Horner Stadtkino freut sich über Gäste-Plus. Familienbetrieb hatte 2019 mehr Besucher als 2018 und setzt auch 2020 auf prämierte und regionale Filme: „Narziss und Goldmund“, „Judy“ & „The Lodge“.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 23. Januar 2020 (11:17)
Ein Stargast im Stadtkino: Karl Markovics (mit Silvia und Winfried Meingast) plauderte mit Schülern und Erwachsenen über seinen Film „Nobadi“.
Widhalm

Das Stadtkino verzeichnet ein Besucher-Plus: 2019 haben im Vergleich zu 2018 um 14 Prozent mehr in einem der zwei Säle Platz genommen. Und das, obwohl das Lichtspielhaus durchaus kein leichtes Spiel hat.

Die begrenzten Parkplätze in der Innenstadt, das nahe Cinemaplexx-Kino, die Vorgaben der Verleiher bei Preis und Abspielzeiträumen und zu wenige Verleiher mit Fokus auf Anspruchsvolles sind Hürden, die man bewältigen muss. 50 Prozent der Einspielergebnisse müsse unabhängig der Zuseherzahl bezahlt werden, erzählt Silvia Meingast. Aber: „Wir grenzen uns durch ein hochwertiges Programm ab“, betont Silvia Meingast. „Das schätzen viele“, ergänzt ihr Sohn Winfried, der sie seit 2008 nebenberuflich unterstützt.

„Wir sehen das schon als Auftrag, uns auf anspruchsvolle Filme zu konzentrieren. Weg vom Mainstream.“ Silvia Meingast führt seit 56 Jahren das Stadtkino

Das Kinoerlebnis und das Gemeinschaftliche sei für viele besonders. „Das kann das Streaming nicht ersetzen.“ Netflix, Amazon und Co. bieten eine Vielzahl von Filmen, die man sich bei einer guten Internetverbindung zu Hause ansehen kann. Bisweilen sind Netflix-Produktionen in Horn zu sehen.

„Roma“ lief 2019 gleich nach der Oscar-Verleihung, allerdings auf spanisch mit deutschen Untertiteln. Das spreche nicht viele an, sagt die Seniorchefin. „Aber die Bildsprache war so gewaltig, das hat nichts gemacht“, erzählt Meingast. Sie habe Gäste gesehen, die sonst nicht ins Horner Kino gehen.

Das mexikanische Filmdrama sei ihr persönlicher Lieblingstitel des Vorjahres gewesen, auch die deutsche Komödie „Das perfekte Geheimnis“. Festivalfilme, prämierte Streifen oder Dokumentation „unsere Gegend betreffend“ (wie „Die Tage wie das Jahr“) finden Einzug im Programm – und nicht nur US-Produktionen. Fokussiert wird auf Österreich und Deutschland.

„Wir sehen das schon als Auftrag, uns auf anspruchsvolle Filme zu konzentrieren. Weg vom Mainstream“, betont Silvia Meingast. „Wir versuchen, wenn es möglich ist, den Regisseur herzubringen, das kommt sehr gut an.“ So war Karl Markovics begeistert, wie reflektiert und gezielt Schüler ihm nach seinem Spielfilm „Nobadi“ Fragen gestellt haben. Die Kooperation mit Gym-Pädagoge Peter Schnaubelt trage hierbei Früchte erzählt Meingast. Sie legt überhaupt viel Wert auf die Zusammenarbeit etwa mit Slow Food, dem Weltladen, Museum und Energiestammtisch.

Der oscarprämierte Tragikomödie „Green Book“ war verbunden mit einem Benefizabend: Ein Teil des Eintrittspreises floss zum Lions Club, der damit Bedürftige im Bezirk unterstützen wird. Das soll 2020 wiederholt werden. Hans Leidenfrost und Friedrich Zimmermann, zwei Eggenburger, durften ihre abenteuerliche Reise von den Westbengalen nach Nepal über die Leinwand flimmern lassen.

Komödien-Ausnahme: „Love Machine“

Filme, die zum Lachen bringen, gehören zu den Kassenschlagern. Nur: „Es gibt so wenige Komödien, die gut sind“, ergänzt Winfried Meingast. 2019 war „Love Machine“ die Ausnahme gewesen. Er rechnet aber damit, dass lange nichts kommen werde. Er hat sich für 2020 vorgenommen, die Kinosessel in hinteren Reihen in größere Lederversionen zu tauschen.

Filmtechnisch setzt Silvia Meingast im nächsten Quartal einerseits auf „Judy“: Renée Zellweger schlüpft in die Rolle von Judy Garland – und könnte für ihre schauspielerische Leistung mit einem Oscar belohnt werden. Eine Schule aus Karlstein habe sich für die biografische Verfilmung schon angemeldet. Die Uraufführung von der Literaturverfilmung „Narziss und Goldmund“ ist für den 12. März vorgesehen. Der preisgekrönte, österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky dreht dafür auch im Stift Zwettl oder auf der Burg Hardegg (Bezirk Hollabrunn). „The Lodge“ ist ein amerikanisch-britischer Spielfilm des Regie-Duos Severin Fiala, ein gebürtiger Horner, und Veronika Franz – und wird ebenso im Stadtkino zu sehen sein.

Das Publikum ist übrigens altermäßig durchgemischt, aber vorwiegend weiblich. „Oft sind nur Frauen da oder es ist nur ein Mann dabei“, lächelt Winfried Meingast, der wie seine Mutter oft an der Kassa anzutreffen ist, während sein Bruder organisatorisch mithilft. Die positive Resonanz vieler Gäste bestärke sie in ihrem Tun – und die Liebe zum Film.