Impfen? Bitte warten nach Chaos. Anmeldung für Corona- Impfung im Bezirk Horn sorgt bei Seniorenbund-Obmann Rudi Weiser für Empörung. Viele weiter ohne Termin.

Von Leo Nowak und Sebastian Dangl. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:02)
Symbolbild
Kunal Mahto, Shutterstock.com

Während die Organisation der Corona-Teststraßen in unseren Gemeinden professionell abläuft, scheint die Impfanmeldung einigermaßen missglückt zu sein. Der Unmut über das Chaos bei der Terminvergabe für die Corona-Impfung von über 80-Jährigen war auch im Bezirk Horn groß. Viele schafften es nämlich auch am 17. Februar nicht, einen Impftermin zu bekommen.

Zahlreiche Anrufe und Mails gingen in der Horner NÖN-Redaktion ein: „Ich bin derart angefressen, dass ich es denen da oben einmal sagen möchte, die hier einen ungleichen Wettbewerb organisieren, wo nur die gewinnen, die einen internetkundigen Enkel im Haus haben“, war eine Langauer Bürgerin am Aschermittwoch wütend auf diese bürokratische Regelung.

Der Horner Max Huber meinte, dass es in der Stadt Horn keinen einzigen Impftermin gegeben habe. „Es ist 92-jährigen Bewohnern nicht zumutbar z. B. nach Drosendorf oder Gars gebracht zu werden. Für eine Bezirksstadt wie Horn ist das eigentlich eine Schande – es ist zu hoffen, dass man in Zukunft in Horn geimpft wird und nicht alle Horner zum Impfen auspendeln müssen“, machte er seinem Ärger Luft.

Seniorenbund-Obmann sauer. Schon der erste Durchgang für 10.000 Impfwerber führte zu einem Anmelde-Tempowettbewerb, wo weniger „internetaffine“ ältere Menschen – betroffen war ja die Generation 80+ – kaum mitkamen. Schließlich galt es – wie auch beim zweiten Durchgang – möglichst nach dem „Event-Countdown“ eine kurzfristig eingeblendete Liste der Impfordinationen zu finden, anzutippen, die rasend schnell kleiner werdende Zahl der Impftermine zu sichten und zu nehmen, was noch da war, schildert Seniorenbund-Bezirksobmann Rudi Weiser. „Im Bezirk Horn gab es beim ersten Durchgang kaum eine Impfstelle, beim zweiten Mal, wo 30.000 Dosen vergeben wurden, nur insgesamt vier – Drosendorf, Gars, Straning und Weitersfeld“, sagt er. Mit dem Ansturm aus den Bezirken Hollabrunn, Zwettl bzw. sogar Gmünd und den verzweifelt suchenden Horner Bezirksbewohnern blieben sehr viele Buchungswerber auf der Strecke, bzw. stecken, wenn sie vergaßen, auf dem digitalen Formular das Geburtsdatum mit Punktetrennung einzusetzen oder die Mailadresse zu bestätigen. Zumindest dann, wenn jemand beim Ehepartner den Termin am gleichen Ort zu ergattern versuchte.

Angebot in 120 Kilometern Entfernung frei. Nach 20 Minuten war ein Großteil der nahe gelegenen Impforte verschwunden und übrig blieben hunderte freie Impfangebote in 120 Kilometer Entfernung im Mostviertel und die Enttäuschung, dass das Versprechen, dass es diesmal sicher klappt, den älteren Menschen nur Hektik gebracht hatte. Die Lösung, den Gemeinden und Seniorenorganisationen, die sich erfolgreich um eine Vorregistrierung bemüht hatten, eine Möglichkeit zu geben, die vorregistrierten Personen bei ihrem Hausarzt anzumelden, war kaum zu realisieren, sagt Weiser. Jetzt folge dann der Impftourismus. „Wo blieb bei dieser Planung die Zusammenarbeit mit der Krankenkasse und den Landes-Impfkoordinatoren untereinander?“, fragt er sich. „Es war das reine Lotteriespiel, und uns wird man dafür schimpfen“, reagiert Weiser, der für eine zentrale Zuteilung nach dem Alter und Ort gewesen wäre.

Schwierigkeiten auch für Jüngere mit Vorerkrankung. „Im 3. Quartal wird es dann wohl übergenug Impfdosen von verschiedenen Anbietern geben“, meint der Weitersfelder Allgemeinmediziner Johann Jäger. Besonders schwer fällt eine Anmeldung auch für jüngere Menschen mit schweren Vorerkrankungen, die der eigene Arzt wohl gekannt hätte. Aber auch für Bettlägerige, die man mit dem derzeitigen Pfizer-Impfstoff wegen der Kühlkette nicht erreichen kann.

Gerücht: Kein Impf-Arzt im Bezirk. In Seniorenkreisen verbreitet sich auch das Gerücht, dass es aktuell keinen einzigen Arzt im Bezirk Horn gibt, der die Impfung durchführt. Die NÖN fragte bei Ärztesprecher Gerald Oppeck nach, ob dies stimme. Als Beispiel, dass doch geimpft wird, führte Oppeck Allgemeinmediziner Gerald Wunderer in Eggenburg an. Die Entscheidung, wer Impfstoffe bekommt und wer nicht, liege letztendlich beim zentralen Impfmanagement. Bei den Ärzten selbst gebe es auf jeden Fall reichlich Interesse. „Es werden jetzt stufenweise und je nach Verfügbarkeit immer mehr Ordinationen mit dem Impfen starten“, meint Oppeck. Er sei zuversichtlich, dass es mit den Impfungen zügig vorangehe, wenn „eine kontinuierliche Versorgung steht“. Allen, die noch keinen Termin haben, rät Oppeck „dran zu bleiben. Es wird jetzt von Woche zu Woche besser werden.“

Die nächste Runde der Terminbuchung für über 80-Jährige könnte es aber erst in einigen Wochen geben: „Die Impftermine in den nächsten drei Wochen sind vergeben, dann erfolgt die zweite Teilimpfung der über 80-Jährigen.“ Am 26. Februar können unter 65-Jährige, die im Gesundheitswesen tätig sind – wie Ärzte, Ordinations-Personal, Apotheker oder Menschen, die mit Behinderten arbeiten – Termine buchen. Auch engste Angehörige von Schwangeren oder schwerkranken Kindern sowie Betreuer von behinderten Menschen sind dabei.