig?

Sabine Müller-Funk: Seit ich mein Studium angefangen habe. Aber meine erste Konzeptkunst war, als ich als Kind mit fünf oder sechs Jahren eine kleine Box mit einem Würfelspiel gebaut habe, wo ich oben etwas eingeworfen und dafür unten wieder etwas herausbekommen habe. Ich habe dann in Bayern eine Ausbildung als Restauratorin, als Kirchenmalerin, gemacht. Das war eine gute Grundlage für das Studium der Malerei in München an der Akademie ab 1981.

„Mein Mann hat sich mit einem Wäschekorb voller Bücher in einem alten Gasthof eingemietet“

Seit wann sind Sie in Drosendorf heimisch?

1989 habe ich meinen Mann Wolfgang geheiratet, kurz danach haben wir dieses Haus in Drosendorf gekauft.

Warum ist es gerade Drosendorf geworden?

Das war wegen meines Mannes. Er wollte sich Drosendorf anschauen, weil von hier seine Verwandtschaft herkam. Er kannte es aber nicht. Aber als er seine Doktorarbeit geschrieben hat, hat er sich mit einem Wäschekorb voller Bücher in einem alten Gasthof in Unterthürnau eingemietet. Nachdem wir uns zwei Wochen davor kennengelernt hatten, hat er mir Briefe geschrieben mit Fotos von hier – und dann sind wir gemeinsam hierher gefahren und haben uns in die Landschaft und in das Haus verliebt, ohne wirklich zu überlegen, wie man hier leben kann. Aber wir hatten großen Optimismus.

Sind Sie in den vielen Jahren in Drosendorf heimisch geworden oder noch eine „Zuagroaste“?

Das Problem mit den „Zuagroasten“ gibt es nicht mehr. Es heißt zwar, dass man erst ab der dritten Generation wirklich dazugehört. Aber wir haben gesagt, wenn man den ersten Winter hier überstanden hat, gehört man dazu. Und wir haben gleich zu Beginn einen Winter mit teilweise minus 30 Grad erlebt. Dann haben wir dazugehört. Es gibt sehr viele Projekte, bei denen wir involviert sind, zum Beispiel den Filmclub, den wir mitgegründet haben, den Jazzclub und den Kulturverein KUKUK.

Warum machen sie Kunst? Was wollen Sie bewirken?

Diese Frage stelle ich mir nicht so direkt. Ich mache Kunst, weil ich damit überhaupt selber erst Fragestellungen formulieren kann oder merke, womit ich mich beschäftige. Manche Sachen kommen erst dadurch zu mir, und ich finde dann Lösungen, bei denen ich sehe, dass es auch für andere Leute tatsächlich Lösungen sind. Das finde ich sehr spannend. Auch im Katalog, der anlässlich meines Ausstellungsprojektes „Bruch Spur Zeichen“ erscheint, schreiben Leute, die anhand meiner Arbeiten Sachen entdecken, die ich zuerst gar nicht gesehen habe. Das Beschäftigen mit Kunst fördert ein Verstehen von Gesamtzusammenhängen.

„Wenn ich spintisieren darf, denke ich an Schreiben mit Flugzeugen“

Würden Sie das Wort „Horizonterweiterung“ verwenden?

Kunst ist immer Horizonterweiterung! Durch gute Kunst kann man etwas neu sehen lernen.

Was ist das Besondere an der Ausstellung „Bruch Spur Zeichen“?

Sie zeigt mich in einem größeren Zusammenhang, vor allem die verschiedenen Aspekte – also die Arbeiten mit Glas, das Arbeiten mit Schrift und das Performative. Das ist etwas, was viele Leute noch nicht wahrgenommen haben. Ich hoffe damit auch, eine größere, komplettere Außenwahrnehmung zu erreichen.

Für eine retrospektive Werkschau ist es wohl noch zu früh …

Ich würde sagen, es ist ein Zwischenbericht. Und so etwas ist auch für einen selber spannend, weil es einen bestätigt und neuen Schub gibt. Man überlegt auch, welche Richtung einem wichtiger ist.

Es gibt also ungebrochene Schubkraft. Was würden Sie noch gerne machen?

Schreibaktionen reizen mich nach wie vor sehr. Wenn ich spintisieren darf, denke ich an Schreiben mit Flugzeugen. Das gibt es natürlich schon, aber es würde das Thema Leichtigkeit mit der Kunst ideal verbinden. Große Aktionen wären nach wie vor sehr spannend. Und das Thema Schrift in Verbindung mit interkulturellem Austausch bleibt auf der Agenda.