Blackout: Gerüstet für den Ernstfall?

Gemeinden und Hilfsorganisationen im Bezirk Horn bereiten sich auf Stromausfälle vor.

Erstellt am 03. November 2021 | 04:45
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In Röhrenbach wurde 2018 zuletzt gemeinsam mit Feuerwehr und Zivilschutzverband ein Blackout geprobt. Weitere großflächige Übungen sind geplant. Nach Corona soll das gesamten Gemeindegebiet zum Testareal werden, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.
Foto: NÖZSV

Vor der Gefahr eines großflächigen Stromausfalles wird schon seit geraumer Zeit gewarnt. Die Vorbereitung für den Ernstfall ist das Um und Auf, denn was tun, wenn plötzlich Heizung und Licht nicht mehr funktionieren und keine Kommunikation möglich ist?

Auch vonseiten der Bezirkshauptmannschaft und der Gemeinden gibt es einiges zu bedenken. Kritische Infrastrukturen zu erhalten, ist der springende Punkt im Ernstfall. „Die Bezirkshauptmannschaften sowie wesentliche Infrastrukturunternehmen und -institutionen können im Fall eines Blackouts über Notstromaggregate versorgt werden“, erklärt Bezirkshauptmann Johannes Kranner. Eine wesentliche Rolle würden im Blackout-Fall natürlich auch die Blaulichtorganisationen spielen. Die Kommunikation mit den Hilfsorganisationen erfolge im Notfall über den Digitalfunk, der allen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in Niederösterreich zur Verfügung steht. Dieser ist notstromversorgt.

Katastrophenschutz-Pläne exisitieren

In Zusammenarbeit mit den Gemeinden existieren weiters individuelle Katastrophenschutz-Pläne (KAT). Ist man also komplett für den Blackout gerüstet? Jein, denn neben der Unvorhersehbarkeit des tatsächlichen Ernstfalles liegt die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens zu großen Teilen an der Eigenverantwortung der Bevölkerung. „Der NÖ Zivilschutzverband leistet hier schon seit vielen Jahren wertvolle Aufklärungsarbeit“, meint der Bezirkshauptmann.

„Wir unterstützen mit Vorträgen und Veranstaltungen zum Thema“, erzählt Zivilschutzverband-Bezirksleiter Raimund Hager. Schon am 10. November ist dafür ein Infoabend gemeinsam mit den KAT-Beauftragten der Gemeinden geplant. Kurse zur Weiterbildung sowie die Aktualisierung der KAT-Pläne seien dabei zentrale Gegenstände. Information ist Trumpf, denn bei einem Ausfall des Telefonnetzes sollte jeder über die direkten Anlaufstellen Bescheid wissen.

In manchen Gemeinden, wie Röhrenbach, gab es zudem bereits eigene Blackout-Übungen – zuletzt im November 2018. Mit Unterstützung des Zivilschutzverbandes wurde damals im Gemeindeamt und den umliegenden Feuerwehrhäusern der Strom abgedreht. Das Szenario eines langfristigen Stromausfalles sollte so geprobt werden.

Notstromaggregate sind bereits einsatzerprobt

„Genauso wie die Freiwilligen Feuerwehren sehen wir uns als Gemeinde dafür in der Verantwortung, im Krisenfall zu lenken und die Bevölkerung bestmöglich zu versorgen“, erklärt Bürgermeister Gernot Hainzl die Motivation hinter der Übung. Für den Notfall stehen Notstromaggregate in den Gebäuden zur Verfügung, die dadurch jetzt auch tatsächlich einsatzerprobt sind.

Kritische Infrastrukturen seien daneben noch Wasser und Abwasser. „Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist natürlich ebenfalls enorm wichtig, scheint aber bei uns am Land nicht so das ganz große Bedrohungsszenario zu sein“, meint Hainzl.

Zu hundert Prozent für den Blackout gerüstet ist man allerdings noch nicht, und könne man auch nie sein. „Niemand ist komplett gerüstet gegen unvorhergesehene Katastrophen. Die Folgen von Stromausfällen sind zwar kalkulierbar, die Dauer eines Blackouts wird aber die wahre Challenge“, betont der Röhrenbacher Bürgermeister. Weitere Vorkehrungsmaßnahmen sind geplant. So soll Treibstoff für die Stromaggregate gelagert werden. Außerdem will die Gemeinde jedes der vier Feuerwehrhäuser mit einem zweiten Stromaggregat aufrüsten. Auch externe Hilfeleistungen, wie der Betrieb von Melkständen oder Kühlanlagen, seien mit dem zusätzlichen Strom dann möglich. Die Feuerwehr soll im Falle des Blackouts zur ersten Anlaufstelle der Bevölkerung werden.

„Wenn wir Corona hoffentlich bald hinter uns lassen, planen wir zudem wieder eine große Blackout-Übung im gesamten Gemeindegebiet“, verrät Hainzl. Weiters soll auch das Kochen ohne Stromversorgung zum Thema werden.

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