Sorge vor dem Wolf: „Sind nicht die Serengeti“. Nachdem sich Wölfe auch im Bezirk Horn heimisch machen, fordert Bezirksbauernkammer-Obmann Hofer EU-weite Regelungen zum Schutz der Landwirtschaft.

Von René Denk und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 29. Juni 2017 (05:55)
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Wölfe werden auch im Bezirk Horn heimisch.

Auch wenn es im Bezirk Horn noch keine dokumentierten Besuche des Wolfes gibt, vermehrten sich zuletzt die Gerüchte über Sichtungen einzelner Exemplare vom Truppenübungsplatz Allentsteig in den benachbarten Gemeinden. So soll etwa in Winkl ein Muttertier mit sieben Jungen beobachtet worden sein, auch aus Tautendorf gibt es Berichte über Wolfssichtungen.

Bauernobmann Hofer: Zeit, sich Gedanken zu machen

Aufgrund der Nähe zum TÜPl, auf dem das einzige Wolfsrudel lebt, das in Österreich nachweisbar seine Heimat hat, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Wölfe vermehrt im Bezirk Horn in Erscheinung treten. Laut Georg Rauer, Wolfsbeauftragter des Landes NÖ, besteht dieses Rudel aus zwei älteren Tieren und sechs Jungtieren. Für ihn ist wahrscheinlich, dass die Jungwölfe des Vorjahres (sie sind mittlerweile so groß wie ihre Eltern und rund ein Jahr alt) „auf Exkursion“ gehen oder bereits abwandern.

„Sie beginnen, ihr eigenes Revier zu suchen. Das kann hunderte Kilometer entfernt sein“, erörtert er. Die langen Wanderschaften nehmen die Wölfe in Kauf, da sie sich nicht mit nahen Verwandten paaren.

Martin Kalchhauser
BBK-Obmann Herbert Hofer fordert einen EU-weiten Zonierungsplan für Wölfe. Foto: MK

Laut Bezirksbauernkammerobmann Herbert Hofer ist es daher nur eine Frage der Zeit, bis es erste massive Schäden für die Landwirtschaft im Bezirk Horn geben wird. Im Bezirk Zwettl sorgte zuletzt ein Fall für Aufsehen, bei dem in der Gemeinde Bad Traunstein ein oder mehrere Wölfe sieben Jungschafe gerissen haben, auch im Bezirk Hollabrunn soll es schon zu Wolfssichtungen gekommen sein.

Daher sei es für Hofer an der Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man mit der Situation umgehen sollte. Wenn die Gesellschaft wolle, dass der Wolf bei uns lebt, dann könne es nicht sein, dass Landwirte als Einzelpersonen auf Schäden und Kosten sitzen bleiben.

„Das Waldviertel ist nicht die Serengeti. Wer will, dass dem doch so ist, der soll auch sagen, wohin die Menschen und Betriebe gehen sollen“, meint Hofer. Er fordert daher einen EU-weiten Zonierungsplan, in welchen Gebieten der Wolf leben kann und wo er aus Rücksicht auf die Landwirtschaft nicht geduldet sein sollte.

Forst-Schäden durch gestresstes Wild

Denn von der Landwirtschaft werde zunehmend die Auslauf- und Weidehaltung von Tieren erwartet, Schutzmaßnahmen gegen den Wolf seien aber sowohl teuer als auch nicht hundertprozentig sicher. Hofer: „Wir müssen dem Wolf die Tiere quasi am Silbertablett präsentieren.“ Denn der Einsatz von Hütehunden sei problematisch. Diese seien so abgerichtet, dass sie auch andere Vierbeiner als Gefahr für ihre Herde ansehen, Probleme mit Spaziergängern und deren Hunden seien vorprogrammiert.

Neben Rissen von Schafen, Ziegen oder Freilandschweinen befürchtet Hofer auch indirekte Schäden für die Land- und Forstwirtschaft. So sei zu beobachten, dass Rotwild vom TÜPl vor den Wölfen flieht, Stress ausgesetzt ist und „Schälschäden“ an Waldbäumen verursacht. Da die Landwirtschaft jetzt schon Schäden durch Biber und Fischotter hinnehmen müsse, liege die Befürchtung nahe, dass dies auch beim Wolf so sein wird.

Als Forderung liegt daher eine klare und transparente Abwicklung für Schäden, die diese Tierarten verursachen, auf dem Tisch. Mittels Managementplan solle klar festgelegt sein, was in welcher Situation zu tun sei.

Dabei gehe es nicht darum, den Wolf wieder komplett aus der Region zu vertreiben, aber ihn in die Schranken zu weisen, denn, so Hofer: „Ein Wolf lernt schnell. Wenn er merkt, dass er in der Nähe menschlicher Siedlungen ein Tier reißt und es passiert ihm nichts, dann wird er es wieder tun.“ Zudem solle es genaue Beobachtungen geben, wo die Wölfe herkommen und wohin sie wandern, und es soll geklärt sein, wer für eventuelle Kosten aufkommt.

Auch Bezirksjägermeister Karl Ruttenstock hat von Gerüchten über Sichtungen im Bezirk Horn gehört, definitive Beweise für die Anwesenheit des Wolfes gebe es aber nicht. Von Jägerseite könne man gegen den Wolf nicht vorgehen. Denn der Wolf darf durch EU- und landesrechtliche Bestimmungen nicht bejagt werden.