Radeln im Trend: Die E-Bikes boomen. Coronakrise verstärkte Lust auf Radfahren zusätzlich. Nicht nur Generation 50+ setzt dabei verstärkt auf motorisierte Unterstützung.

Von Eduard Reininger und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:29)
Oswald Riederer (Mitte) gehört zu den Kunden von Manfred Winkelmüller und Fritz Obenaus (von links). In „Mandys Radwerkstatt“ in Horn boomt der E-Bike-Verkauf.
Reininger

Das Radfahren boomt seit Jahren – und die Coronakrise hat diesem Boom zusätzlichen Schub verliehen. „Corona hat vielen Menschen einen Denkanstoß gegeben. Sie wollen sich wieder mehr sportlich betätigen und auf ihre Gesundheit schauen“, bestätigte etwa Dominik Wammerl, Filialleiter der Horner Intersport-Filiale. Das Rad sei das ideale Sportgerät, wenn es gelte, die sportliche Betätigung gleich mit einem kulturellen Ausflugsprogramm zu verbinden und sei deshalb derzeit so in Mode.

Neben Exklusivmodellen, die in besonderer Lackierung nur bei Intersport erhältlich seien, liegen laut Wammerl derzeit besonders E-Bikes im Trend . Hier sei heuer im Vergleich zum Vorjahr nochmal eine deutliche Steigerung zu erkennen. Während zu Zeiten, als die E-Bikes aufgekommen sind, eher die Generation 50+ als Zielgruppe für diese Räder gegolten hat, greifen mittlerweile auch jüngere Radler zu den elektrisch unterstützten Gefährten. Bei den über 50-Jährigen liegen außerdem City- und Touring-Bikes im Trend, bei den 30- bis 40-Jährigen liegen noch die Cross-Bikes oder Trekking-Bikes hoch im Kurs, die jüngere Generation setzt weiter verstärkt auf Mountainbikes, etwa um im Kamptal Touren zu unternehmen, sagte Wammerl.

Auch bei Manfred Winkelmüller, der in der Horner Florianigasse seit 14 Jahren eine Fahrradwerkstätte betreibt, liegen derzeit E-Bikes hoch im Kurs. „Elektrofahrräder waren schon immer ein Thema, so richtig boomt das Geschäft mit ihnen aber heuer“, sagte er. Während sich im Vorjahr E-Bikes und „normale“ Räder noch die Waage gehalten hätten, liege heuer der Anteil von E-Bikes bereits bei rund 90 Prozent. Er rechne für 2020 mit doppelt sovielen verkauften E-Bikes wie noch im Vorjahr. Der Run auf E-Fahrräder sei während der Corona-Pandemie nicht gestoppt worden, wodurch einige Modelle bereits ausverkauft sind, „auch wenn die Zulieferfirmen mit ihren Produktionen auf Hochtouren“ laufen“, informierte Winkelmüller und zitierte eine Studie, wonach mit E-Fahrrädern um rund 50 Prozent mehr Kilometer gefahren werden als mit herkömmlichen Fahrrädern.

Übrigens kann man sich bei Winkelmüller sein E-Bike selbst zusammenzustellen, dann muss allerdings mit Lieferzeiten von sieben Wochen gerechnet werden.

Wartezeiten muss man derzeit übrigens auch in Kauf nehmen, wenn man seinem Rad ein Service gönnen will. Winkelmüller behebt zwar akute Probleme rasch, für ein geplantes Service muss aber gewartet werden. Ähnlich sieht es bei Intersport aus. Dort gibt es momentan Wartezeiten von rund einer Woche. „Es ist deutlich spürbar, dass wir derzeit mehr Serviceleistungen rund ums Rad an den Mann bringen als gewöhnlich“, sagte Wammerl.

Grüne: Rad auch als „Nutzfahrzeug“ sehen

Auf die Bedeutung des Fahrrades als Nutzfahrzeug wiesen übrigens die Horner Grünen am vergangenen Freitag bei einem „Grünen Radtag“ in Horn hin. Das Festgelände war Ausgangspunkt zu diesem Radaktionstag, bei dem Kommunalpolitiker und Bürger für den Klimaschutz in die Pedale traten. Laut Grünen-Sprecher Walter Kogler-Strommer ging es dabei darum, auch „Freizeit- und Wenig-Radler zu motivieren, kurze Wege mit dem Rad zu fahren, statt das Auto zu nehmen“. Mit einer Tour zu einem Direktvermarkter nach Frauenhofen sollte gezeigt werden, dass man auch mit dem Rad, Rucksack oder Satteltaschen Einkäufe erledigen kann. Kritisiert wurde dabei, dass „es momentan keine gefahrfreien Radwege auf dieser Strecke nach Frauenhofen und über das EKZ retour gibt. Zum Teil sind sowohl die Beschilderungen als auch die Markierungen nicht radfahrtauglich. Wobei das Unverständnis mancher Autofahrer das größte Problem darstellt“, sagte Kogler-Strommer.

Einen Radaktionstag organisierten Cordelia Lachmann, Dieter Schewig, Christa Eckhard, Gerhard Öttl, Walter Kogler-Strommer, August Kubala und Veronika Stock (von links) von den Grünen Horn mit dem Ziel, den Menschen zu zeigen, dass man auch mit Rucksack und Rad Einkäufe erledigen kann.
Eduard Reininger

Dass der Radweg entlang der Pragerstraße keine Ideallösung sei, bestätigt auch der für die Radwege zuständige Gemeinderat Paul Klinger (ÖVP). Er habe schon vor Jahren eine Lösung wie in anderen Städten mit markiertem Radfahrstreifen und Tafeln, auf denen die geltenden Vorrangregeln am Anfang und Ende des Weges festgehalten werden, gewünscht. Dies sei dann aber an den Vorgaben des Sachverständigen seitens des Landes gescheitert. „Und über diese Vorgaben können wir uns nicht hinwegsetzen. Wer übernimmt dann die Verantwortung, wenn etwas passiert?“, meinte Klinger.

70.000 für Radweg? ÖVP sagt „Nein“

Der Vorschlag seitens des Sachverständigen sei dann einerseits an den Kosten von über 70.000 Euro und der Tatsache, rund 100 zusätzliche Tafeln entlang der Pragerstraße aufstellen zu müssen, um die verschiedenen Vorrangregeln etwa bei privaten Zufahrten oder bei öffentlichen Straßen anzuzeigen, gescheitert. „Dieser Schilderwald hätte auch keinem Radfahrer etwas geholfen“, meinte Klinger.

Für Ende Juli ist die nächste ähnliche Ausfahrt geplant.

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