Teuerungen im Alltag: „Geht oft nicht mehr“

Erstellt am 17. Mai 2022 | 21:00
Lesezeit: 5 Min
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Einen Kundenansturm verzeichnet der soogut-Markt in Horn. Um 30 Prozent mehr Kunden kommen wegen der aktuellen Teuerungswelle.
Foto: Dieter Schewig
Mindestpensionisten, teilzeitbeschäftigte Alleinerzieher, Menschen mit geringem Einkommen, aber auch Unternehmer aus dem Bezirk Horn kommen an den Rand der finanziellen Möglichkeiten.
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Egal, wohin man schaut, alles wird teurer, im Geldbörsel bleibt am Monatsende viel weniger, als noch vor ein paar Monaten. Die Sorgen in der Bevölkerung steigen, ebenso das Unverständnis, denn nicht alle Preissteigerungen können der Corona-Pandemie oder dem Krieg in der Ukraine zugeschrieben werden.

Die enormen Preissteigerungen führen derzeit zu einer Steigerung bei Anfragen bei der Bezirkshauptmannschaft Horn betreffend Sozialhilfe, aber noch nicht bei den Anträgen selbst, bestätigt Bezirkshauptmann Johannes Kranner. Unterstützung gibt es auch über den kürzlich vorgestellten „Wohnschirm“. Hier bekommen jene Personen in Mietverhältnissen, bei denen während der Pandemie ein Mietrückstand entstanden ist, Unterstützung.

Einen wachsenden Kundenzustrom von bis zu 30 Prozent verzeichnet man im soogut-Sozialmarkt in Horn. „Jetzt kommen auch jene, die bisher mit billigen Diskonteinkäufen noch über die Runden kamen und jetzt an ihre Grenzen stoßen“, betont Pressesprecherin Ursula Oswald, und: „Unsere Nahrungsmittel werden um zwei Drittel günstiger als im regulären Handel angeboten. Die Ersparnis hilft den Kunden dabei, die Dinge bezahlen zu können, die bei uns nicht angeboten werden.“

Dieses Angebot nutzen Mindestpensionisten, teilzeitbeschäftigte Alleinerzieher, Menschen mit geringem Einkommen oder auch Einzelunternehmer, die ihre Selbständigkeit finanziell nicht mehr stemmen können sowie kinderreiche Familien und Flüchtlinge. Besonders schlimm würden diese die gestiegenen Preise bei Brot und Gebäck, Nudeln, Öl und Mehl empfinden. Speziell im Obst- und Gemüsesegment sei der Warenrückgang spürbar. Warum es dazu gekommen ist, sei schwer nachvollziehbar. „Straffe Kalkulationen in den Handelsfilialen und Reduktion in der Produktion als Folge lang anhaltender Krisen könnten mögliche Gründe sein“, sagt soogut-Geschäftsführer Wolfgang Brillmann.

Für eine Pensionistin ist das Einkaufen im soogut-Sozialmarkt wie ein Lotto Sechser. Sie sei so dankbar für die Möglichkeit, günstige Lebensmittel kaufen zu können, denn ihr bleiben zwischen 25 und 30 Euro in der Woche über um sich mit Nahrungsmittel eindecken zu können, erzählt sie. Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben, wohnen häufig in schlecht isolierten Wohnräumen. Die Steigerung der Energiepreise bringt sie an ihre Grenzen. Eine Familie erzählt, dass sich die Ausgaben für Heizen verdoppelt hätten: „Ohne bei soogut einkaufen zu können, würde sich das alles nicht mehr ausgehen.“

Unverständnis vor allem bei Pensionisten groß

Auch eine Alleinerziehende einer fünfjährigen Tochter ist froh, im soogut Sozialmarkt einkaufen zu können. Sie war zwar vor der Teuerungswelle bereits einkaufsberechtigt, kam aber bis vor Kurzem mit Einkäufen bei den Diskontmärkten über die Runden. Jetzt ist es trotz Teilzeitbeschäftigung finanziell eng geworden. Zwei Drittel günstiger einkaufen zu können, empfindet sie als sehr wichtige Unterstützung für ihren Lebensalltag. Generell herrscht sehr großes Unverständnis. „Man kann nicht

verstehen, dass Getreide oder Holz vom Vorjahr gerade jetzt enorm teurer werden. Es geht hier um Gewinn und nicht um den Menschen. Diese Machenschaften der Konzerne regen schön langsam auf“, betont Johann Hofbauer, Bezirksvorsitzender des Pensionistenverbandes. Viele seiner Mitglieder seien in Sorge, sich das Leben nicht mehr leisten zu können: „Die Politik muss sich endlich Gedanken machen, wie diese Teuerungen abgefedert werden können. Alles auf die Pandemie oder den Ukraine-Krieg zu schieben ist nicht in Ordnung.“ Rudolf Weiser, Bezirksseniorenbund-Obmann, ergänzt: „Unsere Senioren haben schon von klein auf Sparen gelernt und können auch mit weniger Geld umgehen. Die aktuellen Teuerungen sind aber oft nicht nachvollziehbar.“ Bei den Zusammenkünften sei diese Problematik immer ein Thema. Die Angst vor der nächsten Stromrechnung sei bei vielen groß.

Die Bürgermeister würden bei den Teuerungen am „Ende der Fahnenstange“ stehen, können diese nämlich nur sehr begrenzt beeinflussen, betont Gemeindebundobmann Niko Reisel aus Meiseldorf. Die Gemeinden als Auftraggeber seien derzeit in einer „Zwickmühle“. „Wer ein Projekt abgeschlossen hat, kann sich glücklich schätzen. Wer mittendrin ist, muss die Teuerungen schlucken.“ Bei Kanal oder Wasserleitung gebe es oftmals keinen Aufschub. „Die Bürger direkt können wir nur bei mittelfristigen Maßnahmen – etwa Anreizen zum Umstieg auf erneuerbare Energie oder bei der Sanierung von Häusern – unterstützen. Wir geben Info und Hilfestellung für bestehende Förderungen.“

Das tut auch die Arbeiterkammer. „Wir helfen beim Ausfüllen der Anträge und die meist dafür notwendige Handysignatur“, sagt Robert Fischer von der Arbeiterkammer Horn. Es brauche aber generell eine Mehrwertsteuer-Senkung, denn: „Durch die hohen Spritpreise sind die vielen Aus- und Einpendler besonders stark betroffen. Das Häuslbauen wird ein Schwerkampf. Und das in Zeiten, in denen Unternehmen Gewinne an Aktionäre auszahlen und der Staat sein Säckel anfüllt, während viele Menschen vor dem Existenz-Aus stehen.“

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