Bezirk Horn verlor auch 2019 Einwohner. Bezirk Horn hatte mit 31. Dezember 2019 nur noch 31.031 Bewohner. Immerhin acht Gemeinden mit echtem Plus.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 22. Januar 2020 (06:05)

Der Bevölkerungsrückgang im Bezirk Horn setzte sich auch im Jahr 2019 fort: Mit insgesamt 31.031 Einwohnern (Hauptwohnsitzern) im Bezirk melden die 20 Gemeinden mit 31. Dezember 2019 so wenige Einwohner wie noch nie. Damit schrumpfte die Bevölkerung im Vergleich zum Jahresende 2018 um 0,51 Prozent. Der Rückgang liegt damit in der Tendenz der Vorjahre (2017: -0,62 Prozent, 2018: -0,45 Prozent).

Positiv: Nachdem es 2018 in sieben Gemeinden zumindest ein kleines Plus an Hauptwohnsitzern gab, verzeichneten 2019 immerhin acht Gemeinden einen Bevölkerungszuwachs. Prozentuell am stärksten wuchs die Gemeinde Langau (+1,62 Prozent), gefolgt von Irnfritz-Messern (+1,60) und Röschitz (+1,05). Auch Drosendorf-Zissersdorf (+0,82), Sigmundsherberg (+0,80), Rosenburg-Mold (+0,35), Meiseldorf (+0,34) und Brunn (+0,11) hatten mit Jahresende mehr Einwohner als zum Jahresbeginn 2019.

Die Bürgermeister der „Gewinner-Gemeinden“ sind sich hinsichtlich Erfolgsfaktoren einig: Neben der Schaffung von Bauplätzen, Wohnungen und Reihenhäusern müssten erfolgreiche Gemeinden über die entsprechenden „Hard-Facts“ wie Infrastruktur, aber auch über „Soft-Facts“ wie ein florierendes Vereinsleben verfügen.

Der Langauer Bürgermeister Franz Linsbauer – in Langau wurde zuletzt ein neues Siedlungsgebiet erschlossen, ein „Junges Wohnen“-Projekt umgesetzt und eine Kleinkinderbetreuungs-Einrichtung gebaut – meinte, dass Langau „für eine kleine Gemeinde direkt an der Grenze“ hinsichtlich Infrastruktur mit Tankstelle, Bank, Kindergarten, Kinderstube, Volksschule und vor allem dem gut gehenden Nahversorger-Geschäft viel zu bieten habe.

Straning und Geras sind die „Sorgenkinder“

Auch der Röschitzer Bürgermeister Christian Krottendorfer sieht in den in den vergangenen Jahren umgesetzten Projekten (Baugründe, Wohnungen, Reihenhäuser, Veranstaltungssaal mit Gastro-Betrieb, Nahversorger) Pluspunkte für seine Gemeinde. Aber auch die „vielen aktiven Vereine“ würden ihres zum Bevölkerungswachstum beitragen: „Sie binden auch die Zugezogenen ein – und die spüren dann, dass sie hier willkommen sind und fühlen sich in Röschitz zugehörig. Für ein Miteinander braucht es die Vereine“, meinte der Gemeindechef.

Sorgenkind im Bezirk bleibt die Gemeinde Straning-Grafenberg. Nachdem die Bevölkerung 2018 schon um 20 auf 766 gesunken ist, wurden mit Jahresende 2019 nur noch 731 Hauptwohnsitzer gezählt (-4,79). Mit nur sechs Geburten bei 15 Sterbefällen macht die negative Geburtenbilanz aber nur einen kleinen Teil des Rückganges aus, Hauptproblem der Gemeinde ist die fortschreitende Überalterung. Auch die Stadtgemeinde Geras musste ein starkes Minus (-4,60 Prozent) hinnehmen, die Zahl der Hauptwohnsitzer sank von 1.334 auf 1.275. Auch in Geras sind sowohl Geburtenbilanz (acht Geburten bei 24 Sterbefällen) wie auch die Wanderungsbilanz stark negativ.

Etwas ratlos zeigte sich Bürgermeister Johann Glück ob dieser Entwicklung: „Wenn ich wüsste, woran es liegt, würde ich schon lange gegen die Entwicklung gegensteuern“, sagte er. Dabei sei die Gemeinde ohnehin in vielen Bereichen aktiv, um als Wohnstandort interessant zu bleiben. „Wir haben neue Bauplätze umgewidmet. Außerdem sind wir gerade in Gesprächen mit einer Siedlungsgenossenschaft über die Errichtung eines Wohnbaus in Hötzelsdorf“, berichtet Glück. Denn gerade Hötzelsdorf sei wegen der Franz-Josefs-Bahn als Wohnstandort attraktiv. Auch die Gemeinden Gars (-1,50) und Weitersfeld (-1,47) verloren mehr als ein Prozent ihrer Bevölkerung.

Leicht rückläufig ist auch die Einwohnerzahl der Bezirkshauptstadt. Nach 6.471 Hauptwohnsitzern 2018 zählt Horn Ende 2019 nur noch 6.438 Einwohner. Die stark negative Geburtenbilanz (62 Geburten bei 159 Sterbefällen) konnte dank des Plus bei der Wanderungsbilanz zumindest etwas abgefedert werden. Damit bewege sich Horn in der „normalen Schwankungsbreite“ der vergangenen Jahre, wie Bürgermeister Jürgen Maier meint. Dazu komme, dass Horn in der Asylbewegung massiv Einwohner gewonnen habe, aber: „Das baut sich jetzt schön langsam ab. Viele, die damals zu uns gekommen sind, ziehen wieder weg“, sagt Maier.

Dass Horn auch nicht die große Zuzugsgemeinde sei, liege auf der Hand. Es sei attraktiv, hier zu arbeiten, aber in den Umlandgemeinden zu wohnen. Um dem entgegenzuwirken, wolle die Gemeinde aber wieder neue Baugründe schaffen und selbst am Markt aktiv werden. Derzeit gebe es nur Baugründe in privater Hand, die Besitzer wollen aber derzeit nicht verkaufen.

Eggenburg holt Platz zwei von Gars zurück

Im Duell zwischen Eggenburg und Gars holte Eggenburg (ein kleines Minus von 0,1 Prozent auf 3.518 Hauptwohnsitzer) Rang zwei von Gars (3.487) zurück. Nach einem Rückgang um 37 Personen 2018 verlor Eggenburg 2019 „nur“ drei Hauptwohnsitzer. In Gars war der Rückgang hingegen nach einem „Nuller“ 2018 mit 54 Personen beträchtlich.

Positive Geburtenbilanzen weisen 2019 vier Gemeinden auf. Mit +4 haben Rosenburg-Mold (9 Geburten, 5 Sterbefälle) und Altenburg (8/4) die größten Zugewinne, die weiteren Gewinner-Gemeinden sind Drosendorf (14/12) und Meiseldorf (8/6). Der Altenburger Bürgermeister Markus Reichenvater nennt ebenfalls die gute Infrastruktur, vor allem im Kinderbetreuungsbereich mit Kindergarten- und Volksschule in der 830-Einwohner-Gemeinde als Grund, warum sich Jungfamilien hier wohlfühlen.