Geschäfte öffnen: Freude überwiegt zum Verkaufsstart. Großen Ansturm gab es keinen, aber die Geschäfte im Bezirk wollen sich nicht beklagen. Die Angst vor einem drohenden vierten Lockdown ist überall zu spüren.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 10. Februar 2021 (04:02)
Regine Willenig-Pfeifer und Theresa Lichtenegger freuen sich über die Wiedereröffnung des Manufactura-Shops in Eggenburg.
Margarete Jarmer

Ein Wechselbad der Gefühle waren die letzten Monate für den Handel. Nach der ersten coronabedingten Schließung im November freuten sich die Geschäfte über eine zügige Wiedereröffnung rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft im Dezember. Die Freude hielt aber nicht lange. Schon nach Weihnachten ging es zurück in den Lockdown. Nur „systemrelevante“ Läden durften ihre Waren im Geschäft verkaufen. Viele suchten nach Alternativlösungen, wie Lieferservice und Abholung. Jetzt steht die Ampel aber nach der langen Wartezeit vorerst auf grün. Keiner weiß wie lange, was auch im Handel direkt Sorgen bereitet. Überwiegend ist aber momentan noch die Freude, überhaupt wieder aufsperren zu dürfen.

Kunden froh über Beratung. „Es ist nicht nur wichtig für uns. Auch unsere Kunden sind froh, dass sie sich die Produkte wieder persönlich im Geschäft anschauen können“, meint Elektrofachhändler Alexander Ziegelwanger. Auch Beratung und Service seien nicht außer acht zu lassen. Das würde übers Telefon schlicht mühsam sein. Mühsam sei auch das ständige Hin und Her seit November. „Man muss sich jetzt jeden Monat komplett umstellen. Mittlerweile ist aber selbst da eine gewisse Routine drin, die aber zugegebenermaßen schon recht lästig ist“, erklärt er.

Lieferservice erlebte Boom. Während dem harten Lockdown konzentrierte sich sein Geschäft verstärkt auf den eigenen Lieferservice. „Damit haben wir uns eigentlich ganz gut durchgekämpft.“ Bestellungen wurden per Telefon getätigt und teils auch vom Chef persönlich ausgeliefert. Der Service sei während des Lockdowns jedenfalls sehr positiv und dankend angenommen worden. „Wir waren sehr gut ausgelastet, teilweise sogar überlastet mit der Flut an Bestellungen“, schildert Ziegelwanger. Das passt ins Schema des in Coronazeiten blühenden Online-Handels. Eine Belastung stellte der Service deshalb aber auch dar. „Auch der Umsatz ist dabei natürlich nicht derselbe.“

Start verlief zufriedenstellend. Die neue Beschränkung auf 20 Quadratmeter pro Kunde sieht er zwar als ein weiteres, aber bewältigbares Hindernis. „Unsere Kunden waren bisher immer sehr diszipliniert und verständnisvoll. Wir können jetzt immer noch 15 Kunden gleichzeitig im Geschäft haben. Wenn man ein bisschen drauf schaut, geht sich das gut aus.“ Der Montag war bereits wieder überdurchschnittlich stark. „Man merkt, dass viele wieder aufs Aufsperren gewartet haben.“ Aktuell bleibt also nur die Sorge vor dem vierten Lockdown. „Ich rechne damit, dass es im März wieder soweit ist.“ Zumindest für den Sommer hofft Ziegelwanger auf ein Ende des Teufelskreises.

Neugründer haben zu kämpfen. Ein kleiner Lichtblick in Krisenzeiten ist die Öffnung für die Boutique „Fesch‘n“ in Horn. Erst im September wurde das kleine Modegeschäft von Sabine Haider und Tanja Lepolt eröffnet. Gerade mal zwei Monate befand man sich im Geschäft, ehe es in den Lockdown ging. Als Neugründer haben es Haider und Lepolt besonders schwierig in Krisenzeiten. „Wir werden von der Politik total vergessen“, klagt Haider. Das Problem: Der lebenswichtige Umsatzersatz würde aus den Einnahmen des Vorjahres berechnet werden. Als Neugründer gäbe es das natürlich nicht. Das bedeutet im Umkehrschluss auch kein Geld.

Kaum Unterstützung im Lockdown. „Wir haben für den Lockdown gerade mal 500 Euro insgesamt bekommen“, betont die Geschäftsführerin. Damit lasse sich noch nicht einmal die Miete zahlen. Noch dazu beschäftigen die beiden Geschäftsführerinnen eine geringfügige Arbeitskraft, deren Job schon auf der Kippe stand. „Während des Lockdowns hatten wir selbst keine Einkommen, um das Geschäft irgendwie durch die Krise zu bekommen“, sagt Haider.

Unmut über Beschränkungen. Umso wichtiger, dass es jetzt weitergehen kann, wenn auch nur kurzzeitig. „Es geht darum, zumindest die Fixkosten hereinholen zu können.“ Dabei dürfte sich die neue Kundenbeschränkung nicht als sonderlich hilfreich erweisen. Mit rund 120 Quadratmeter gehört das Geschäft zur kleineren Sorte. „Ich verstehe es nicht ganz. Die Kunden sind meist eh allein hinten in der Kabine. Muss ich den Kunden vorne dann wirklich sagen, sie müssen draußen bleiben, wenn sie nur kurz etwas vom Ständer bezahlen wollen?“, fragt sich Haider. Noch schlimmer: Dadurch laufe man auch Gefahr, dass die Kunden einfach weitergehen, anstatt zu warten.

