Baubranche im Bezirk Horn kämpft mit Sorgen. Zahlreiche Bauunternehmen berichten von mangelnden Ressourcen und Preiserhöhungen. Wie sieht die Zukunft aus?

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 28. April 2021 (05:55)
Auch Hartl Haus bemerkt die starken Preiserhöhungen von Baumaterialien. Lieferengpässe gäbe es aber aktuell keine. Auf den Baustellen wird nach wie vor ohne Verzögerungen gearbeitet.
Hartl Haus, Hartl Haus

Ratlosigkeit macht sich breit. Die Baubranche fährt zwar trotz Corona weiterhin stark und freut sich über eine gute Auftragslage, doch just zur besten Bausaison macht sich ein Mangel an Baustoffen bemerkbar. Das sorgt für Sorgenfalten bei Bauunternehmern und Zulieferern. Neben langen Lieferzeiten ziehen gerade auch die Preise deutlich an. Was bedeutet das für die heimischen Baustellen?

„Unbehagen“ bei Habau-Standortleiter. Bei Peter Peraus, Horner Standortleiter der Habau-Gruppe, löst der Baustoff-Mangel schon länger Unbehagen aus. „Wir merken es hauptsächlich bei allem, was mit Dämmstoffen zu tun hat, sowie bei Rohrmaterialien und Plastikwaren“, berichtet er. Schon seit rund zwei Monaten mache sich die Knappheit bemerkbar. Die Preissteigerung von rund 30 Prozent bei manchen Materialien falle zusätzlich ins Gewicht. Gründe könne man mehrere suchen. „Bei Eisen und Holz ist es vermutlich der internationale Markt mit China und den USA. Die brauchen soviel, dass es bei uns zu Engpässen kommt.“

„Wir haben gerade einen hohen Auftragsstand, Gott sein Dank oder leider, je nachdem wie man es sehen will.“ Martin Diesner

Neben Verlusten auch Planungs-Schwierigkeiten. Die Konsequenz daraus: Verlustgeschäfte mit den jetzt teureren Materialien, da viele Bauvorhaben schon ausverhandelt wurden. Noch gravierender sei, dass die Planung darunter leide. „Wenn man kein Material hat, kann man nichts bauen“, meint Peraus.

Baustahl um 50 Prozent teurer. „Es ist eine schwierige Situation, wie wir sie eigentlich noch nie hatten“, schildert der Horner Swietelsky-Standortleiter Martin Diesner. „Es fängt zudem gerade erst an. Wir wissen nicht, wie es in den nächsten Monaten weitergehen wird.“ Bei Swietelsky habe der Engpass sogar schon im Dezember angefangen. „Der Baustahl erlebte da die erste Preissteigerung. Insgesamt ist er bis jetzt um fast 50 Prozent gestiegen. Seit einigen Wochen bewegt sich der Baustoff aber auf einem stabilen Niveau“, erklärt Diesner.

„Corona nicht die Ursache.“ Der Stahl sei dabei nur der Anfang gewesen. Seit einigen Wochen mache sich der Trend auch bei Dämmstoffen wie Styropor oder Kanalmaterial bemerkbar. „Gerade bei diesen Stoffen haben wir Probleme, Material zu bekommen. Nur mit dem Bauboom ist das nicht zu erklären. Sicher wurde durch die Investitionsförderungen im Zusammenhang mit Covid viel vorangetrieben und investiert, aber diese hohe Bauleistung haben wir schon mehrere Jahre. Mit Covid sind diese Preissteigerungen nicht erklärbar“, sagt Diesner. Die wahren Gründe würden am Weltmarkt liegen. „Es erzählt aber auch jeder was anderes.“

Unsicherheit birgt Risiko. Die weiterführenden Probleme sind zahlreich. So sitze man bei laufenden Bauvorhaben plötzlich auf den unerwarteten Mehrkosten. „Bei bereits vertraglich abgesicherten Bauvorhaben können wir nicht einfach die Preise erhöhen.“ Auch Diesner berichtet von Planungs-Problemen. „Man muss sich bei jedem Projekt im Vorhinein festlegen und Preise abwägen und das lange im Vorhinein. In der aktuellen Situation kann niemand sagen, wie viel die Materialen dann zum Baustart wirklich kosten. Für uns Bauunternehmen ist das ein enormes Risiko“, betont Diesner.

Zukunft wird Verzögerungen bringen. Schwierige Zeiten kommen also auf die Baubranche zu. „Wir haben gerade einen hohen Auftragsstand, Gott sei Dank oder leider, je nachdem, wie man es sehen will. Die aktuellen Unsicherheiten sind besorgniserregend“, meint Diesner. Die aktuell nötigen Materialen hätte man noch rechtzeitig bekommen, doch in Zukunft müsse mit Bauverzögerungen gerechnet werden.

Holz-Exporte nach Asien und Amerika als Preistreiber. Auch beim Waldviertler Fertigteilhaushersteller Hartl Haus blieb man von der Entwicklung der letzten Monate nicht verschont. „Wir bemerken dies vor allem bei Holz, Holzprodukten und Dämmstoffen“, berichtet Geschäftsführer Yves Suter. Bei den Gründen kann auch er nur Vermutungen anstellen. „Ein Grund kann sein, dass dies die Nachwehen der Kurzarbeit in vielen Produktionsbetrieben im vergangenen Jahr sind. Produktionsmengen sanken, die Baubranche hat allerdings aufgrund der steigenden Nachfrage einen höheren Bedarf.“ Daneben teilt auch Suter die Vermutungen vieler Branchenkollegen: „Es könnte damit zusammenhängen, dass viele Baustoffe vermehrt exportiert wurden und vor allem in Amerika und Asien die Nachfrage nach europäischen Baustoffen stark gestiegen ist.“

In Folge würden auch die Holzpreise durch die Decke gehen. „Ein alarmierendes Beispiel dafür ist der Preis für Leimholz. Hier rechnen wir damit, dass sich der Preis bis Mitte des Jahres im Vergleich zu Jahresbeginn verdoppeln wird. Bei diesen massiven Preisanstiegen zu Fixpreisangeboten zu stehen, bringt viele Firmen in Bedrängnis“, meint Suter. Aufgrund der vielen regionalen Partner sei man selbst noch auf der sicheren Seite. Lieferausfälle oder Verzögerungen müsse man aktuell nicht befürchten. „Es wird aber spannend, in welche Richtung sich die Situation weiter entwickeln wird.“

Ist Regionalität auch hier die Lösung? Lösungsansätze sind jetzt gefragt. Österreich habe erstklassiges Know-how und Qualität – und die müsse im eigenen Land und in der Region bleiben. Nachhaltiges Handeln sei auch im Sinne der Umwelt das Gebot der Stunde und österreichisches Holz über den Atlantik zu verschiffen habe nichts damit zu tun. „Ein Ausverkauf und Preisschlachten dürfe hier nicht passieren“, meint Suter. Auch wenn es nicht die Lösung für alle Probleme darstelle, seien regionale Lieferanten und Partner ein Schritt in die richtige Richtung: „Um das Problem nachhaltig und dauerhaft anzugehen, braucht es politische Lösungen.“

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