VOR bittet um „zweite Chance“ im Bus-Chaos. VOR will „neue Öffi-Ära im Waldviertel“ einläuten. Probleme sollen bis Ende September abgearbeitet werden.

Von Karin Pollak. Erstellt am 20. September 2019 (04:45)
Karin Pollak
VOR-Pressesprecher Georg Huemer testete in der Vorwoche einige Busse im Waldviertel.

Die „Watsche“ für den Verkehrsverbund für die neuen Buslinien im Waldviertel zu Schulbeginn hat „gesessen“. „Wir bitten um eine zweite Chance“, meinte VOR-Pressesprecher Georg Huemer.

„Wir wollen nichts beschönigen. Am 2. September sind wir auf die Talsohle geklatscht. Wir sind mit größtmöglichem Einsatz daran, alle Beschwerden abzuarbeiten. Bis 9. September ist schon sehr vieles abgearbeitet worden. 104 Fahrplanänderungen sind bereits fixiert, 60 waren es schon vor Schulbeginn“, so Huemer, der Ende September wieder „überm Berg“ sein möchte. Dafür wurden die zuständigen Mitarbeiter aufgestockt, jede verfügbare Kraft wird für die Überarbeitung der Fahrpläne eingesetzt.

„Wir wollen nichts beschönigen. Am 2. September sind wir auf die Talsohle geklatscht.“VOR-Sprecher Georg Humer

Nicht alles an den neuen Fahrplänen sei schlecht: „Es ist schade, dass durch die negativen Beispiele untergeht, dass eine neue Öffi-Ära im Waldviertel startete und dadurch die Waldviertler öfter ihr Auto stehen lassen können“, sagte Huemer.

Wie kam es aber zu den vielen für Schüler, Eltern und Gemeinden untragbaren Änderungen bei den Busfahrplänen, die zu einer Flut an Beschwerden geführt haben? „Im Waldviertel haben wir 104 Buslinien, Tausende Kurse und 300 Gemeinden unter einen Hut zu bringen – und das mit einem ganz neuen System. 120 Personen von der Tarifgestaltung über Juristen bis zum Routenplaner und dem Infosystem haben daran gearbeitet. Vor allem für das Waldviertel haben sich drei engagierte und erfahrene Planer jahrelang sehr intensiv beschäftigt“, erklärt Huemer. Basis für die Planung waren die bestehenden Fahrpläne.

Das neue System biete vielerlei Vorteile: „Zum einen erhielten auch kleinere Betriebe die Chance, für den Verkehrsverbund tätig zu werden, zum anderen wurden die neuen Linien besser mit der Bahn verknüpft. Dadurch wurde ein Vielfaches mehr an Verbindungen in das bestehende Angebot eingegliedert“, betont der Pressesprecher, der zugibt, dass man beim Verkehrsverbund überrascht über das Ausmaß an Problemen war. „Unser klarer Auftrag ist, diese so rasch wie möglich zu lösen.“

Die eingegangenen Beschwerden wurden nach Prioritäten gereiht, wobei die Sicherheit der Fahrgäste an erster Stelle steht, danach folgen die Herstellung von fehlenden Verbindungen und dann der Komfort. „Dabei handelt es sich um Schüler, die im Bus stehen müssen. Das ist gesetzlich gedeckt, jeder Bus hat gewisse Sitz- und auch Stehplätze.“ Fußwege bis zu zwei Kilometer zu einer Haltestelle seien laut Huemer tragbar: „Diese wollen wir unterschreiten. Wir wollen auch nicht, dass Kinder eine Bundesstraße überqueren müssen“, spricht er das mittlerweile gelöste Problem in Neukirchen (Gemeinde Brunn) an.

Huemer: „Der VOR steht unter Beobachtung“

Die vielen Hundert Buslenker, die auf den 104 Buslinien im Waldviertel tätig sind, müssen sich an die Fahrpläne und die gesetzlichen Vorgaben halten, was des Öfteren nicht ganz einfach sei. „Da gibt es nicht mehr konzessionierbare Haltestellen, die über keine Gehsteigkanten verfügen“, so Huemer, der sich bewusst ist, dass der Verkehrsverbund seit Schulbeginn unter Beobachtung der Fahrgäste, der Eltern und der Medien steht. „Natürlich gibt es einen Druck durch Landesrat Schleritzko, für den die Aufarbeitung der Probleme ein persönliches Anliegen ist. Aber wir würden es auch ohne diesen Umsetzungsdruck machen“, meint Huemer.

Landesrat Ludwig Schleritzko drängte mit Landtagsabgeordnetem Jürgen Maier nochmals auf rasche Lösungen. Im Gespräch mit Verkehrsverbund-Geschäftsführer Wolfgang Schroll zeigte sich aber auch: Erste Verbesserungen wurden im Auftrag des Landes bereits umgesetzt. „Beim Arbeitsgespräch wollten wir uns von der Umsetzung überzeugen. Viele Anliegen konnten bereits erledigt werden. Auch für die noch ausstehenden werden Lösungen gesucht“, erläutert Landesrat Schleritzko.

Maier zeigte sich zufrieden mit dem Fortschritt: „Es ist dem raschen Einschreiten von Landesrat Schleritzko zu verdanken, dass wir Lösungen präsentieren und umsetzen konnten.“

Konkret konnte etwa erreicht werden, dass Schüler aus Brunn, die in Gars in die Schule gehen, auf ihrem Heimweg eine Anschlussverbindung in Horn haben. Außerdem haben Schüler aus der Katastralgemeinde Schweinburg in Japons wieder einen Anschluss nach Horn. Möglich wurde das durch Adaptionen im Fahrplan.