Homeschooling: Eltern, Kids und Lehrer an Grenze. Auch wenn das System des „Heimunterrichts“ funktioniert, stehen alle Beteiligten im Bezirk Horn vor großen Herausforderungen.

Von Georgia Kazantzidu. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:23)
Viele Eltern müssen derzeit neben ihrem eigenen Job und der Haushaltsführung auch noch als Lehrer ihrer Kinder fungieren.
Fabio Prince/shutterstock.com

Das Homeschooling wurde als eine temporäre Lösung in der Zeit der Pandemie eingeführt. Diese Lösung verursacht aber vielschichtige Probleme bei Erziehungsberechtigten, Schülern und Lehrern. Der Eingriff in die Alltagsstruktur und in die sozialen Kontakte aller Betroffenen ist merkbar. Für viele Eltern stellt die Anforderung, ihre Kinder neben der beruflichen Tätigkeit zu Hause zu betreuen, eine große Herausforderung dar. Dennoch stellen alle Beteiligten zumindest im Bezirk Horn dem Homeschooling ein gutes Zeugnis aus.

Besonders schwierig ist die Situation bei den Kleinsten. Dennoch funktioniere Homeschooling auch in ihrer Schule recht gut, attestierte die Garser Volksschul-Direktorin Gabriele Weiler. Für Kinder, die trotz Lockdown in der Schule betreut werden müssen, gibt es auch diese Möglichkeit. Auch wenn die Situation für Eltern „klarerweise nicht leicht“ sei, sie haben laut Weiler gelernt, damit umzugehen.

Dass dem so ist, bestätigt Herbert Kiennast, Obmann des Elternvereins der Volksschule Gars. Er erzählt der NÖN, dass er seitens der Eltern weder positive noch negative Meldungen bezüglich Homeschooling bekommen habe. Betroffen ist er als dreifacher Familienvater – sowohl er als auch seine Frau sind berufstätig – auch selbst. Man habe im Frühjahr beim ersten Lockdown und auch im Herbst die Kinder zu Hause betreut, um das System zu entlasten.

Auch wenn die Familie durch Großeltern unterstützt werde, sei die Situation auf Dauer belastend. „Wir müssen neben der beruflichen Situation und der Haushaltsführung zusätzlich auch als Lehrer fungieren – für uns, aber auch für die Kinder, eine herausfordernde Situation.“ Besonders, da sich die Lage schon fast ein Jahr so präsentiere. Diese Situation bringe Eltern an ihre Grenzen, auch die Ungewissheit, wann das Ganze ein Ende habe, sei bedrückend. Unterschätzen dürfe man auch mangelnde soziale Kontakte der Kinder nicht.

Vor Problemen stehen laut Weiler aber auch die Lehrer. Denn die Situation sei mit Regelunterricht nicht vergleichbar. Stofflich und inhaltlich könnten die Lehrer nicht besonders viel Neues machen. Man passe sich mit Nachsicht der Situation an, „weil es die Zeit so verlangt“, sagt Weiler. Den Umständen entsprechend müsse auch die Beurteilung mit Maß und Ziel erfolgen. „Wir versuchen mit den erbrachten Leistungen eine Aussicht auf eine Note zu erstellten“, so Weiler, und fügt abschließend hinzu: „Unser Trost ist, dass es nicht nur uns betrifft, sondern dass es leider eine weltweite Katastrophe ist.“

Schulöffnungen mit Testungen möglich?

Dass man die Situation mit Homeschooling gut im Griff habe, bestätigt auch der Horner Gym-Direktor Michael Ableidinger. Vor allem bei wenig gut strukturierten Schülern sei man seitens der Schule dahinter, dass diese auch mit diesem System gut klarkommen. Wo Bedarf besteht, bietet das Gymnasium den Schülern auch Leihcomputer an. „Dass das Lehren in der Klasse natürlich besser ist, ist unbestritten“, sagt Ableidinger.

Man mache dennoch das Beste aus der Situation und achte darauf, dass die Schüler nicht zu lange von dem Computer sitzen müssen und überfordert sind. Jeder Schüler habe die Möglichkeit, jederzeit Fragen an die Lehrer zu stellen. Es werde auf jeden Fall Rücksicht auf die schwächeren Schüler genommen. „Wir bekommen es im Gymnasium ganz schön hin“, so Ableidinger, der auf die Sicherheit hinweist: „Ich glaube schon, dass man unter Umständen die Schule hätte offenlassen können, aber gleichzeitig mit einer verpflichtenden Testung.“

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