Bezirk Horn: Rekordgewinn bei Nebenwohnsitzern

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:41
Lesezeit: 5 Min
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Einwohnerzahl Symbolbild
Foto: Shutterstock.com/Arthimedes
Während Zahl der Hauptwohnsitzer 2021 um 55 auf 30.869 fiel, verzeichneten alle 20 Gemeinden bei Nebenwohnsitzern ein kräftiges Plus. Davon gibt es erstmals mehr als 10.000 im Bezirk.
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Obwohl der Bezirk Horn längst zur Zuzugs-Region geworden ist, gehen die Einwohnerzahlen wegen der stark negativen Geburtenbilanz stark zurück – zumindest bei den Hauptwohnsitzern. Nur noch 30.869 Personen hatten mit 31. Dezember 2021 ihren Hauptwohnsitz in einer der 20 Gemeinden des Bezirks gemeldet – um 55 oder -0,18 Prozent weniger als ein Jahr davor. Bei den Nebenwohnsitzern brachte das abgelaufene Jahr hingegen einen Rekordzuwachs auf 10.237 – um 796 oder 8,4 Prozent mehr als noch ein Jahr davor. Ende 2019 waren es sogar um 1.300 weniger als heute.

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Foto: NÖN/Gemeinden; Illustration: Viktoria Kurpas/shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Nebenwohnsitzer: Das Parkpickerl bleibt Problem

Den größten Zugewinn an Nebenwohnsitzern machte im abgelaufenen Jahr die „Nebenwohnsitz-Hochburg“ Gars (+124). Auch die Bezirkshauptstadt Horn (+113) legte dreistellig zu, behält damit gegen Gars mit 1.487 gegenüber 1.417 noch knapp die Nase vorn. Eggenburg holte ein Plus von 96 und hat nun 980 Nebenwohnsitzer. Prozentuell legten Irnfritz-Messern (+16,3 auf 356), Rosenburg-Mold (+14,2 auf 265) und Burgschleinitz-Kühnring (+14,0 auf 440) am stärksten zu. Auch wenn die Nebenwohnsitzer die Wirtschaft in der Region ankurbeln und über Müll-, Wasser- und Kanalgebühren auch ihren finanziellen Beitrag für die Gemeindekassen liefern: Ertragsanteile seitens des Finanzausgleichs des Bundes bringen den Gemeinden nur Hauptwohnsitzer.

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Horns Bürgermeister Jürgen Maier.
Foto: Foto RK, Christian Bollwein

Aus Sicht der Bürgermeister ist das schon lange diskutierte „Parkpickerl-Thema“ der Hauptgrund, warum viele ihren Hauptwohnsitz nicht im Waldviertel melden. Und bei diesem Thema sei keine rasche Lösung in Sicht, sagt etwa der Horner Bürgermeister Jürgen Maier. Man könne sich nur bemühen, Verbesserungen für Pendler zu schaffen, echtes „Gegenmittel“ gebe es keines.

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Der Garser Bürgermeister Marin Falk.
Foto: NOEN-Archiv

Auch für den Garser Bürgermeister Martin Falk steht bei diesem Thema „der große Geistesblitz“ aus. Für ihn ist aber klar: „Lieber Zweitwohnsitzer als gar keine Wohnsitzer – schließlich stellen diese Menschen einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktor in unserer Gemeinde dar“.

Hauptwohnsitzer: Große Drei unter den Gewinnern

Auch bei den Hauptwohnsitzern gehören die drei größten Gemeinden – Horn, Eggenburg und Gars – zu den Gewinnern. Die Bezirkshauptstadt Horn legte um 53 (+0,83 Prozent) zu. Bürgermeister Maier sieht neben der wegen Corona gestiegenen Nachfrage auch in der starken Bautätigkeit in den Gemeinden einen wesentlichen Grund dafür. Sein Garser Kollege Falk sieht die großen Betriebe der Gemeinde – die Firmen Kiennast, KSG oder Oberndorfer-Rebloc – als Pull-Faktoren. „Es sind diese Leitbetriebe, die wesentlich zur guten Entwicklung beitragen – und die auch künftig viele junge, gut qualifizierte Mitarbeiter suchen“, hofft er, dass der Trend für Gars positiv bleibt.