Eine leere Fußgängerzone. Zumindest der Montag verlief auch noch schleppend. „Man merkt, dass die Leute noch zurückhaltend sind. In der ganzen Horner Fußgängerzone war nichts los“, schildert Haider. Das bereite zusätzlich Sorgen um die saisonale Mode. Schließlich sitzt sie momentan auf einem großen Berg an Wintermode. „Die wird jetzt so langsam hinfällig. Die Menschen wollen die kalte Jahreszeit hinter sich lassen.“ Wenn wirklich noch viel davon übrig bleiben würde, müsse man sich weiter Gedanken machen. Dann wäre ein Lager notwendig. Eines, das die Boutique aktuell nicht hat. Dann müsste wieder ein Raum gemietet werden, der noch weitere Kosten mit sich bringt.

Hoffen auf Hochzeiten. Für die Boutique Berner war vor allem der Ausfall der Ballsaison und vieler Hochzeiten ein schwerer Schlag. Abendmode und Brautkleider sind dort das Hauptgeschäft. „Wir freuen uns richtig, dass es endlich weitergehen kann und hoffen doch noch auf einige Hochzeiten heuer“, betont Geschäftsführerin Bettina Pfaller. Der Wille zum Heiraten sei laut ihr zumindest da, nur halt nicht die Möglichkeit. Viele Hochzeiten im Vorjahr wurden auf heuer verschoben. „Die, die sich jetzt um ein Kleid umschauen, hoffen doch, dass ab April vielleicht wieder Hochzeiten stattfinden können“, schildert Pfaller.

Pause für Renovierung genutzt. Während des Lockdowns stand das Geschäft zwar verkaufstechnisch komplett still, gearbeitet wurde aber trotzdem. Pfaller nutzte die Zeit für Renovierungsarbeiten. „Wir haben ein bisschen umgebaut, neue Vorhänge besorgt und neu ausgemalt.“ Auch die vielen Waren und Kleider mussten während des Lockdowns feinsäuberlich zuerst verpackt und jetzt wieder entpackt werden. „Es war ein großer Aufwand, aber es hilft ja nichts. Die Kleider dürfen nicht verstauben“, erklärt die Geschäftsführerin.

Interesse ist vorhanden. Der Aufwand soll nicht umsonst gewesen sein. Die erste Woche ist bereits terminlich ausgebucht. Auch mit dem Tagesgeschäft war Pfaller am Montag zufrieden. „Es war jetzt nicht der große Ansturm, aber in Ordnung.“ Wegen den neuen Einschränkungen macht sie sich keine Sorgen. „Wir arbeiten sowieso hauptsächlich mit Terminen. Dementsprechend können wir uns das gut aufteilen, damit sich die Kunden sicher im Geschäft fühlen können.“

Kleine Geschäfte haben Überblick. Auch beim kleinen Shop der Manufactura Eggenburg sieht Vereins-Vizeobfrau Margarete Jarmer keine großen Probleme durch die Beschränkungen. „Es können zwar nur höchstens drei Leute rein, aber das ist kein Thema. Die Kunden warten bei uns brav draußen, bis sie drankommen“, erzählt sie. Bei der Einhaltung und Kontrolle hätte man als kleines Geschäft sogar Vorteile und einen besseren Überblick. Die Öffnung sei ein großer Schritt zurück zum Einkaufserlebnis, das der Verein eigentlich mit dem Geschäft bieten will. „Gerade vom Einkaufserlebnis leben wir als regionales Geschäft besonders“, meint sie. „Durch die Waren stöbern und die Geschichte dahinter zu erfahren, das gehört dazu.“

Solidarität für die Region. Die Hoffnung besteht noch, dass dem Geschäft ein vierter Lockdown erspart bleibt. Auch eine Besinnung auf die regionalen Gedanken in Krisenzeiten wünscht sich Jarmer. „Wir müssen Solidarität für unsere regionalen Betriebe aufbringen. Es ist vielleicht ein utopischer Wunsch, aber der Online-Handel sollte nicht die absolute Macht gewinnen.“

Kritik an Öffnung. Während der Handel die Öffnung einstimmig feiert, gibt es doch einiges an Kritik an der Entscheidung. Teile der Bevölkerung meinen, dass durch die Lockerungen des Lockdowns das Virus außer Kontrolle geraten könnte. Dazu meint der Weitersfelder Druckerei-Inhaber Georg König: „Das Virus macht, was es will, es ist nur über die Eigenverantwortung jedes Einzelnen wirklich kontrollierbar!“

Alles beim Alten. Für König und sein geschäftliches Umfeld bringt die Öffnung keine Vorteile. Seine Firma beliefert mit oder ohne Lockdown den Handel und die Industrie im gesamten Bundesgebiet mit Geschäftsdrucksorten, Visitkarten, Werbematerialien bis hin zu Büchern. So hatte er auch mit den bisherigen behördlich angeordneten Maßnahmen keine Probleme, da er wenig Laufkundschaft bedient. Einziges Highlight nach dem 8. Februar ist für Georg König, der bereits in drei Wochen fixierte Friseurtermin gemeinsam mit seiner Gattin.

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