20 Jahre Euro: Euro oder „Teuro“?

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:21
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8269619_wai03dsnoe.jpg
Vor 20 Jahren wurde in Österreich vom Schilling auf den Euro gewechselt. Wie war die Meinung zur gemeinsamen Währung damals, wie heute?
Foto: Symboldbild/Shutterstock (Bildagentur Zoonar GmbH)
20 Jahre mit dem Euro sind ins Land gegangen. Haben sich die Erwartungen erfüllt oder sind die Befürchtungen im Bezirk Horn wahr geworden?
Werbung

Ist das denn schon wieder 20 Jahre her? Mit dem 1. 1. 2002 wurde in Österreich der Euro eingeführt. Die gemeinsame Währung mit vielen Ländern der EU war damals schon ein kontroverses Thema, verbunden mit zahlreichen Befürchtungen. Haben sich diese letzten Endes bewahrheitet oder überwiegen doch die Vorteile?

„Die Ängste vor der Umstellung waren riesengroß, auch bei unseren Kunden. Die Menschen befürchteten, dass der Euro eine Währung ohne Wert wird, wenn die südlichen Länder wie Italien und Griechenland auch dabei sind“, erzählt der Direktor der Raiffeisenbank Eggenburg, Herbert Klampfer. Diese Ängste waren allerdings unbegründet. „Es ging dann eigentlich relativ schnell, dass die meisten Gegenstimmen verstummten und merkten, dass der Euro eine super Sache ist“, erinnert sich Klampfer.

Als nur eines der Positivbeispiele nennt er die deutliche Erleichterung des internationalen Zahlungsverkehrs. Bei Reisen ins Ausland war plötzlich kein Geldumtausch mehr nötig. „Ich war von vornherein ein Befürworter und bin es auch heute noch. Sicher gibt es Schwächen, doch mit der gemeinsamen Währung wuchs Europa wesentlich besser zusammen“, meint Klampfer.

Wäre mit dem Schilling wirklich alles billiger?

Auch für Manfred Hofbauer, den Vorstandsdirektor der Sparkasse Horn, überwiegen die Vorteile, wenn auch nicht alles Gold ist, was glänzt. „Wie man am Beispiel Finanzkrise in Griechenland sieht, hat der Euro sicher Nachteile für stabilere Länder“, sagt er. Die Euro-Länder sitzen eben nun alle in einem Boot. Trotzdem ist er auch nach 20 Jahren positiv gestimmt. Argumente, dass mit dem Euro alles teurer wurde, kann Hofbauer nicht so ganz nachvollziehen: „Man hört oft, dass alles teurer wurde. Die Frage ist nur, ob die Preise mit dem Schilling wirklich billiger geblieben wären.“

Der Regionaldirektor der Horner Volksbank, Michael Weidinger, sieht das Projekt Euro als Erfolgsprojekt der EU, „mit allen Stärken und Schwächen“. „Ganz besonders in der Finanzkrise vor mehr als 10 Jahren wäre es ohne dem Euro zu noch weit dramatischeren Entwicklungen gekommen. Vor allem in den südlichen Ländern Europas“, betont Weidinger.

Für eine europaweite Wirtschaftsunion sei die gemeinsame Währung unerlässlich. „Auch symbolisch, als starkes Zeichen der Gemeinschaft und zur Identitätsstiftung. Für mich war das engere, wirtschaftlichere Zusammenrücken mit dem Euro eine wichtige Entwicklung in der EU. Natürlich geht manches alleine einfacher, aber man braucht nur auf die aktuellen Probleme in Großbritannien blicken, um zu sehen, dass vieles gemeinsam dann doch besser funktioniert“, schildert Weidinger. Gerade in der mittlerweile stark globalisierten Welt habe der Euro immer weiter an Bedeutung gewonnen.

„Euro sicherte Stabilität mit niedriger Inflation“

Auch der Volksbank-Direktor meint, dass der Euro nicht wirklich zum „Teuro“ wurde. „Über Jahre hat uns der Euro Stabilität mit niedrigen Inflationsraten gesichert. Diese sind in den letzten Wochen zwar volatiler, aber das ist mit den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erklärbar.“ Das System sei zwar nicht perfekt, doch ein wichtiges gemeinsames Projekt in einem gemeinsamen Europa.

„Ich bin nach wie vor froh, dass wir die einheitliche Währung in 19 Staaten haben. Und es lohnt sich meiner Meinung nach, konstruktiv an der laufenden Weiterentwicklung zu arbeiten. Wenn ich an den digitalen Euro denke, gibt es noch einige Möglichkeiten das System zu ergänzen“, erklärt Weidinger.

Der digitale Euro bahnt sich als digitale Bargeldalternative als nächster großer Schritt an. Laut dem Marketingleiter der Waldviertler Sparkasse, Manfred Füxl, sei das Interesse in der Bevölkerung groß. Vor allem das Bedürfnis nach einer Alternative zu Kryptowährungen, bei denen Zahlungen zu leicht einsehbar sind und wenig Privatsphäre bieten, ist mittlerweile gegeben.

„Wir sehen großes Potenzial für den Digitalen Euro, denn der wird aller Voraussicht nach programmierbar sein und uns ermöglichen, neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die derzeit vielleicht noch gar nicht denkbar sind. Die meisten Industriestaaten der Welt arbeiten derzeit an ihren eigenen digitalen Währungen. Es wäre ein großer Fehler die Zukunft zu verschlafen“, meint Füxl.

Werbung