Der Raps kam nicht in die Höhe. Regen half dem Raps nicht mehr. Plus: Womit sich Landwirte im Bezirk Horn intensiv beschäftigen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:59)
Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer und Landwirt Franz Winkelhofer zeigen, wie hoch der Raps bei guten Bedingungen normalweise gewachsen ist: statt hüfthoch fast mannhoch.
Karin Widhalm

Eines zeichnet sich seit Jahren ab: Der Niederschlag verteilt sich anders, setzt im Jahresverlauf später ein, während der Winter trockener ist. 2020 bestätigt das: Der Regen kam „für das Getreide am letzten Drücker“, erklärt Franz Winkelhofer, der eine Landwirtschaft in Roderingsdorf betreibt. „Für den Raps hat’s nicht mehr gereicht.“ Das könne man schon mit Sicherheit sagen.

Ihm ist am Anfang des Jahres das Wasser ausgegangen, dann haben Frostnächte die Blüte beschädigt. Manche Pflanzen blühen jetzt noch mal auf: „Eine klassische Stresssituation“, erklärt er. Das hilft der Ernte nicht. Der Verlust zieht sich durch den ganzen Bezirk, ergänzt Bauernkammer-Obmann Herbert Hofer.

Das Getreide hat die feuchte Phase für sich nutzen können: Hofer rechnet derzeit mit durchschnittlichen Erträgen, aber einer guten Qualität. Und betont gleichzeitig: „Das ist immer eine Momentaufnahme, die wir haben.“ Regnet es während der Ernte, kann die Situation schlagartig anders aussehen.

Der Bezirk ist außerdem kein Einheitsbrei: Er unterscheidet sich regional, bedingt von der Witterung und dem Boden. Jedes Jahr ist, auch wenn Tendenzen ersichtlich sind, zudem anders: Das erfordert Fingerspitzengefühl des Landwirts.

Zu den Sommerfrüchten wie Mais, Erdäpfel, Kürbis könne man derzeit nicht viel sagen. „Aber beim Weizen macht uns der Preis Sorgenfalten“, ergänzt Hofer. Das treffe die konventionell und biologisch geführten Betreibe gleichermaßen, selbst das könne sich noch ändern.

Der heimische Bauer bewegt sich doch auf einem Weltmarkt, umso wichtiger sei die Betonung der Regionalität. Beide NÖN-Gesprächspartner wollen eine Kennzeichnungspflicht für die verarbeitende Industrie, denn das hebe das österreichische Produkt erst recht. „Und der Konsument hat eine Sicherheit“, fügt Winkelhofer hinzu.

Zwei Zukunftspfeiler: Wasser und Humus

Wasser und der Humus: Das sind für Hofer und Winkelhofer die Ingredienzien, um die Landwirtschaft angesichts der Klimaveränderung sichern zu können. Niederschläge sind nach wie vor willkommen: „Die Böden sind noch nicht aufgefüllt“, erklärt Winkelhofer. „Schön ist, dass das Wasser großteils in den Boden gegangen ist.“

Hofer spricht seit Jahren darüber, dass es Zeit sei zu überlegen, wie Wasser am besten in der Region gehalten werden kann (wie berichtet). Das Kompetenzzentrum für Bewässerung in Marchfeld werde sich auch damit auseinandersetzen: Die Arbeit solle im August starten. Eine neue Arbeitsgruppe in der Landwirtschaftskammer beschäftigt sich parallel dazu mit dem Thema Wasser: Hofer und Winkelhofer sind dort vertreten.

Wie der Boden gesund bleibt ist eine Frage, mit der sich Winkelhofer intensiv befasst. Der Rodingersdorfer hat sechs verschiedene Blühmischungen in stets anderer Zusammensetzung, die er zum Beispiel kurz vor der Ernte auf das Getreidefeld ausstreut. Das verhindert, dass der Boden kahl der Witterung ausgesetzt ist.

Und er ist Teil des Vereins „Boden.Leben“, der mittlerweile 300 Mitglieder in Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, sogar in Belgien und Deutschland vorweist. Der Austausch, die Versuche und Webinare sind ihnen wichtig, wobei „teilweise extrem konträre Ansichten aufeinandertreffen“. Genau so solle es sein, denn die Natur ist ja auch kein Einheitsbrei.

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