Kultur-Sommer: Höhepunkte auch im „zachen Jahr“. Veranstalter trotzen Corona & Begleiterscheinungen, weil „der Hunger auf Kultur bei Bevölkerung spürbar ist“.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:39)
Von links: Felix Mitterer, Robert Lehrbaumer und Maria Ma.
AMA

„Es ist extrem zach“ – mit diesen Worten fasste Gerlinde Hofbauer, Powerfrau hinter der Konzertreihe „Geras klingt“ die aktuelle Situation für Kulturveranstalter zusammen. Mit dem Mondscheinkino in Eggenburg (Seite 12/13) wurde indes ein Leckerbissen im Bezirk Horn bereits fix bestätigt. Während die Sommernachtskomödie auf der Rosenburg bereits fix abgesagt ist, überlegen die Verantwortlichen der Burg Gars Oper und jene von Allegro Vivo noch (die NÖN berichtete). Die NÖN hat sich bei weiteren Veranstaltern im Bezirk umgehört, welche Veranstaltungen doch durchgeführt werden könnten – und welche fix abgesagt sind.

Kultur-Hunger ist groß

Während der Hunger potenzieller Besucher von Kultur-Veranstaltungen auf Events groß sind („Die stürmen uns geradezu mit Anfragen. Musik bei einem Konzert zu genießen ist eben etwas anderes, als sich eine CD anzuhören, auch wenn sie noch so schön ist.“) sei die Ungewissheit, ob und wenn ja, in welcher Form Veranstaltungen in den kommenden Monaten über die Bühne gehen können, zermürbend, sagte Hofbauer. Sie spüre aber nicht nur bei Gästen, sondern auch bei den Künstlern den Wunsch, endlich wieder Auftritte zu absolvieren. Sie stehe in permanentem Kontakt mit Künstlern, um Auftrittsmöglichkeiten und Termine auszuloten. „Die Termine müssen ja nicht nur für den Veranstalter, sondern auch für die Künstler in deren jetzt geänderte Planung passen“, berichtet sie von langwierigen Organisations-Fragen.

Geras klingt: Start am 28. Juni?

Nachdem die ersten beiden geplanten Termine bereits abgesagt werden mussten, könnte der Auftakt jetzt am 28. Juni mit „Agnes Palmisano & Band“ erfolgen. Noch muss aber abgewartet werden, wie viele Gäste im Marmorsaal des Stiftes Geras Platz finden werden: „Noch sind die Infos dazu einfach nicht da“, sagte Hofbauer. Vorstellen kann sie sich, im Sommer auch Freiluft-Veranstaltungen durchzuführen.

„M.ars“: Hoffen auf den Herbst

Wie flexibel Kultur-Veranstalter in der derzeitigen Situation sein müssen, beschreibt Erich Piffl vom Meiseldorfer Kulturverein „M.ars“. Auch er erzählt von „permanenten Abstimmungen mit den Künstlern“. Zudem habe man in der Vorwoche bei einer Besprechung beschlossen, das gesamte Jahresprogramm für 2020 abzusagen, jetzt besteht aber wieder die Hoffnung, doch zumindest drei Termine im Herbst durchziehen zu können. Wichtiger Faktor dabei: Gibt es eine Vorgabe bezüglich Raumangebot pro Besucher? „Wenn wir nur 20 Leute in unsere neue Veranstaltungshalle bringen, dann können wir das vergessen“, sagte er. Dann mache es weder Gästen noch Künstlern Spaß. Auch aus wirtschaftlicher Sicht brauche man eine Gästeanzahl, bei der sich „die Veranstaltung zumindest gegen Null rechnet“.

Jazzclub: Umbau im Keller

Veranstaltungen, bei denen Mindestabstand von einem Meter einzuhalten sind, machen im Drosendorfer Jazzkeller keinen Sinn, wie Jazzclub-Obmann Hannes Fröhlich erklärt. Daher hoffe man auf den Herbst, um bei „aufgelockerter Bestuhlung“ zumindest 35 Gäste im vorderen Bereich und 25 weitere im hinteren Bereich auf Stehplätzen unterzubringen. Auch die Garderobe wurde bereits vom Eingangsbereich wegverlegt, um dort mehr Platz zu schaffen. „Wir hoffen, dass wir die für Herbst fixierten Termine einhalten können“, meinte Fröhlich, der die bisher fünf geplanten Konzerte der Saison absagen hatte müssen.

