Vorsicht ist die Mutter der Radler. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Karin Widhalm und Marcel Schallar. Erstellt am 14. August 2019 (04:20)
Karin Widhalm
Paul Klinger steht an der Stelle, wo noch heuer ein Streifen für Radfahrer in Richtung Mödring eingerichtet wird.

Jede Woche eine Ausfahrt und jedes Jahr eine Drei-Tages-Tour: „Die Fröhlichen Radler“ (Seite 10) haben bisher insgesamt 42.000 Kilometer zurückgelegt – völlig unfallfrei.

„Wir legen Wert auf die Sicherheit. Der Radhelm ist Pflicht“, erklärt Paul Klinger, Tourleiter und Gemeinderat der Stadt. Er hält Radwege gerade an neuralgischen Punkten (wie Kreuzungen) für wichtig. Eltern lassen dann ihre Kinder viel lieber mit dem Rad fahren. Horn will heuer noch den Radfahrstreifen von der Innenstadt zu den Schulen (Richtung Mödring) errichten.

Klinger habe nach dem tragischen Unfall mit einem Radanhänger, in dem Kinder saßen und daraufhin verstarben, viel über den Vorfall diskutiert. Er ist sich aber sicher: „Diejenigen, die mit Lastenräder fahren, haben das Verständnis für die Sicherheit.“ Er sieht sie mit Helm, angegurtet, gut beleuchtet und mit Fahnen versehen.

Nummerntafel für E-Bikes?

„Auch jeder Autofahrer muss auf Sicht fahren“, findet er. Kein Elternteil wolle seine Kinder unnötig einer Gefahr aussetzen. „Der Verkehr ist seit den 1960er-Jahren gestiegen. Man muss einfach aufpassen.“
Der tödliche Unfall ist für Emmerich Grath, Leiter der ARBÖ-Ortsgruppe in Eggenburg, sehr tragisch. Das sei allerdings kein Grund, Gesetzesverschärfungen oder Radwegmodernisierungen durchzuführen. „Die Verantwortung des Einzelnen und der gesunde Hausverstand sind entscheidend. Man muss stets auf die Umgebung achten, wenn man am Verkehr teilnimmt.“

Man müsse sich Bodenbeschaffenheit, Streckenverlauf und die Anwesenheit anderer Verkehrsteilnehmer stets ins Bewusstsein rufen. „Tut man das nicht, kann auch der sicherste Fahrradweg keine Unfallfreiheit garantieren“, sagt Grath. Das gelte auch für E-Bike-Fahrer. Immer mehr nutzen den elektrischen Antrieb: Hans Hohenegger, Horns ÖAMTC-Obmann, hält das für ein Problem. „E-Bikes sollten eine Nummerntafel bekommen oder auf die Straße ausweichen“, schlägt er vor.

„Ich fahre selbst in Wien mit dem Rad und da ist der Radweg aufgrund der vielen E-Bikes teilweise gefährlicher als die Straße.“ Der elektrische Antrieb sorge für eine Geschwindigkeit, die deutlich über 50 Kilometern pro Stunde liegt. Die Menschen müssen sich der Verantwortung bewusst sein, so Hohenegger.

„Die Verantwortung des Einzelnen und der gesunde Hausverstand sind entscheidend. Man muss stets auf die Umgebung achten.“Emmerich Grath

Übertrieben hält dagegen Klinger eine scharfe E-Bike-Regelung. „Man muss bei Unfallstatistiken sehr aufpassen, denn da es vor zehn Jahren noch keine E-Bikes gegeben hat, wirken sich auch sehr wenige Unfälle in der statistischen Auswertung als dramatischer Anstieg aus, was die Realität nicht unbedingt widerspiegelt.“

Der ÖAMTC bietet außerdem Kurse an, um Leuten den erstmaligen Umgang mit E-Bikes zu erleichtern.
Er sagt auch: „Die Radwege sind zum Teil in Niederösterreich wirklich gut ausgebaut.“ Jeder hätte zwar gern überall einen Radweg, aber Tatsache sei: „Unvermeidlich ist, dass man auf der Straße unterwegs ist.“ Das Wichtigste sei das Miteinander. „Als Radfahrer und Fußgänger ist man der Schwächste. Man muss den Leuten sagen, dass sie aufpassen müssen.“ Aus seiner Erfahrung ist die Verhaltensweise auf der Straße stark von den handelnden Personen abhängig – und vielleicht auch von der Mentalität des Landes.

„In Italien wird jedem Radfahrer Vorrang gegeben. Man wird einfach drübergewunken“, schildert Klinger, dessen Auto zeitweise gleich vier Wochen pausiert. Er habe bei den Österreichern eher das Gefühl, dass sie keinesfalls behindert werden wollen – weder vom Lastkraftwagen noch vom Radfahrer.