„Pflegebedarf wird sich in Zukunft zuspitzen“. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Karin Pollak und Karin Widhalm. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:56)
BilderBox.com, Erwin Wodicka
Immer mehr pflegebedürftige Menschen wünschen sich eine 24-Stunden-Betreuung für zu Hause.

Die Bevölkerung wird im Bezirk Horn wachsen, wenn auch nur leicht: Die Statistik registrierte 31.269 Menschen im Jahr 2018. Man rechnet mit 31.421 Personen im Jahr 2030, wobei die Wachstumsrate der über 80-Jährigen bei elf Prozent liegen wird. Der Bedarf an Pflege wird gefragt sein.

Der erst veröffentlichte NÖ Altersalmanach rechnet damit, dass im Bezirk bis 2030 alle Betreuungsformen wachsen werden müssen: die mobilen Angebote (plus 6,2 Prozent), die stationäre Pflege (17,1) und die 24-Stunden-Betreuung (33). Gerhard Berthold führt mit seiner Frau Elisabeth Smolec eine Agentur für 24-Stunden-Betreuung in Eggenburg – und ortet zwei Probleme.

„Pflegebedürftige und Angehörige müssen gut beraten sein, damit sie eine bestimmte Betreuungsform finden können, die passt.“Brigitte Grünsteidl

Der Bedarf an Pflegekräften kann derzeit mit Personal aus osteuropäischen Ländern gedeckt werden. Aber: „Man bekommt die Leute schwerer und seltener“, spürt Berthold schon jetzt. Das liege daran, dass die Einstiegsgehälter in Nachbarländern erheblich gestiegen sind und noch steigen werden. Jene Pflegerinnen mit guter Ausbildung, die in Österreich gesucht werden, werden in ihrem Heimatland arbeiten wollen. „Im Grenzraum zur Ukraine oder zu Moldawien ist das nicht der Fall, aber die Pflegerinnen können dort kaum Deutsch“, erläutert er. „Je weiter in den Osten hinein, desto weniger Deutschkenntnisse.“

Dazu kommt, dass in Zukunft mehr Personal gebraucht wird. Hilfreich sei nicht, dass manche Agenturen ihre Preise gerade im Waldviertel und Weinviertel eher höher ansetzen. „Da muss man sich etwas überlegen.“ Er hätte eine Idee.

Ihm schwebt vor, leer stehende Häuser zu Zentren für ältere Menschen aufzubauen. „Da würde sich gerade das nördliche Niederösterreich dafür eignen.“ Die Bewohner könnten sich gegenseitig helfen, etwa beim Putzen oder Kochen, während diplomierte Pflegekräfte und Ärzte stundenweise eingesetzt werden. „Sie könnten in einem Radius von 25 Kilometern im Gebiet tätig sein“, schildert Berthold. „Das wäre eine gute Lösung, um dem Pflegebedarf Herr werden zu können.“

Barbara Gerhart wünscht sich eine bessere Information für Pflegebedürftige und deren Angehörige: „Mein Eindruck ist, dass es an der Beratung von den Möglichkeiten fehlt“, sagt die Hausleiterin des Stephansheims in Horn. Entscheidungen könnten dann besser getroffen werden.

Aufklärung gehört zu den obersten Geboten des Pflege- und Betreuungszentrums in Eggenburg. „Die Pflegebedürftigen und Angehörigen müssen gut beraten sein, damit sie eine bestimmte Betreuungsform für sich finden können, die passt. Das ist wichtig“, führt Direktorin Brigitte Grünsteidl aus. Die Gesellschaft verändert sich nämlich: „Die Familienverbände, so wie wir sie kennen, gibt’s de facto weniger.“ Den steigenden Pflegebedarf sieht sie als Herausforderung.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

„In Eggenburg habe ich das Glück, dass wir ausreichend Pflegekräfte haben, aber das wird sicherlich ein Thema werden“, betont sie. „Man muss schauen, dass der Pflegeberuf ein attraktiver ist.“ Viele Faktoren spielen da mit, vom Gehalt über die Dienstzeiten bis hin zum Arbeitsklima.

„Wir suchen derzeit nicht händeringend nach Personal“, kann auch Gerhart berichten. Die Situation sei rund um die großen Ballungsräume wie Wien prekärer. Das Stephansheim gehört zur „Haus der Barmherzigkeit“-Gruppe, die Pflege-Einrichtungen auch in Kirchstetten, Wiener Neustadt und Poysdorf betreibt.

Michaela Hinterholzer, Präsident des Hilfswerks NÖ, ist eines klar: „Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich in Zukunft zuspitzen.“ Der Standort in Horn-Eggenburg sucht schon Fachpersonal. Ein Ausweg (von vielen) könnte die Schaffung von kleinräumigen Einrichtungen oder generationenübergreifenden Wohnprojekten sein, findet Volkshilfe NÖ-Geschäftsführer Gregor Tomschizek – ganz wie Berthold.

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