Zuversicht bei Altenburger Musikakademie

Viel Prominenz und viele Kursteilnehmer werden bei der 33. Altenburger Musikakademie erwartet. Trotz Corona gebe es laufend Anmeldungen für die Kurse (12. bis 25. Juli). Man sei regelmäßig in Kontakt mit den Entscheidungsträgern und arbeite daran, die Kurse und Konzerte unter den dann geltenden Regeln bestmöglich durchführen zu können, sagte AMA-Leiter Robert Lehrbaumer. Die Termine und Lokalitäten dafür gelte es noch abzuklären, dass die AMA insgesamt abgehalten werden kann ist aber seit Montag Nachmittag fix. Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen werden nach den aktuellsten Bestimmungen sowohl für Kursunterricht als auch für die Konzerte bereit gestellt. Eine Freude für das kulturell in den letzten Monaten ausgehungerte Publikum. Eine Aufbruchstimmung auch unter den renommierten Künstler/innen und bewährten Pädagogen/innen und natürlich besonders auch bei den Kursteilnehmern, welche die in letzter Zeit in Mitleidenschaft gezogene Musikausbildung hier unter perfekten Bedingungen nachholen und intensivieren können.
 

Prominenz zu Gast

Neben den Meisterkursen und dem Weiterbildungsangebot für Kinder und Hobbymusiker gibt es einen kulturellen Paukenschlag zur Eröffnung mit dem Auftritt von Felix Mitterer. Der nicht nur als Schauspieler, sondern vor allem als Autor von kultig gewordenen Filmen und TV-Serien bekannt gewordene Mitterer wird aus eigenen Texten lesen. Das sei auch insofern bedeutsam, als Mitterer nur mehr bei ganz seltenen Gelegenheiten für derartige Auftritte zu gewinnen sei. Dazu wird ein Orgelwerk von Gottfried Jaufenthaler durch Lehrbaumer in der Stiftskirche aufgeführt. Er wird auf dem Klavier auch Musik von Franz Liszt interpretieren. Eine weitere musikalische Besonderheit des Eröffnungsabends: meditative Hackbrett-Musik von Maria Ma.

Im Kursangebot findet sich weitere Prominenz mit Sänger Robert Holl, der als Schubert-Spezialist einen Kurs für den „Liederfürst“, im Beethoven-Jubiläumsjahr aber auch Werke des Schubert-Kollegen beinhalten wird. Weiterer Gesangsunterricht wird von Tenor Jan Petryka und von Sopranistin und Universitätsprofessorin Gabriele Fontana abgehalten.

Lehrbaumer hat die Meisterkurse für Klavier und Orgel sowie die Dirigate zweier Orchesterkonzerte inne, die jungen Solisten die Chance eröffnen, mit dem Vienna International Orchestra aufzutreten. Auch die Dozenten Judith Velisek (Klavier und Orgel, auch für Kinder und Hobbymusiker), Heinz Wallisch (Gitarre für Profis, Hobbymusiker und Anfänger, sowie Ensemblespiel), Margit Fussi (Liedbegleitung) und Mieke Stoel (Feldenkrais) werden wieder Kurse leiten.

Novität: Flöten- und Kammermusik

Aber auch eine Novität wird es geben: Einen Flöten- und Kammermusik-Kurs (für alle Niveau- und Altersstufen) mit der persisch-österreichischen Universitätsprofessorin Furugh Karimi-Djafar-Zadeh. Weitergeführt wird auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der aus Horn stammenden Komponistin Astrid Spitznagel.

Terminkollisionen?

Unvermeidbar werden aus Sicht Hofbauers im weiteren Jahresverlauf Terminkollisionen sein. Normalerweise nehme man bei der Jahresplanung auf andere Veranstalter Rücksicht. Das sei heuer aufgrund der Verschiebung der Termine in den Herbst nicht oder nur schwer möglich.