Rotes Kreuz in Horn: „Derzeit keine lustige Aufgabe“. Rotes Kreuz blickt auf intensivstes Jahr seit vielen Jahrzehnten zurück. Mitarbeiter sind am Rande der Belastbarkeit.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 03. Februar 2021 (03:25)
Rot-Kreuz- Bezirksstellengeschäftsführer Martin Amon.
Martin Kalchhauser

Auf das wohl herausforderndste und intensivste Jahr seit vielen Jahrzehnten blickt das Rote Kreuz Horn zurück: Die Coronapandemie mit all ihren Folgen für die Mitarbeiter des Roten Kreuzes bringen dieses an den Rand seiner Leistungskapazität. Die NÖN sprach mit Bezirksstellengeschäftsführer Martin Amon über die Situation.

Weniger Einsätze, mehr Belastungen. Auch wenn im Jahr 2020 die Zahl der Einsätze mit 21.846 gegenüber 2019 – damals wurde das Rote Kreuz im Bezirk 22.626 Mal alarmiert – zurückgegangen ist, ist die Belastung für die 27 hauptberuflichen Mitarbeiter, 19 Zivildiener und mehr als 100 ausgebildeten ehrenamtlichen Sanitäter gestiegen. Denn neben die herkömmlichen Anforderungen traten durch die Pandemie zusätzliche Aufgabengebiete für die Rot-Kreuz-Mitarbeiter in den Vordergrund. So waren sie nicht nur im Rahmen der Massentestungen im Dezember und Jänner im Einsatz, auch in den seit der Vorwoche eingerichteten fixen Teststraßen sind Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Einsatz. „Wir stellen in Horn und Geras das medizinische Personal“, erzählt Amon. Und da sei man an den ersten Testtagen förmlich „überrannt“ worden.

Ansturm auf Teststationen enorm. „Viele Firmen fordern von ihren Mitarbeitern, dass sie laufend testen gehen“, sagt Amon. Er rechnet damit, dass es im Fall von Lockerungen hinsichtlich Lockdowns sogar einen noch größeren Run auf die Teststationen geben wird, wenn auch Mitarbeiter aus dem Handel oder dem Dienstleistungsbereich verstärkt testen gehen werden. Zu hoffen bleibe, dass sich dieser Ansturm dann auf die vier Teststraßen im Bezirk (auch in Gars und Eggenburg werden sie angeboten) aufteilt. Amon rechnet damit, dass seine Mitarbeiter dann auch bei den kommenden Impfungen involviert sein werden.

Bis zu 400 Kilometer täglich für Testungen. Die 19 Einsatzfahrzeuge der Bezirksstelle Horn und seiner Ortsstellen in Eggenburg, Gars und Geras haben 2020 laut Amon eine Strecke von 864.723 Kilometer zurückgelegt. Gegenüber dem Jahr 2019 eine Steigerung um 43.610 Kilometer. Zurückzuführen sei dies auf die Coronatestungen, die nach Anrufen von Patienten bei 1450 erfolgt sind. „Dafür sind laufend zwei hauptberufliche Mitarbeiter unterwegs. Sie haben teilweise zwischen 300 und 400 Kilometer täglich im gesamten Bezirk abgespult – das ist sicher keine lustige Aufgabe“, erzählt Amon.

Fortbildung gestoppt, Zivildiener fehlen. Fraglich sei, wie es mit der Fortbildung der Mitarbeiter weiter gehe. Derzeit sei die Fortbildung gänzlich gestoppt. Aber auch die Kurs-Tätigkeit für externe Teilnehmer ist ausgesetzt. Amon rechnet damit, dass es auch nach der Normalisierung der Lage noch lange dauern werde, bis hier der sich bildende Rückstau abgebaut werden kann. Keinen „Stau“ gibt es hingegen bei den Zivildienern. „Allein für den Einrückungstermin im April fehlen uns fünf Zivildiener“, befürchtet Amon weitere personelle Engpässe.

Motivation und Geselligkeit leiden. Die Situation schlage sich auch auf die Stimmung seiner Mitarbeiter nieder. Gerade bei den Freiwilligen gehe es nicht nur um das Leisten ihres Dienstes, sondern auch um die Geselligkeit und die Gemeinschaft beim Roten Kreuz. Die kann derzeit aber nicht gelebt werden. „Das tut vielen weh. Es geht uns als Team ab, dass wir uns nicht mehr zusammensetzen und reden können“, sagt Amon. Er hofft, dass es bald warm wird, damit sich die Situation wieder entspanne. Aber: „Da müssen wir gemeinsam durch, da hilft uns jetzt keiner.“