Ehrenamt Nikolaus: Ein Brauch mit großer Faszination. Strahlende Kinderaugen sind der Lohn für den Einsatz der Nikoläuse.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:31)
Fritz Gradner ist seit mehr als 20 Jahren als Nikolaus unterwegs – und schenkt Kindern Freude und strahlende Augen.
Gerhard Baumrucker

Seinem Vollbart hat es der Zaingruber Friedrich Gradner zu verdanken, dass er seit mehr als 20 Jahren seinen „Dienst“ als Nikolaus versieht. „Ich war damals bei den Pfadfindern engagiert. Wegen meines Bartes hat man mich angesprochen, ob ich als Nikolaus auftreten möchte“, erinnert er sich zurück. Seither sorgt er Jahr für Jahr bei Kindern für strahlende Augen und Glückseligkeit.

Wichtig sei ihm, den Kindern die Freude am Teilen zu vermitteln. „Es geht mir weniger um Religiöses oder ums Beten, sondern um die Ethik, die hinter diesem Gedanken steckt und das Brauchtum“, sagt Gradner, der heuer in der Garser Gegend, aber auch in Poigen und Reinprechtspölla als Nikolaus auftreten wird. Auch in einer internationalen Schule in Wien, in der nur rund 20 Prozent der Kinder christlichen Glaubens sind, tritt er auf. Gerade dort schlage dem Nikolaus besonders großes Interesse entgegen.

„Du bist der echte Nikolaus. Der andere hat nur Wolle im Gesicht.“ Othmar Schürz sieht in seinem echten Vollbart ein großes Nikolaus-Plus

Ans Aufhören denkt der 69-Jährige noch lange nicht. „Früher habe ich gesagt, ich höre mit 70 auf. Aber es macht immer noch sehr viel Spaß“, sagt er. Er sei nach wie vor vor jedem Auftritt aufgeregt. Daher „übe“ er zunächst im kleinen Kreis bei einigen Familien, ehe es wieder zu größeren Nikolaus-Auftritten gehe. Den Humor lässt er bei seinen Auftritten nie zu kurz kommen. So ermahne er nicht nur Kinder, bei der Schokolade nicht alles auf einmal zu verputzen: „Einem Vater habe ich selbiges auch mit einem Deut auf seine Bierflasche gesagt“, lacht Gradner. Einen Opa, den er persönlich gut kenne und der seinen Enkel zu gutem Benehmen ermahnen wollte, überraschte er mit dieser Aussage: „Der Opa war aber auch ein schöner Lauser. Der Nikolaus erinnert sich noch gut daran.“ Einen anderen Buben ermunterte er mit dieser Aussage: „Ich weiß, es ist nicht leicht, brav zu sein. Auch der Nikolaus war einmal klein.“

Allerdings hat Gradner als Nikolaus mit einer „seltsamen Leseschwäche“ zu kämpfen. Wenn ihm Eltern die „guten und schlechten Taten ihrer Kinder notieren, dann kann ich komischerweise die schlechten kaum lesen“, scherzt er. Sinnvoller sei es, die Kinder in ihren guten Taten zu bestärken.

Noch länger als Gradner, nämlich seit 1983, ist Othmar Schürz als Nikolaus unterwegs. Neben dem Wunsch, Kindern Freude zu bereiten, sieht er in der Aufrechterhaltung der Nikolaus-Tradition seine Motivation. Heuer wird er in Mold, Meiseldorf, Sigmundsherberg und Walkenstein unterwegs sein. Die Dankbarkeit der Kinder für die kleinen Geschenke habe sich in all den Jahren nicht geändert. „Die strahlenden Kinderaugen geben mir so viel zurück“, sagt der 68-jährige Walkensteiner Mesner, der als Nikolaus auch das Interesse der Kinder am christlichen Glauben wecken möchte.

Als persönliches „Schlüsselerlebnis“ bezeichnet Schürz die Begegnung mit einem blinden Kind. Das Kind habe ihn gefragt, ob es „mal fühlen“ dürfe. „Als ich bejaht hatte, ist mir das Kind mit der Hand durch den Bart und über die Mithra gefahren“, erzählt Schürz, der dadurch für das Kind im wahrsten Sinn des Wortes zum „Nikolaus zum Angreifen“ geworden ist.

Auch Schürz sieht seinen Vollbart als sein größtes „Nikolo-Plus“. Besonders in Erinnerung werde ihm die Aussage eines Kindes, das aus einer Nachbarpfarre stammte, bleiben. Dieses Kind habe gemeint: „Du bist der echte Nikolaus. Der andere hat nur Wolle im Gesicht.“ Andererseits gebe es auch Kinder, die ihn sowohl als jenen „Kirchenmann“ identifizieren, der jeden Sonntag die Kirche aufsperrt.

Eines möchte Schürz bei seinen Auftritten aber nicht: Einen Krampus dabei haben: „Das Gute im Menschen überwiegt. Der Nikolaus tut Gutes“, sagt er. Was ein Nikolaus auf keinen Fall dürfe? „Sich vor den Kindern An- und Ausziehen. Das geht gar nicht.“ Modern sein hingegen dürfe sogar der Nikolaus. Als er einmal in seinem Nikolaus-Kostüm mit dem Handy telefoniert habe, habe ein Kind gerufen: „Schau mal, der Nikolaus ruft das Christkind an.“

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