Fasten ist mehr als nicht essen. Viele Menschen nutzen die Auszeit vom Essen, um sich etwas Gutes zu tun und innere Kraftquellen zu finden.

Von Martina Hofer. Erstellt am 26. Februar 2020 (04:34)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Mit Aschermittwoch beginnt für viele das alljährliche Ritual der 40-tägigen Fastenzeit.

Fasten aus medizinischen Gründen hat eine lange naturheilkundliche Tradition und wird heute wieder vermehrt von Ärzten therapeutisch eingesetzt. Darüber hinaus erlebt das spirituelle Fasten in Klöstern und religiösen Gemeinschaften eine Renaissance – im Bezirk Horn etwa im Stift Geras und im Kloster Pernegg. Dabei wird Fasten aber nicht als Diät zur Gewichtsreduktion gesehen. Generell wird unterschieden zwischen Heilfasten und Fasten für Gesunde. Letzteres findet etwa als Einstieg in eine Gewichtsabnahme Verwendung. Eine weitere Fastenform ist das Intervallfasten, auch „16-8“, die sich sehr großer Beliebtheit erfreut.

„Die Nachfrage nach Fastenkuren steigt laufend, seit 2016 das Thema Autophagie bei der Verleihung des Nobelpreises für Medizin und Physiologie groß aufgetaucht ist“, sagt Alexander Graffi, Fastenleiter im Stift Geras im NÖN-Gespräch. Der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi wurde für seine Arbeit über Abbau- und Recyclingprozesse in den Zellen ausgezeichnet. Das aus dem Altgriechischem stammende Wort Autophagie (sich selbst verzehrend) steht für: Selbstreinigungsprozess der Zellen. Funktionierende Autophagie stellt einen Schutz vor Krankheiten wie Krebs oder Demenz dar.

„Das Fastenbuch von P. A. Straubinger zum Thema Intervallfasten wurde über 40.000 Mal verkauft. Es war 2019 eines der meistverkauften Bücher“, sagt Klaus Rebernig vom Fastenzentrum Pernegg. Das zeige, wie gefragt dieses Thema ist. Intervallfasten sei gut im Alltag zu integrieren. „Viele möchten es auch einfach einmal probieren. Interessant ist, dass das Thema Abnehmen in den Hintergrund rückt. Zwei Drittel unserer Klienten geht es um Reflexion, darum zur Ruhe zu kommen und einen ganzheitlichen Urlaub zu erfahren“, sagt Rebernig.

Gastro: Keine Änderung bei Konsumverhalten

Waren 2015 die Mehrzahl der Kurgäste in Pernegg noch über 50 und weiblich, so findet man mittlerweile mehr Männer in den Kursen. Die Gäste sind zwischen 25 und 75 Jahre alt. Es werden rund 160 Fastenkurse im Jahr angeboten und es gibt ein vielfältiges Bewegungs- und Beschäftigungsprogramm.

„Fasten hat für mich auch viel mit Freiheit zu tun“, sagt Rebernig. Man nimmt sich Zeit, sich selber zu reflektieren und sich bewusst zu werden, was einen belastet und was einem wichtig ist im Leben.“ Im Stift Geras und im Kloster Pernegg wird daher ein Stilletag angeboten, der sehr gut angenommen wird. „Stille ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sie ist erholsam, gesund und schärft die Sinne. In der Stille kann der Mensch nachdenken und sich gänzlich verlieren, um wieder zurückzukehren: zum Wesentlichen“, begründet Rebernig.

Außerdem müsse das Kurwesen umgebaut werden, denn immer mehr Kinder sind stark übergewichtig. Deshalb gebe es auch bereits Pläne für den Zubau von 40 Zimmern im Kloster Pernegg. „Das Fastenzentrum ist bis Ostern fast ausgebucht. Für einen Zubau muss aber erst noch das Stift Geras seine Zustimmung geben“, so Rebernig.

Top-Wirt Franz Buchinger spricht von einer Sauren-Gurken-Zeit. Der Ausdruck bezeichnete ursprünglich eine Zeit, in der es nur wenige Lebensmittel gab. „Im Moment gehen die Menschen nicht so häufig ins Wirtshaus essen, das liegt aber nicht an der Fastenzeit, sondern am schlechten Wetter. Im Konsumverhalten unserer Gäste ist die Fastenzeit nicht bemerkbar“, sagt der Gastronom.

Christiane Goller vom Landgasthof Zum Seher ist derselben Ansicht: „Wir merken keine Veränderung im Konsumverhalten unserer Gäste, aber es gibt eine Bewegung zu vegetarischen Gerichten. Mehr Menschen sind froh, wenn man ihnen eine vegetarische Auswahl bietet.“

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