E-Autos im Alltag: „Ist mehr ein Gleiten als Fahren“. E-Auto-Besitzer von Vorteilen ihrer Pkw überzeugt. Autohäuser fordern mehr Infos für Bevölkerung.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 17. Juli 2019 (04:55)
TW
Geschäftsführer Stephan Mayr vom Autohaus Waldviertel hält E-Autos auch als Dienstautos für eine tolle Alternative für Dienstgeber und Dienstnehmer.

Die Zahl der E-Autos steigt auch im Bezirk Horn: Gab es im Jahr 2018 noch 121 angemeldete E-Autos, waren es mit 1. Juni 2019 bereits 138. Dennoch haftet E-Autos immer noch das Prädikat an, nicht alltagstauglich zu sein.

Einer, der mit diesem Vorurteil aufräumen will, ist der Meiseldorfer Niko Reisel, der sich nach fünf Jahren als Besitzer eines E-Autos und seither 200.000 abgespulten Kilometern als „gemäßigter Pionier“ auf diesem Gebiet bezeichnet. Reisel ist aufgrund seines Berufs – er pendelt nach Wien – und seiner Tätigkeit als Meiseldorfer Bürgermeister auf das Auto angewiesen. Sei vor fünf Jahren noch „Pioniergeist“ notwendig gewesen, um sich ein E-Auto anzuschaffen, könne er dies nach der rasanten technologischen Entwicklung in den vergangenen Jahren mittlerweile jedem bedenkenlos empfehlen.

„Heute muss man kein Freak mehr sein, um sich ein E-Auto zu kaufen“, sagt Reisel. In seinem Haushalt gibt es bereits drei E-Autos, auch seine Frau und seine Tochter sind elektrisch unterwegs. „Aus dem Waldviertel kommt man heute mit jedem modernen E-Auto locker nach Wien, Graz oder Salzburg“, so Reisel. Auch das Netz mit Ladestation sieht Reisel nicht als Problem. Laut dem Internetportal „e-tankstellen-finder.com“ gibt es im Bezirk Horn derzeit bereits ganze 28 Ladestationen.

Auch die Gemeinde Meiseldorf setzt übrigens auf E-Mobilität. Seit vier Jahren werden die kleinsten Bürger der Gemeinde mit dem E-Mobilitätsbus in den Kindergarten und zur Nachmittagsbetreuung gebracht, auch älteren Gemeindebürgern steht der Bus – etwa für Fahrten, um zu nahegelegenen Bahnhöfen zu gelangen – zur Verfügung.

Bei den Autohäusern im Bezirk Horn hat man hinsichtlich Zustrom zu E-Autos allerdings einen leichten „Knick“ verspürt, wie Emanuel Feigl, Verkäufer im Autohaus Kammerhuber, erzählt. Die Verkaufszahlen seien derzeit gleichbleibend: „Die, die sich für E-Mobilität interessieren, haben bereits ein E-Auto“, meint er. Und: „Diese Leute sind mit ihren Autos auch sehr zufrieden.“ Bei der breiten Bevölkerung gebe es noch Informationsdefizite hinsichtlich E-Autos und besonders bezüglich Fördermöglichkeiten.

Auch NÖN-Mitarbeiter fährt elektrisch

Im Autohaus Waldviertel sind 2019 die Zuwächse im Verkauf von E-Autos nicht so ausgeprägt wie in den Jahren seit 2014, als das Autohaus in den Verkauf der E-Autos eingestiegen ist, sagt Geschäftsführer Stephan Mayr. Als Grund dafür sieht er aber nicht E-Mobilitäts-Müdigkeit, sondern die Tatsache, dass der VW-Konzern im kommenden Jahr mit dem „ID“ ein „revolutionäres E-Auto mit besonders großer Reichweite“ auf den Markt bringe, auf das viele Kunden warten würden.

Innerhalb kurzer Zeit sei das Kontingent für Reservierungen aufgebraucht gewesen, sagt Mayr, der durch die neuen technologischen Entwicklungen auch eine beschleunigte Entwicklung am E-Auto-Sektor in der Zukunft erwartet. Allerdings werden parallel auch andere Technologien, etwa Wasserstoff-Autos, aber auch herkömmliche Verbrennungsmotoren weiter entwickelt werden: „Je nach Bedarf kann der Kunde dann entscheiden, welches Auto zu ihm passt.“

Wichtig ist Mayr darauf hinzuweisen, dass E-Autos auch als Dienstautos interessant sind – sowohl für Dienstnehmer als auch Dienstgeber. Für die Mitarbeiter sind E-Autos sachbezugsfrei, die Unternehmen sind bis zu einem Anschaffungspreis von 80.000 Euro vorsteuerabzugsberechtigt.

Dass E-Autos für Vielfahrer alltagstauglich sind, beweist auch NÖN-Mitarbeiter Edi Reininger. Der Strögener ist für die Horner NÖN im gesamten Bezirk Horn mit seinem E-Golf im Einsatz, spult dabei Wochenende für Wochenende zahllose Kilometer ab und ist begeistert: „Das Fahren mit E-Auto ist viel angenehmer, es ist eher wie ein Dahingleiten“, sagt er. Außerdem streicht er hervor, dass das E-Auto nicht nur pflegeleicht ist, sondern auch Kostenvorteile biete: „Natürlich sind die Anschaffungskosten hoch. Aber eine volle Ladung kostet mich 2,20 bis 2,50 Euro, da ich über meine PV-Anlage auflade. Auch die Reparatur- und Versicherungskosten sind viel geringer als bei einem herkömmlichen Auto.“

Umfrage beendet

  • Gehört den E-Autos die Zukunft?