Größeres Problem als neue Kreditregeln: Steigende Kosten

Erstellt am 16. August 2022 | 20:57
Lesezeit: 4 Min
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Foto: Foto: Archiv/Weikertschläger
Die neuen Kreditregeln scheinen sich auf die Bauherren im Bezirk Horn nicht so stark auszuwirken wie die hohen Rohstoffpreise.
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Die neuen Kreditregeln sollen mehr Sicherheit bei der Finanzierung des Eigenheimes bringen. Wirken sich diese auf die Bautätigkeit im Bezirk aus?

„Um Auswirkungen auf den Immobilienmarkt festzustellen, sind die neuen Kreditregeln erst zu kurz in Kraft“, stellt Remax-Horn-Chef Christoph Aschauer fest. Außerdem seien die Finanzierungen im Preissegment der Horner Immobilienpreise kein Problem. „Bei den üblichen Preisen liegen die zwanzig Prozent in einem Bereich, die durchaus in bar vorhanden sind. Ein Problem könnte ich mir bei Finanzierungen von 600.000 Euro oder mehr vorstellen, aber das ist weit von den Horner Preisen entfernt.“ Ein Steigen der Nachfrage ortet Aschauer jedoch bei der Nachfrage aus dem Wiener Raum. „Wer in Wien eine 80 Quadratmeterwohnung verkauft, der kann sich bei uns schon ein Haus leisten. Dieser Trend ist vor allem bei Familien mit Kindern seit der Pandemie durchaus sichtbar.“

Ähnlich sieht sein Kollege Klemens Kofler, Chef des Horner Immo-Contract-Büros, die Situation. „Die Zwanzig-Prozent-Grenze hat auch bisher schon fast jede Bank vorgeschlagen und die 40 Prozent bei Rückzahlungen wurde ebenso angestrebt.“ Kofler ortet aktuell auch keinen Einfluss auf die Preisentwicklung. Die Nachfrage nach Häusern sei in Niederösterreich generell höher, wobei jedoch im Stadtgebiet von Horn auch der Wohnungsmarkt gut floriere.

Wunsch nach Eigenheim muss auch leistbar sein

Dass der Trend zur Wohnung an Bedeutung gewinnt, bestätigt auch Horns Bürgermeister Gerhard Lentschig. „Wir stellen im Gemeindegebiet schon fest, dass genau überlegt wird, ob mit dem Hausbau begonnen wird. Es ist auch offensichtlich, dass einzelne Baugründe nicht genutzt werden. Der Wunsch nach einem Eigenheim ist da, die Kosten für eine ansprechende Wohnung sind jedoch oft leichter leistbar.“ Lentschig gibt auch zu bedenken, dass die massiven Preissteigerungen nicht nur den Hausbau betreffen, was vielleicht einen wesentlicheren Faktor darstellen könnte, als die neuen Kredit-Richtlinien.

„Es ist in unserer Gemeinde schon spürbar, dass die Bautätigkeit leicht abnimmt. Das ist jedoch nicht auf die neuen Kreditregeln zurückzuführen, sondern auf die hohen Baupreise generell“, bemerkt Bürgermeister Franz Göd aus Sigmundsherberg und kann einen konkreten Fall in seiner Gemeinde benennen, bei dem die Baukosten einfach das Budget übersteigen. Wegen der Kreditregeln rechnet Göd auch in Zukunft nicht mit einem Einbruch der Bautätigkeit. „Die Bauwerber müssen ohnehin einen gewissen Grundstock an Eigenleistung aufbringen. Mit Startkapital null ist an einen Hausbau in der heutigen Zeit nicht zu denken. In den Kreditregeln sehe ich eher nur eine gewisse Absicherung, dass junge Menschen nicht einfach ‚ins Blaue‘ zu bauen beginnen.“

Thomas Nemeth, Bautechniker der Firma Manhart Bau GmbH in Horn ortet zwar „einen leichten Rückgang, um von einem Einbruch zu sprechen, ist es jedoch noch zu früh. Derzeit ist einfach alles unsicher, die Bauherren warten generell die Entwicklung ab und hoffen auf eine Besserung der Situation.“

Nachfrage nach verdichtetem Wohnbau

In seiner Funktion für die ARGE Wohnen und als Vorstandsdirektor für die WAV Siedlungsgenossenschaft in Raabs, die auch im Bezirk Horn auf eine rege Bautätigkeit verweisen kann, ist Manfred Damberger überzeugt, dass der Trend im Hausbau aus mehreren Gründen zum „verdichteten Wohnbau“ geht.

„Die Nachfrage der Einfamilienhaus-Bauer nach Reihenhäusern und Doppelhaushälften ist drastisch gestiegen. Diese Entwicklung ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass die neuen Kreditregeln in unserem Wohnbau nicht gelten. Bauträger und damit auch Kreditnehmer ist die Genossenschaft. Und die von uns angebotenen Finanzierungsmodelle der Miete mit Kaufoption sind besonders mieterfreundlich.“

Als einen weiteren Grund, der für den verdichteten Wohnbau spricht, zählt Damberger die Bodenversiegelung auf. „Diese ist beim Bau eines Einfamilienhauses zwei- bis dreimal höher als bei einem Doppelhaus. Und das ist ein positiver Beitrag zum Umweltschutz.“

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