Fastenzeit: Zeit von Umkehr und Neuwerden. Kirchenvertreter rufen zum freiwilligen Verzicht auf. Ein Aspekt des Fastens ist das Teilen.

Von Martina Hofer. Erstellt am 26. Februar 2020 (04:32)
Der Horner Stadtpfarrer Albert Groiß. Der Pernegger Pfarrer Sebastian Kreit.
Martin Kalchhauser

Nicht nur der Organismus entledigt sich beim Fasten von überflüssigen und krankmachenden Stoffen, auch die Seele wirft Ballast ab. Sehr oft werden in der Fastenzeit wichtige Entscheidungen in persönlichen Angelegenheiten getroffen, die schon lange aufgeschoben oder verdrängt wurden.

Gerade in unserer heutigen, mit Reizen überfluteten Zeit ist es wichtig, der Seele und dem Geist eine Pause zu gönnen und in Abgeschiedenheit die Gedanken zu klären, um einen neuen Weg zu finden. Es ist ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt des Fastens, Impulse zu setzen zur Umorientierung von Lebensgewohnheiten.

Sebastian Kreit ist Pfarrer von Pernegg und im Kloster für die „geistliche Betreuung“ der Fastenden zuständig. „Zuerst sollte man sich bewusst machen, dass beim Fasten keine Leistung zu erbringen ist“ sagt er. „Fasten bedeutet so viel wie Festmachen oder Orientierung. Man stellt sich die Frage, was man wirklich zum Leben braucht. Der Mensch besteht ja nicht nur aus Körper, sondern auch aus Geist und Seele. Die Seele kommt aber leider oft zu kurz und das macht die Menschen dann krank. Fasten bedeutet wach zu werden, frei zu werden für etwas Neues. Es bedeutet Leben. Sich die Zeit zu nehmen, um sich zu fragen, woran man glaubt; bewusst stehen bleiben und auch Dankbarkeit zu spüren.“

Es ist wichtig, bewusst Pausen zu machen

Albert Groiß, Stadtpfarrer in Horn, meint im Gespräch mit der NÖN: „Es ist wichtig, auch einmal eine bewusste Pause zu machen und auf das Wesentliche zu schauen. Jeder Mensch braucht das – sich immer wieder auch mal zu besinnen. Zeit zum Lesen zu haben oder für ein gutes Gespräch.“

Man könne auch im Kleinen anfangen und sich zum Beispiel jeden Tag eine halbe Stunde die Zeit für sich nehmen, um sich zu konzentrieren, meint Groiß: „Ein freier Tag in der Woche an dem man sagt: ‚Das ist mein Tag, mein Bereich, den ich mir gönne.‘ Dadurch hat man dann auch wieder mehr Energie für andere Menschen und findet auch wieder mehr zu Gott.“