Warum der Verzicht gut tut. Über die Motivation, kürzerzutreten, und über die großen Effekte nach einer ausgiebigen Fastenkur.

Von Karin Widhalm und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 17. April 2019 (03:31)
Karin Widhalm
Wein in der Fastenzeit – oder lieber nicht? Bürgermeister Christian Krottendorfer reduziert seinen Alkoholkonsum in der Fastenzeit, aber dem Tröpferl aus Röschitz kann er dann doch nicht widerstehen. Wirtin Natalie Sumerauer überreichte ihm ein Glas.

Jürgen Maier sagt von sich, dass er „kein gutes Fasten-Vorbild“ sei. Und wenn der Landtagsabgeordnete und Horner Bürgermeister dennoch irgendwo erzählt, dass er ausnahmsweise faste, dann höre er nur: „Wieso machst du das? Du bist ja eh schon so dünn.“

Fasten wird tatsächlich vorwiegend mit der Ernährung in Verbindung gebracht: kein Alkohol, weniger Fleisch, mehr Gemüse. So auch Bürgermeister Christian Krottendorfer (Röschitz): „Ich trinke fast keinen Kaffee und versuche überhaupt, mich gesünder zu ernähren und weniger Alkohol zu trinken.“ Ganz ohne Wein geht’s dann doch nicht, immerhin lebt Krottendorfer in einer bekannten Weinbaugemeinde, die seit 2018 auch eine eigene Vinothek hat.

„Man ist langsamer als sonst, aber das ist eines der ganz großen Regenerationseffekte.“ Alexander Graffi über das Fasten im Stift Geras

Irene Herzog-Genner will bewusst ein Fastenopfer bringen und führt durchaus spirituelle Gründe dafür an: Sie verzichtet auf ein Genussmittel, das sie sonst den ganzen Tag über zu sich nimmt – Kaffee. „Ich bin bereit, dieses Opfer zu bringen. Das ziehe ich seit Jahren durch“, erklärt die NMS-Direk-torin in Irnfritz. „Ich freue mich, wenn ich den ersten Kaffee wieder trinken kann.“ Und: „Man freut sich auch, dass man’s schafft.“

Georg Wögerbauer begleitet als Arzt die Fastenmethoden im Kloster Pernegg – und streicht bewusst den Unterschied zu einer Diät, wo’s „ganz viel Schmarrn“ gebe, hervor. „Die 16:8 Diät – also acht Stunden essen und 16 Stunden schlafen – halte ich für sehr sinnvoll, aber das hat nichts mit Fasten zu tun“, erläutert er. „Fasten geht viel tiefer.“ Das Kloster verbindet dies mit Stille.

„Das, was uns krank macht, ist die Dauerverfügbarkeit und die digitale Überflutung“, führt Wögerbauer aus. „Das Kloster ist ein ruhiger Ort. Leider geht bei uns schon das Internet, besser wäre ohne“, ist er überzeugt, dass Fasten ohne Geruhsamkeit sinnlos ist. Das werde auch gewünscht: „Menschen haben eine Sehnsucht nach Reduktion, ohne Stress, Verpflichtungen und eine Überfülle an Nahrungsmitteln.“ Er findet, dass das Fasten kein Trend ist, „sondern eine Notwendigkeit“ und „eine ganz intelligente Form der Vorbeugung und Prävention.“

Körper wie eine Stradivari, die  mit Sorgfalt gepflegt werden muss

Der Mediziner vergleicht den Körper mit einer Stradivari, die der Geiger mit Sorgfalt pflegt. „Unser Körper ist zehn Mal so viel wert und will auch gepflegt werden.“ Erwiesen seien mittlerweile die positiven Auswirkungen auf Immunsystem, Verdauung, Psyche, Kraft und Leistungsfähigkeit.

Das bestätigt Alexander Graffi, Fastenleiter im Stift Geras. Er verweist auf den Medizin-Nobelpreisträger Yoshinori Ohsumi. „Er hat nachgewiesen, dass mit dem Fasten die Reinigung auf Zellebene passiert.“ Diese bessere wissenschaftliche Belegung sei ein wichtiger Grund, dass die Nachfrage am Klosterfasten steigt, aber nicht nur das. „Immer mehr Menschen wollen’s ausprobieren, weil’s so guttut. Und wahrscheinlich ist der Druck auch größer geworden – und die Sehnsucht, etwas für seinen Körper zu tun.“

Die Teilnehmer ernähren sich in Geras ausschließlich flüssig. „Am Anfang tritt quasi ein Entzug ein. Man braucht zwei, drei Tage, damit sich der Körper umstellt“ – und sich der Kopf nicht mehr aufs Essen fokussiert.

Graffi konnte sich das selbst nicht vorstellen, – bis er’s ausprobiert hat. Wie nach einem Wunder habe er kein Hungergefühl verspürt. „Man ist langsamer als sonst, aber das ist einer der großen Erholungseffekte, ein Regenerationsprogramm.“ Margit Perzy, die im Stift Geras schon so lange arbeitet, will das heuer erstmals erleben: Sie hat für den Herbst schon eine Anmeldung getätigt.

Umfrage beendet

  • Ostern: Habt ihr heuer euer Fastenziel erreicht?