Erstellt am 18. Januar 2017, 05:44

von Martin Kalchhauser

Geflügelpest: „Werden Behörde unterstützen!“. Zeit günstig, Stallpflicht wirkt sich im Winter weniger aus. Landwirte könnten glimpflich davonkommen. Auch private Tierhalter gefordert.

Bio-Freilandeier-Erzeuger Franz Dittrich, Fronsburg: „Keine Angst vor der Vogelgrippe – aber es ist gut, auf ,Nummer sicher‘ zu gehen.“Kalchhauser  |  Martin Kalchhauser

Wegen erhöhten Geflügelpest-Risikos müssen derzeit auch im Bezirk Horn Geflügel und Vögel unter Dach gehalten werden. Das Gebot der Vernunft, das zur Vermeidung der „Vogelgrippe“ führen soll, stößt bei den Betroffenen auf volles Verständnis.

Dass seit dem 10. Jänner jegliches von Landwirten und auch privaten gehaltene Geflügel „unter Dach“ sein und Kontakt zu wild lebenden Vögeln vermieden werden muss, ist Kern der aktuell geltenden „6. Änderung der Geflügelpest-Verordnung 2007“ (siehe unten!).

Amtstierärztin Iris Schuhmann-Irschik: „Noch ist kein konkreter Fall im Bezirk Horn bekannt.“  |  NOEN

„Diese Vorschrift gilt auch für Private!“, erinnert Amtstierärztin Iris Schuhmann-Irschik (Foto links), dass Halter von einigen Hühnern zur Eigenversorgung mit Eiern ebenfalls betroffen sind.

Dem Umstand, dass die Registrierungspflicht auch für diese gilt, ist zu verdanken, dass neben 450 bäuerlichen Geflügelhaltern auch rund 50 private verständigt werden konnten. „Darüber hinaus haben wir auch die Gemeinden informiert“, so Schuhmann-Irschik. „Konkreten Fall gibt es im Bezirk Horn noch keinen.“

Was die Privaten (Hühnerhalter, …) betreffe, seien die Gemeinden angehalten, diese gezielt auf die Einhaltung der Bestimmung hinzuweisen. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, dem drohen Kontrollen und (Verwaltungs-)Strafen nach dem Tierseuchengesetz.

„Absicherung für die gesamte Branche!“

Bauernkammer-Funktionär Stefan Schlegel: „Vorsichtsmaßnahmen sind auch eine wichtige Absicherung für unsere gesamte Branche!“  |  NOEN

Die betroffenen Landwirte, so wurde der NÖN unisono versichert, werden es darauf nicht ankommen lassen. „Die Maßnahmen sind eine wichtige Absicherung für die gesamte Branche“, betont Bauernkammerobmann-Stv. Stefan Schlegel (Foto links). „Wir werden die Behörde unterstützen!“

Schlegel, der selbst Gänse und Enten züchtet, ist „aktuell tierfrei. Wir haben die letzten Gänse vor Weihnachten verkauft.“ Er hofft, dass mit dem Vogelzug das Problem wieder Geschichte ist.

Zudem habe man in der Region den Vorteil, von großen Gewässern weit entfernt zu sein. Erst im Mai kommen bei Schlegel wieder Jungtiere in den Biobetrieb. „Dann wäre es eine mittlere Katastrophe, wenn wir alles dicht machen müssten.“

Alexander Schinner, Fronsburg: „Zur Zeit kein gravierender Nachteil. Ab Mai gäbe es aber Probleme!“  |  NOEN

Glück mit dem Zeitpunkt der aktuellen Verordnung sieht auch Alexander Schinner, Bio-Landwirt in Fronsburg: „Gänse haben wir derzeit keine, und die rund 1.000 Jung-Puten sind aktuell sowieso im Stall und haben erst ab der sechsten Woche Auslauf. Zur Zeit ist die Situation für uns kein gravierender Nachteil.“ So wie Schlegel wäre es auch für Schinner ein Problem, würde die Verordnung auch im Mai noch gelten.

Fall wäre auch enormer Imageverlust

Ebenfalls in Fronsburg hat Landwirt Franz Dittrich in seinem Betrieb (gemeinsam mit seinem Sohn) 15.000 Hühner. Er produziert Bio-Freilandeier.

„Wir haben für die Hühner Platz im Stall und auch einen überdachten Auslauf“, berichtet er im Gespräch mit der NÖN. „Im Winter sind die Hühner sowieso weniger draußen, daher ist es momentan nicht so tragisch. Im Sommer wäre eine solche Verordnung viel schlimmer.“

Dittrich, der darauf hinweist, dass die aktuelle Vogelgrippe – im Gegensatz zu jener vor rund zehn Jahren – nicht auf die Menschen übergreifen kann, stellt sich so wie seine Berufskollegen voll hinter die behördlichen Maßnahmen: „Ich bin voll dafür, dass Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Wir gehen da auch im eigenen Interesse auf ,Nummer sicher‘.“

Die Gefahr, wegen eines Vorfalles den Stall räumen zu müssen, wäre vielleicht von der Versicherung abgedeckt. Aber wenn ein Vogelgrippe-Fall auftreten würde, wäre das ein enormer Imageverlust für die Freilandeier-Produktion. Der Markt würde wegbrechen, und es dauert lange, bis sich der dann wieder erholen könnte.“

Sollte die Verordnung sehr lange in Kraft bleiben, würde Dittrich den „Freiland“-Status verlieren und seine Eier als „Bio-Eier aus Bodenhaltung“ verkaufen. Er hofft daher ebenfalls auf ein baldiges Auslaufen der Verordnung.