Impfen als Schutz für sich selbst und andere. Als soziale Verantwortung erachten Experten aus der Medizin und Pflege die Durchführung von Schutzimpfungen.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 12. Februar 2020 (04:12)
Shutterstock/Syda Productions

Impfbefürworter gegen Impfgegner und teils auch Impfmuffel: Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von Schutzimpfungen sorgen in der Bevölkerung für konträre Sichtweisen und bieten Anlass zur Debatte. Um mehr Bewusstsein für wert- und vor allem wirkungsvolle Impfungen zu schaffen, setzt das Land Niederösterreich auf die Kampagne „Darum Impfen“. Aber wogegen? Wie oft? Warum eigentlich? Und was hilft sonst noch vor Erkrankungen? Die NÖN hörte sich um.

„Grundsätzlich sollte jeder die Standardimpfungen in Anspruch nehmen“, sagt Bezirksärztesprecher Gerald Oppeck, Allgemeinmediziner in Eggenburg, und erklärt: „Das menschliche Immunsystem bewahrt uns vor einer Vielzahl von Keimen. Erreger, mit denen das Immunsystem zuvor aber nie in Kontakt gekommen ist, können von diesem nicht mit gleicher Effizienz bekämpft und so für den Organismus auch gefährlich werden.“

Die Impfung sensibilisiere das Immunsystem gegenüber diesen zuvor unbekannten Erregern und bewirke so ein rasches Eingreifen des Immunsystems. „Die Infektion wird abgeschwächt und für Gefährdete ungefährlicher“, betont Oppeck: „Wenn genügend Personen geimpft sind, kann sich eine Infektion, die von Mensch zu Mensch übertragen wird, in einer Region nicht lange halten. Daher ist es für die Gesellschaft wichtig, dass sich möglichst viele impfen lassen.“

Je mehr, desto besser also – dennoch gibt es Personengruppen, denen Ärzte Impfungen besonders ans Herz legen. „Kleinkinder, da deren Immunsystem noch nicht voll entwickelt ist, und immunschwache Personen, wie Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen oder ältere Menschen“, zählt Erich Weghofer, Allgemeinmediziner in Mörtersdorf, auf. „Auch medizinisches Pflegepersonal sollte sich impfen lassen – zum Schutz der Patienten und zum eigenen Schutz“, ergänzt Oppeck. „Die Standardimpfungen von Babys, Kleinkindern und Kindern werden dringend angeraten, auch bei Erwachsenen wird empfohlen, den im Kindesalter erworbenen Impfschutz aufzufrischen.“

Hygiene im Spital: „Kein Tag ist wie der andere“

Neben der Impfung gibt es auch andere Möglichkeiten, sich vor Erkrankungen zu schützen – vor allem in puncto Hygiene. „Der kulturelle Aspekt eines Handschlags oder die Begrüßung mit einem freundlichen Küsschen macht es den Erregern oft sehr einfach, sich zu verbreiten“, erläutert Weghofer. „Hier sind Maßnahmen, besonders Händewaschen, extrem wichtig. 20 Sekunden mit Seife gründlich waschen reicht. Ein Desinfektionsmittel ist nicht nötig.“

Eine besondere Stellung hat Hygiene in Krankenhäusern. In den Waldviertler Landeskliniken gibt es speziell ausgebildete Hygienebeauftragte. „Zu unseren Aufgaben gehören alle Maßnahmen, die der Erkennung, Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von Infektionen und der Gesunderhaltung dienen“, erklärt Günther Kalchbrenner, Hygienefachkraft am Landesklinikum Horn-Allentsteig. „Wir sind auch bei allen Planungen für Neu-, Zu- und Umbauten und bei der Anschaffung von Geräten und Gütern involviert.“

Im täglichen Ablauf sind dabei regelmäßig Fragen zu hygienischen Problemen zu beantworten, müssen hygienerelevante Produkte freigegeben werden, Stationen besucht und Richtlinien überprüft, manchmal auch überarbeitet werden. „Im Grunde sieht aber jeder Tag anders aus“, sagt Kalchbrenner. Die Herausforderungen seien durch unterschiedliche Krankheitsbilder und Komplexitäten oft von Station zu Station verschieden.

Besonders herausfordernd sei etwa der Umgang mit Isolierpatienten. „Wegen Infektionen mit multiresistenten Erregern (wie Durchfall; Anm.) brauchen sie oft eine Einzelunterbringung.“ Zudem sei wichtig, diese Richtlinien auch in Stresssituationen (wie bei akuten Verletzungen) nicht zu vernachlässigen.

Umfrage beendet

  • Was haltet ihr von einer Grippe-Impfpflicht?