Nahversorger: Wo der Kunde noch König ist. Die NÖN besuchte kleine Greißler und fragte nach, warum Kunden das Angebot dort schätzen.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 27. November 2019 (04:56)
Sehen die Nahversorgung im Dorf Breiteneich als gesichert: Greißler Martin Kranzler, Ortsvorsteher Alois Burger, Kundin Sonja Moser und deren vierjähriger Sohn Matteo, der besonders das Mehlspeisen- und Jausenangebot in der Greißlerei schätzt.Weikertschläger
Thomas

Man kann als Greißler auch in einem kleinen Dorf überleben – das beweist seit dreieinhalb Jahren Martin Kranzler mit seinem Nahversorger-Geschäft im 380-Seelen-Ort Breiteneich. Er habe es seither nie bereut, das Geschäft, das zuvor ein Jahr geschlossen war, gekauft zu haben. Dank seiner weiteren Standbeine – er ist auch als Caterer für diverse Veranstaltungen oder Geburtstagsfeiern in der Gegend aktiv – findet Kranzler auch das entsprechende Auskommen. Was sein größtes Plus ist? „Ich kenne 90 Prozent meiner Kunden mit Vornamen. Der persönliche Kontakt ist mir einfach wichtig“, sagt Kranzler, der zusätzlich auch ein Platten- und Brötchenservice anbietet.

Als „Segen für den Ort“ bezeichnet Ortsvorsteher Alois Burger, der sich nach der Schließung des seit 1928 bestehenden Geschäfts im Jahr 2015 stark für eine Nachfolgeregelung eingesetzt hatte, die Greißlerei Kranzlers. „Sie ist ja nicht nur ein Geschäft, um sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs eindecken zu können, sondern auch Kommunikationspunkt“, sagt Burger. Besonders von den Senioren des Ortes werde das Geschäft als Treffpunkt geschätzt. „Umso mehr, als wir in Breiteneich ja keinen Wirt mehr haben“, meint der Ortsvorsteher, der es auch als positiv sieht, dass in Breiteneich – anders als in anderen Gemeinden – die Gemeinde nicht als Finanzier des Projektes auftreten muss.

„Das Jausengeschäft von Kranzler ist der Grund, warum wir um Breiteneich keine Umfahrung bauen. Wir wollen ihm das Geschäft ja nicht wegnehmen.“ Ortsvorsteher Alois Burger

„Das Jausengeschäft von Kranzler ist der Grund, warum wir um Breiteneich keine Umfahrung bauen. Wir wollen ihm das Geschäft ja nicht wegnehmen.“ Ortsvorsteher Alois Burger

Auf die weiteren Vorteile der Greißlerei im Ort angesprochen, meint die Breiteneicherin Sonja Moser, dass nicht nur die leichte und rasche Erreichbarkeit des Geschäfts positive Punkte seien, sondern auch das „Jausen-Service“ für die Kinder des Breiteneicher Kindergartens. Ihr vierjähriger Sohn Matteo freue sich täglich auf die von Kranzler nach Wunsch zubereitete Jause, die sie nur abholen brauche. Ihr selbst erspare das Früh – auch angesichts des wenige Wochen alten weiteren Nachwuchses – einiges an Zeit. Außerdem schätze sie die Qualität von Mehlspeisen wie Brioche, Krapfen oder Schaumrollen: „Unser Sohn isst diese Dinge nur dann, wenn sie vom Martin sind“, erklärte sie. Kranzler bietet darüber hinaus zwei Mal pro Woche ein Mittagsmenü an – ein Service, das Moser gerne in Anspruch nimmt.

Ein weiteres Plus Kranzlers: Er sperrt sein Geschäft täglich um 5.30 Uhr auf, um Pendlern und Handwerkern schon rechtzeitig die Möglichkeit, sich mit Jausen einzudecken, zu geben. Eine Tatsache, die Ortsvorsteher Burger zu einem seiner berüchtigten Scherze veranlasste: „Das ist auch der einzige Grund, warum wir keine Umfahrung um Breiteneich bauen. Wir wollen Kranzler ja kein Geschäft wegnehmen.“

Japons: 24-Jährige schupft Nahversorgung

In Japons beweist übrigens die 24-jährige Nadin Kases, dass man auch als junge Unternehmerin in der Nahversorger-Branche bestehen kann. Die Gemeinde Japons hatte 2016 rund 1,2 Mio. Euro in den Bau eines Nahversorger-Geschäfts sowie Wohnungen im Dorfzentrum investiert und rasch darauf die junge Unternehmerin aus der eigenen Gemeinde als Betreiberin des Geschäfts, das im März 2017 seinen Betrieb aufgenommen hat, gefunden. Seither schupft sie den Betrieb mit drei Mitarbeiterinnen – und hat diesen Schritt ebenfalls nicht bereut, wie sie der NÖN erzählte. Auch in Japons gilt das Geschäft als Treffpunkt, die beliebte Kaffee-Ecke ist an Vor- und Nachmittagen durchgehend besetzt.

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