Gastro-Neustart: „Endlich wieder Zeit für Gäste“. Erleichterung bei Gastronomen und Gästen groß. Ansturm blieb aber in Grenzen.

Von Eduard Reininger und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:29)
Endlich können wieder Gäste im Öhlknechthof bewirtet werden. Jasmin Hofbauer, Gastronom Nikolaus Henkel und Daniel Kopp (von links) zeigten sich über die Lockerungen in der Gastronomie erfreut.
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Ein gutes Glas Wein, ein kühles Bier sowie Schnitzel oder Schweinsbraten – fast zehn Wochen konnten sich Freunde nicht in ihrem Lieblingslokal treffen. Unter strengen Auflagen ist das nun wieder möglich. Die NÖN hat sich umgehört, wie der Neustart in der Gastronomie am vergangenen Wochenende erfolgt ist.

Von einem übermäßig großen Ansturm auf die Lokale war im Bezirk Horn allerdings nichts zu merken, berichtete Wirtesprecherin Sandra Buchinger. In ihrem Lokal in Harmannsdorf sei das Mittagsgeschäft am Freitag und Samstag „in Ordnung, aber nicht übermäßig“, die Abende hingegen „wirklich gut“ gewesen. Der Sonntag sei dann aber eher enttäuschend verlaufen. Da habe man gemerkt, dass es noch kaum Tagesausflügler gebe, die zu Mittag essen gehen wollen. Auch der oftmalige Aufruf, vor einem Lokalbesuch unbedingt reservieren zu müssen, habe seinen Teil zum geringen Gästeaufkommen beigetragen.

Für sie sei es wie für viele Kollegen am ersten Wochenende aber weniger um die Kundenfrequenz als vielmehr um die Tatsache gegangen, die Lokale endlich wieder öffnen zu dürfen, denn: „Die Gastronomie ist auch eine Kommunikationsbranche. Wir arbeiten in dieser Branche, weil wir den Kontakt mit unseren Gästen schätzen und lieben. Das ist unsere Leidenschaft – und das war jetzt endlich wieder möglich“, sagte Buchinger.

Sie sparte auch nicht mit Lob für ihre Gäste, die ähnlich froh gewesen seien, wieder in „ihr“ Lokal gehen zu dürfen. Die hätten sich sehr diszipliniert gezeigt und beim Eintritt in das Lokal Schutzmasken getragen. Für das Personal sei das Tragen des Mundschutzes, der ja beim Kontakt mit den Gästen verpflichtend ist, teilweise sehr anstrengend gewesen. Daher wurde jede Möglichkeit, sich in Pausen der Maske zu entledigen, genutzt.

Auch Pächter Niko Henkel, der während der Coronakrise seine zwölf Mitarbeiter des Restaurants Öhlknechthof zur Kurzarbeit anmelden musste, ist froh, dass es nun endlich wieder weitergeht. „Bereits am ersten Tag kamen unsere Stammgäste wieder und so sehen wir mit voller Zuversicht in die Zukunft“, betonte er gegenüber der NÖN.
Er habe alle Ansuchen um Unterstützung gestellt. Allerdings: „Gekommen ist bis heute nichts“, ärgerte er sich über ausbleibende Hilfe. Bestens funktioniere hingegen auch in der Krise das Einvernehmen mit der Sparkassen AG als Verpächter der Location.

 Buffet: Gäste stellten sich mit Masken an

 Auch Wirtin Bianca Leitner war mit dem Besuch im Naturpark-Lokal zufrieden. Obwohl: „Es ist schon gewöhnungsbedürftig“, war ihre Aussage, was das Tragen der Mund-/Nasenschutzmaske für die Mitarbeiter betrifft. Da sich die Gäste – nicht wie gewohnt – nicht selbst am Buffet bedienen durften, wurde dafür ein eigener Mitarbeiter abgestellt. „Wir haben uns mehrfach abgewechselt, weil es auf Dauer nicht auszuhalten war“, erzählte Leitner. Die Gäste selbst hätten sich hier brav mit Maske angestellt und auch auf die Einhaltung des Abstandes wert gelegt.

Während in ihrem Lokal am Samstag noch eher weniger los war, sei sie am Sonntag vom Ansturm der Gäste überrascht gewesen. Die seien nicht nur aus dem Bezirk Horn gekommen, sondern auch aus anderen Bezirken oder aus Wien. Da habe auch das gute Wetter das seine beigetragen. Dass die Gäste allesamt im Freien sitzen wollten, sei aber vielleicht auch auf das Bewusstsein zurückzuführen, dass die Infektionsgefahr im Freien geringer sei.

Wermutstropfen für ihre Gäste: „Einige waren traurig, dass die typischen ,Schankgespräche‘ momentan nicht möglich sind.“