„Nein“ zu Verbot von Globuli. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Diese Mittel seien nicht wirksam, begründet Pilz ihre Aussage. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk Horn, was sie darüber denken.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 12. Dezember 2018 (05:29)
Martin Kalchhauser
Bezirksärztesprecher Gerald Oppeck und der Horner Apotheker Gilbert Zinsler.

Eins vorweg: Wirklich sinnvoll hält im Bezirk Horn diese Forderung niemand. Der Horner Apotheker Gilbert Zinsler wirft die Frage auf, was man mit einem Verkaufsverbot in Apotheken erreiche? „Wenn man der Meinung ist, dass etwa Globuli nur Zuckerkügelchen sind, dann bekommt man sie nach einem Apotheken-Verbot eben anderswo.“ Man rücke so den Bereich der Homöopathie weg von Experten wie Ärzten und Apothekern hin zur Scharlatanerie. Davor gelte es zu warnen. Es könne nicht sein, dass man die Leute zu Esoterikern treibe, die nicht zu haltende Heilsversprechen abgeben.

Auch wenn es die Homöopathie nicht geschafft habe, dass wissenschaftliche Studien ihre Wirksamkeit belegen, so sei dennoch zu beobachten, dass sie bei einfachen Krankheitsbildern Erfolg bringen. Denn, so Zinsler: „Sonst wäre die Nachfrage danach nicht so groß.“

Dass die Patienten mit Homöopathie sehr zufrieden sind, verzeichnet auch die Eggenburger Allgemeinmedizinerin Doris Busta. Sie setzt bei der Behandlung stark auf Homöopathie, setzt – wenn notwendig – aber auch schulmedizinische Behandlungen ein. Es sei gut, dass die Homöopathie derzeit Ärzten, also Fachleuten, vorbehalten sei.

"Ärzte entscheiden, welche Mittel eingesetzt werden sollen"

„Ärzte haben die Kompetenz, zu entscheiden, welche Behandlung sinnvoll und welche Mittel eingesetzt werden sollen“, sagt Busta. Im Sinne der medizinischen Vielfalt sei das zusätzliche Angebot der Homöopathie für viele Patienten, die ein Recht haben, selbst zu wählen, wie sie behandelt werden möchten, ein gutes. Viele ihrer Patienten fühlen sich durch die Diskussion über ein Verbot vor den Kopf gestoßen.

Dass Homöopathie auch weiterhin über ausgebildete Ärzte und Apotheker Anwendung finden soll, fordert auch Bezirksärztesprecher Gerald Oppeck. Es werde fälschlicherweise angenommen, dass nicht-schulmedizinische Diagnostik und Therapie immer harmlos sei. „Patienten, die sich darauf verlassen, riskieren, dass ernste Erkrankungen nicht erkannt und dringend notwendige Therapien verzögert oder ganz unterlassen werden“, sagt Oppeck.

Streng wissenschaftliche Ausbildung notwendig

Allerdings sei das Spektrum der medizinischen Tätigkeit groß und nicht jede Befindlichkeitsstörung erfordere das gesamte Spektrum schulmedizinischer Diagnostik und Therapie. Es mache daher auch Sinn, durch Einschluss der Homöopathie – sobald sich schulmedizinisch keine Notwendigkeit ergebe – aufwendige Untersuchungen oder Übertherapien zu vermeiden.

„Genau das erfordert aber eine streng wissenschaftliche Ausbildung um beurteilen zu können, wann man zu Homöopathie greift und wann man riskiert, dass eine ernste Erkrankung nicht erkannt und dringend notwendige Therapien verzögert oder ganz unterlassen werden“, so Oppeck.

Über den Placebo-Effekt von homöopathischen Mitteln meint Zinsler, dass es das Ziel medizinischer Anwendungen sein müsse, die Menschen gesund zu machen, wie, sei zweitrangig. Außerdem sei auch bei teuren Medikamenten der Schulmedizin ein gewisser Placebo-Effekt bei der Wirkung zu verzeichnen.

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