Das zuletzt stets knappe Rennen um Platz 2 im Bezirk hat heuer dennoch Eggenburg gewonnen. Die Krahuletz-Stadt legte gleich mit 35 Hauptwohnsitzern auf 3.513 zu (+1,01 Prozent) – und hat damit 23 mehr als Gars. Bürgermeister Georg Gilli macht dafür neben der guten Infrastruktur-Anbindung Eggenburgs auch die rege Bautätigkeit der vergangenen Jahre verantwortlich. „Wir haben viele Bauplätze und mit Wohnbauträgern Wohnraum geschaffen – dafür ernten wir jetzt die Früchte“, sagt er. Aber auch das durch den Neubau des Kindergartens und der flexiblen Kinderbetreuungszeiten gute Angebot für Familien sei ein Pluspunkt seiner Gemeinde. Für die künftige Entwicklung sei neben der Etablierung der Region Manhartsberg als „familienfreundliche Region“ auch der Glasfaserausbau weiter voranzutreiben.

Röschitz und Geras: Auch Kleine legen zu

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Der Röschitzer Bürgermeister Christian Krottendorfer.
Foto: NOEN-Archiv

Den prozentuell höchsten Einwohner-Zugewinn verzeichnete 2021 die Marktgemeinde Röschitz. Die legte um 16 Hauptwohnsitzer (1,51 Prozent) auf 1.077 zu. Dass dafür nicht nur der Röschitzer Wein verantwortlich ist, liegt für Bürgermeister Christian Krottendorfer auf der Hand. Aus seiner Sicht machen sich die zuletzt getätigten Investitionen in Nahversorger, Veranstaltungszentrum und Kinderbetreuung bezahlt. Außerdem schaue die Gemeinde stets darauf, dass Bauplätze zur Verfügung stehen. Zuletzt seien aber auch Häuser im Ortskern wieder verkauft worden: „Dadurch gibt es wieder Verdichtung im Zentrum, auch das ist positiv“, sagt er.

Ähnliches berichtet Bürgermeister Johann Glück aus Geras, das mit einem Plus von 1,1 Prozent (+14 auf 1.287) die zweitgrößte Steigerung bei den Hauptwohnsitzern im Bezirk verzeichnen konnte. „Wenn Corona etwas Positives bewirkt hat, dann die Tatsache, dass viele lange leerstehende Häuser und Gehöfte neue Besitzer gefunden haben“, sagt er. Aktuell seien auch sämtliche Wohnungen in Geras gut belegt. Mit der angelaufenen Siedlungserweiterung in Harth und einigen derzeit in Planung befindlichen Wohnbauprojekten wolle man den Schwung auch in die nächsten Jahre mitnehmen und gegen die Überalterung in der Gemeinde ankämpfen.

Denn die Überalterung macht anderen Gemeinden aktuell schwer zu schaffen. Mit einem Minus von 4,05 Prozent (-21 Hauptwohnsitzer) ist die

Gemeinde Röhrenbach Schlusslicht im Bezirk Horn. Nur noch 498 Hauptwohnsitzer zählt die Gemeinde. Im Vorjahr gab es mit 15 Todesfällen „so viele wie noch nie in einem Jahr in unserer Gemeinde“, sagt Bürgermeister Gernot Hainzl. Mit der Schaffung neuer Bauplätze im Dorfzentrum und dem Glasfaser-Ausbau wolle man dem Bevölkerungsschwund entgegenwirken, denn dank der zahlreichen Vereine passe das Gemeindeleben an sich gut. Drosendorf-Zisserdorf mit -3,54 Prozent (um 43 auf 1.171) und Rosenburg-Mold mit -2,45 (um 21 auf 838) haben ordentlich Hauptwohnsitzer verloren. Der Rosenburger Bürgermeister Wolfgang Schmöger berichtet aber von gut gehenden Verkäufen bei Bauplätzen und Plänen, weitere zu schaffen. Denn: „Wir wissen, dass gerade junge Leute gerne in unserer Region wohnen.“

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