EU-Verordnung für Weidetiere: Für Bio-Betriebe wird’s jetzt schwer

Bio-Landwirtschaft muss künftig Weidetieren ganzjährig Zugang zu Weiden ermöglichen – im Bezirk Horn fast unmöglich.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 04:49
Lesezeit: 2 Min
440_0008_8265418_hor02bho_herbert_hofer.jpg
Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer.
Foto: Archiv

Eine EU-weite Vorgabe könnte es künftig Landwirten, die im Viehbereich auf Bio setzen, schwer machen. Denn künftig muss allen Wiederkäuern Zugang zu einer Weidefläche ermöglicht werden – und das ganzjährig. Bis Jahreswechsel mussten nur 50 Prozent der Tiere Weide-Zugang haben.

Diese Herausforderung sei für Betriebe im Bezirk Horn kaum zu stemmen, sagt Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer. Zwar seien im Bezirk nur etwa 15 bis 20 Betriebe von dieser Neuregelung betroffen, aber die stehen laut Hofer jetzt vor „massiven Problemen“. Er befürchtet, dass sich einige Betriebe – einer habe das sogar schon getan – wegen dieser Neuregelung aus dem Bio-Bereich zurückziehen werden. „Oder sie müssen sich auf die Suche nach geeigneten Flächen machen – aber wo gibt es so große Flächen direkt in der Nähe der Betriebe?“, fragt er sich.

Gerade in einer Region mit einer engmaschigen Siedlungsstruktur mit zerstreut liegenden Flächen wie im Bezirk Horn. Anders als in anderen Regionen gebe es bei uns rund um die Höfe nicht die notwendigen Flächen für die Weidehaltung. Es sei daher nicht zu verstehen, warum man mit dieser Verordnung ein einziges Maß für Situationen setzt, die nicht miteinander vergleichbar seien: „Und selbst wenn es die Flächen gibt: Wenn ich die Tiere über Straßen oder Bahnlinien treiben muss, dann sorgt das für Gefahr“, zeigt Hofer auf, wie wenig Handlungsspielraum den Betrieben in dieser Frage bleibt. Er wisse von Betrieben aus dem oberen Waldviertel, wo es durch Flächentausch gelungen sei, rund um die Höfe die nötigen Weideflächen zu schaffen. „Aber das ist eben nicht überall möglich“, sagt Hofer.

Was er noch kritisiert: Die Information über diese neue EU-Verordnung sei zu spät aus dem dafür zuständigen Gesundheits- und Klimaschutzministerium an die Landwirte gegangen. Es sei zwar dann intensiv daran gearbeitet worden, praktikable Lösungen für alle betroffenen Betriebe zu finden, das sei in der kurzen Zeit aber nicht möglich gewesen.