Interview mit Gerhard Lentschig: „Liebe zu Horn hat es leicht gemacht“

Erstellt am 04. Mai 2022 | 05:01
Lesezeit: 4 Min
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Gerhard Lentschig soll am 4. Mai zum Horner Bürgermeister gewählt werden.
Foto: Kornell
Die NÖN bat den designierten Bürgermeister Gerhard Lentschig zum Gespräch über seine Pläne für Horn, die Zusammenarbeit mit der Opposition und Gedanken zur Gemeinderatswahl 2025.
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Nur wenig Bedenkzeit hatte Gerhard Lentschig nach dem Rückzug von Jürgen Maier, sich Gedanken zu machen, neuer Horner Bürgermeister zu werden.

NÖN: Jürgen Maier hat am Montag völlig überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Die Entscheidung, als sein Nachfolger anzutreten, fiel dann rasch. Wie viel Bedenkzeit hat es dafür gebraucht?

Gerhard Lentschig: Meine Liebe zu Horn und zur Lokalpolitik hat mir die Entscheidung leicht gemacht. Auch die Tatsache, dass es sowohl im ÖVP-Team, als auch mit den Oppositionsparteien, aber auch dem Team der Horner Stadtverwaltung einen sehr kollegialen Umgang gibt, hat es mir einfacher gemacht. Die gesamte politische und verwaltungstechnische Arbeit in Horn steht auf sehr professionellen Beinen. Ich weiß, dass ich mich da auf alle verlassen kann. Daher hat die Entscheidungsfindung nicht sehr lange gedauert.

Bürgermeister einer Gemeinde der Größe Horns zu sein ist eine große Herausforderung. Wie werden Sie an diese Situation herangehen?

Lentschig: Ich bin ein anderer Charakter als Jürgen Maier. Ich habe aber auch in guter und offener Zusammenarbeit mit ihm viel von ihm gelernt. Ich will in der grundsätzlichen Arbeit also nichts großartig ändern. Wir müssen weiter arbeiten, dürfen keinen Stillstand einkehren lassen. Ich bin seit 1. März in Pension, daher hat auch mein Zeitkonto die Entscheidung zugelassen. Klar ist: Horner Bürgermeister zu sein ist ein Fulltime-Job – wenn man etwas bewirken will. Ich bin bereit, mich der Herausforderung zu stellen.

Sie haben es angesprochen: Was will Bürgermeister Gerhard Lentschig in Horn bewirken? Welche Projekte stehen jetzt vordergründig an?

Lentschig: Aktuell ist das Projekt „Stadtsee“ herausragend. Neben vielen weiteren Punkten ist die Innenstadtgestaltung eine wichtige Frage. Auch die verkehrstechnische Anbindung der Hopfengartenstraße, die Weiterführung der Neugestaltung des Museums, das Thema Radwege – sowohl innerstädtisch als auch in die Regionen hinaus – sind Dinge, die wir uns anschauen müssen. Für die Zukunft müssen wir auch schauen, wie wir die Gebäude am Rathausplatz, die die Gemeinde angekauft hat, nutzen. Und diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir müssen aber auch immer die Faktoren Leistbarkeit und Dringlichkeit bei den Projekten im Auge behalten.

Sie gelten als einer, der gerne mit Leuten redet, auf sie zugeht, gesellig ist. Bewerten Sie das als eine Ihrer Stärken?

Lentschig: Ich habe seitdem der NÖN-Artikel über die Entscheidung online gegangen ist, schon sehr viel positiven Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten. Mir wurde auch schon Unterstützung von allen Seiten angeboten. Sich selbst zu beurteilen oder einzuschätzen ist immer schwer. Aber ich mache mir gerne ein Bild davon, was die Menschen bewegt. Es ist wichtig, der Bevölkerung zuzuhören, da kommen oft gute, konstruktive Vorschläge. Die wichtige Frage ist dann immer, wie man sie umsetzt. Aber ja, ich bin gerne unter Leuten, unterhalte mich mit ihnen und habe da keine Berührungsängste.

Wie schaut es mit Berührungsängsten gegenüber den anderen Parteien aus? Wie wollen Sie da zusammenarbeiten?

Lentschig: Da hat Jürgen Maier vorgezeigt, wie es geht. Wenn der Wille da ist, können wir in Horn gut konstruktiv und sachorientiert zusammenarbeiten. Ich habe die Mandatare der anderen Fraktionen als offene Leute kennengelernt. Vor der nächsten Wahl wird es vielleicht auch wieder etwas rauere Töne geben, aber das gehört in einer Demokratie dazu. Meinungsvielfalt erleichtert oft positive Entscheidungen, das sollte man in einer Demokratie positiv sehen. Aber grundsätzlich merkt man bei allen Parteien das Verständnis, dass wir gemeinsam für Horn arbeiten sollen.

Wie lange wird Gerhard Lentschig Bürgermeister sein? Über die Wahl 2025 hinaus?

Lentschig: Diese Frage zu beantworten, ist es noch zu früh. Ich möchte natürlich fix bis zur Wahl 2025 bleiben. Wir werden uns 2024 Gedanken machen, wie wir uns für die Wahl aufstellen. Man hat jetzt gesehen, dass es oft ganz schnell gehen kann und unvorhersehbare Dinge passieren. Ich will nicht ausschließen, dass ich auch nach der Wahl Bürgermeister bleibe. Aber bis dahin kann noch viel passieren.

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