Fahrlässiger Umgang mit Corona?. Nach einem positivem Coronatest eines Garde-Soldaten in Horn kritisieren Angehörige der Soldaten Maßnahmen des Bundesheeres. Bundesheer-Sprecher weist Vorwürfe zurück.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 07. Oktober 2020 (11:33)
Die Radetzky-Kaserne in Horn 
APA/Herbert Pfarrhofer

Wieder einmal steht das Garde-Bataillon, das in der Horner Radetzky-Kaserne stationiert ist, in der Kritik. Anlass diesmal: Nachdem am vergangenen Montag ein Grundwehrdiener der Garde positiv getestet worden war, seien die übrigen jungen Männer nach Hause geschickt worden – und das, ohne getestet worden oder in Quarantäne genommen worden zu sein.

„Sie sind in privaten Autos oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause gefahren“, berichtet ein Bekannter eines Vaters eines der Grundwehrdiener. Es könne nicht sein, dass man so der weiteren Verbreitung des Virus Vorschub leiste. Gerade von einer Institution wie dem Bundesheer müsse man erwarten, die Situation ernst zu nehmen, wo „eh schon genug Kacke am Dampfen“ sei. Bei den Angehörigen der Grundwehrdiener herrsche nun Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus.

"Kontaktpersonen in Selbstisolation geschickt"

Dass es diesen positiven Fall gegeben hat, bestätigte Bundesheer-Pressesprecher Sebastian Schubert auf NÖN-Nachfrage. Er sei bei einer routinemäßigen Testung aufgetreten. Dass das Bundesheer dann fahrlässig gehandelt habe, weist Schubert aber zurück.

Es sei genau unterschieden worden, wer mit dem positiv getesteten Rekruten Kontakt gehabt habe und wer nicht. Gebe es einen positiven Fall beim Bundesheer, werden all jene, die mit dem Betroffenen im Zimmer wohnen oder anderweitig zu tun gehabt haben, in Selbstisolation geschickt. Wenn sichergestellt gewesen sei, dass sie direkt nach Hause fahren, hätten diese Leute die Heimreise mit dem Privatauto angetreten.

Jene, die kein Privatauto in Horn gehabt haben, seien mit eigenen Bundesheer-Transportern nach Hause gebracht worden. „Diese Wagen werden von Fachleuten gefahren und dann gereinigt, da geht die Sicherheit absolut vor“, sagt Schubert.

Darüber hinaus arbeite das Bundesheer in solchen Fällen intensiv mit den Behörden zusammen. Kontaktpersonen werden gemeldet, um dann ins „normale“ Testsystem der Gesundheitsbehörden übernommen zu werden. „Zuständig für die Testungen sind dann die Wohnsitzbehörden. Die Zusammenarbeit zwischen Bundesheer und Behörden funktioniert da auch ausgezeichnet“, sagt er.

Ausbildung: Kontakte auf Minimum beschränkt

Die gesamte rund 200 Mann umfassende Kompanie in Horn unter Quarantäne zu stellen, sei allein aus Platzgründen nicht möglich. Es könne auch sein, dass ein Garde-Grundwehrdiener, der nicht in Kontakt mit dem Betroffenen gestanden hat, in einem öffentlichen Verkehrsmittel gefahren sei. „Wenn er das in seiner Freizeit tut, können wir ihm das ja nicht verbieten“, sagt Schubert.

Schließlich seien auch Grundwehrdiener, solange sie keine Symptome zeigen oder Verdacht auf Corona besteht, wie alle anderen Bürger zu behandeln. Zudem werde derzeit bei der Ausbildung penibel darauf geachtet, dass die Kontakte zwischen Grundwehrdienern aus verschiedenen Zimmern so gering wie möglich gehalten werden.