Kläranlagen-Eröffnung: "Weise Entscheidung"

Kläranlagen-Projekt werden gern auf die lange Bank geschoben. Aber warum? Das zeigte sich gestern bei der Eröffnung jenes Konzepts, das seit April in Burgschleinitz Realität ist.

Karin Widhalm
Karin Widhalm Erstellt am 11. Oktober 2021 | 10:35
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Eröffnung mit (v.l.): Bürgermeister Andreas Fleischl (Straning-Grafenberg), Bezirkshauptmann Johannes Kranner, Ziviltechniker Harald Ebm, Bürgermeister Leopold Winkelhofer, Landtagsabgeordneter Jürgen Maier, Bürgermeister Martin Reiter (Sitzendorf) und Bürgermeister Josef Klepp (Maissau).
Foto: Karin Widhalm

Die Klospülung wird gedrückt, das Wasser fließt weg – und kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was dahintersteckt. Nämlich eist viel Geld, das überlegt eingesetzt werden soll, wenn es um die Errichtung und Erneuerung von Kläranlagen geht: Das ruft Landtagsabgeordneter Jürgen Maier in Erinnerung, bevor er am Sonntag (10. Oktober) die Kläranlage Burgschleinitz eröffnet.

Sie hat nicht mehr der Stand der Technik entsprochen, wie sie in der Wasserrechtsnovelle 1990 vorgegeben ist. Ziviltechniker Harald Ebm erklärt, dass mehrere Varianten für Burgschleinitz im Raum gestanden sind: Das Abwasser nach Röschitz pumpen, die Anlage ausbauen oder eine Ableitung nach Sitzendorf (Bezirk Hollabrunn) forcieren. Letzteres sei angesichts der besseren Wirtschaftlichkeit verwirklicht worden.

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Rückbau: Altbürgermeister hat sich "g'schreckt"

Die bis 1989 errichtete Teichkläranlage wurde daher rückgebaut. Bürgermeister Leopold Winkelhofer schildert, dass sich Altbürgermeister Leopold Trauner bei diesem Anblick „g’schreckt“ habe: „In den 1990er Jahren habe wir alles ausgegraben und ihr schüttet alles wieder zu“, habe er zum Gemeindechef gesagt. Ebm sagt, dass die Altversion ihre Vorteile gehabt habe. Jetzt wird eine andere Strategie verfolgt.

Ein neues Regenüberlaufbecken ist zu sehen, das „den ersten Spülstoß speichert“, erklärt der Ziviltechniker. „Dann wird das Wasser in den Schleinzbach direkt eingeleitet.“ Burgschleinitz ist nur mehr für einen Vorreinigungsprozess zuständig: Der Rechen sondert größte Partikel ab, eine Sandabscheidung wird vorgenommen.

Betreuer arbeiten mit Tablets

Das Kläranlagen-Gebäude wurde unter Mithilfe der Gemeindearbeiter von Grund auf saniert. Die Betreuer sind mit Tablets ausgestattet und „wissen, wann ein Ausfall ist“, ergänzt Ebm. Eine Million Euro wird dafür investiert.

Die Finanzierung solcher Projekte ist nicht immer einfach zu stemmen. „Ich schiebe das Projekt auch vor mir her“, gibt Maier, selbst Abwasserverbandsobmann (Horn), zu. Die Kosten für 40.000 Einwohnergleichwerte könne man nicht aus dem Ärmel schütteln.

Projekt "eine weise Entscheidung"

Bezirkshauptmann Johannes Kranner erinnert sich an seine Zeit in der Wasserrechtsabteilung, einer offenbar berüchtigten „Strafabteilung“. Man habe die Umsetzung der Wasserrechtsnovelle voranbringen wollen. „Überall, wo wir hingekommen sind, waren wir das Schreckgespenst.“ „Fakt war: Es konnte nicht alles auf einmal gemacht werden. Das Geld war einfach nicht da“, räumt Kranner ein. Er hält aber das Projekt in Burgschleinitz für „eine weise Entscheidung“. Man müsse das Wasser für die Kinder erhalten.

„Flüsse und Bäche werden nicht mehr belastet“, hält dies Maier ebenso für einen guten Weg. Die Umsetzung von Klär-Projekten „dauert Jahre und das ist gut so, weil es eine überlegte Entscheidung ist.“

Chronologie

  • 2017: Konzeptionierung
  • 2018: Genehmigung seitens der Bezirkshauptmannschaft Horn
  • 2019: Verhandlungen mit den beteiligten Gemeinden
  • März 2020: Bauauschreibung, noch vor dem Corona-Lockdown wird die Vergabe durchgeführt
  • August 2020: Baubeginn
  • seit April 2021: Abwässer werden über Straning nach Limberg (Gemeinde Maissau) geleitet und in Frauendorf (Gemeinde Sitzendorf) gereinigt