Bäcker Weghaupt : „Ruhe eine der wichtigsten Zutaten“. Burgschleinitzer Josef Weghaupt eröffnete neue Filiale in Wien – und bricht Lanze für traditionelles Bäckerhandwerk.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 13. November 2020 (04:20)
Josef Weghaupt bezeichnet Burgschleinitz als „geeigneten Ort“ als Standort für seine Bäckerei „Joseph Brot“.
Joseph Brot

Trotz Coronakrise expandiert die Burgschleinitzer Bäckerei „Joseph Brot“ – hier arbeiten rund 40 Mitarbeiter – weiter. Die NÖN sprach mit Firmenchef Josef Weghaupt über die aktuelle Situation des Unternehmens, das im zehnten Jahr des Firmenbestehens eine weitere nachhaltige Entwicklung anstrebt.

Wie geht es dem Unternehmen in der Coronakrise? War man stark betroffen? Wie hat sich die Krise in den Bistros ausgewirkt?

Josef Weghaupt: Wir spüren natürlich auch die Auswirkungen der Krise, besonders in unseren Bistros. Hier ist der Umsatz vor dem zweiten Lockdown auf 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Auch bei unseren Partnern und Kunden in der Gastronomie sind erhebliche Rückgänge zu verzeichnen, was natürlich auch für uns Rückgänge zur Folge hat. Beim Brot in unseren Filialen sieht das Bild insofern positiv aus, dass wir hier keine merkbaren Einbußen verzeichnen.

Wie ging/geht das Unternehmen mit der Krise um? Gab es für die Mitarbeiter größere Veränderungen bzw. Auswirkungen?

Weghaupt: Mit der Eröffnung unserer neuen, sechsten Filiale hatten wir die Möglichkeit Kolleginnen und Kollegen weiter im Unternehmen halten zu können. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber ist es uns wichtig, loyalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben aus dem Servicebereich unserer Bistros – in denen aktuell weniger Personal benötigt wird – in die Shops zu wechseln. Das ist für alle eine Win-win-Situation. Wir können Arbeitsplätze erhalten und das Know-how erfahrener, langjähriger Kolleginnen und Kollegen bleibt im Unternehmen.

Betriebe in unserer Region klagen häufig darüber, Mitarbeiter zu suchen, aber – trotz hoher Arbeitslosigkeit – keine passenden Mitarbeiter zu finden. Gibt es für Sie ähnliche Probleme?

Weghaupt: Auch wir kennen die Herausforderung, die richtigen Kolleginnen und Kollegen für unsere Brotmanufaktur zu finden. Das liegt aber nicht daran, dass es zu wenige motivierte Bewerberinnen und Bewerber gibt. Vielmehr scheitert es oft daran, dass sie das traditionelle Bäckerhandwerk einfach nicht mehr gelernt haben. Dieses Können ist aber essenziell für die Arbeit mit unseren Bio-Sauerteigen, den langen Teigruhen und altbewährten Herstellungsmethoden. Natürlich ist auch manchmal die Lage der Brotmanufaktur im Waldviertel ein Hindernis. Die dadurch oft längeren Anfahrtswege wollen– gerade Bewerberinnen und Bewerber aus Wien und Umgebung – dann doch nicht auf sich nehmen. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass Burgschleinitz für uns der geeignete Ort ist. Hier haben wir die Ruhe, eine der wichtigsten Zutaten für unsere Art zu backen.

Sie haben schon angesprochen, dass Ihr Unternehmen weiter expandiert: Was waren die letzten Expansionsschritte? Gibt es weitere Pläne?

Weghaupt: Wir freuen uns, dass wir Ende Oktober unsere mittlerweile sechste Filiale in Wien eröffnen konnten - im 18. Wiener Gemeindebezirk vis-a-vis vom Kutschkermarkt. Für Währing haben wir uns entschieden, weil wir bereits seit zehn Jahren am Kutschkermarkt vertreten sind. Irene Pöhl ist eine Kundin der ersten Stunde und hat unser Brot an ihrem Käsestand in ihrem Sortiment. Prinzipiell waren wir auf der Suche nach einen Stand direkt am Kutschkermarkt, konnten aber nichts Adäquates finden. Daher haben wir uns nach einer alternativen Lage umgesehen und mit der Währinger Straße auch gefunden. Mit dem Musikhaus Tinter waren wir bereits zwei Jahre in Gesprächen. Damals war noch nicht klar, wie die Familie Tinter ihr Musikhaus weiterführen wird. Jetzt freuen wir uns, am traditionsreichen Standort unsere neue Filiale eröffnen zu dürfen. Als Nahversorger im Grätzel passen wir gut in die Nachbarschaft des Marktes und anderer langjähriger Partner, wie etwa Radatz. Im zehnten Jahr des Firmenbestehens richten wir den Blick natürlich weiterhin in die Zukunft, um das Unternehmen nachhaltig zu entwickeln, auch mit besonderem Fokus auf unsere Brotmanufaktur im Waldviertel.

Joseph Brot setzt auf traditionelles Handwerk und regionale Zutaten: Das Geheimnis des Erfolgs?

Weghaupt: Das Geheimnis unseres Erfolgs ist der Genuss. Der Gaumen ist immer unser schärfster Kritiker, wenn es uns nicht schmeckt, dann wird man es auch nicht in unserem Sortiment finden. Dass man langzeitgeführte Bio-Sauerteigbrote in bester Qualität nur in traditioneller Handarbeit und mit biologischen Zutaten herstellen kann, ist für uns selbstverständlich.

Wie schaut die Auswahl der Zulieferer aus? Was muss ein Zulieferer „mitbringen“, um für Ihr Unternehmen interessant zu sein?

Weghaupt: Unsere Lieferantinnen und Lieferanten müssen zunächst natürlich eine hervorragende Qualität liefern können. Daneben spielt die Regionalität eine große Rolle. Unser Ziel ist es, Lieferwege kurz und die Wertschöpfung in der Region zu halten. Bio-Roggen und Bio-Dinkel, die wir in unserer Brotmanufaktur verarbeiten, stammen bereits zu 100 Prozent aus Niederösterreich. Unser Ziel ist es, den Anteil regionaler Rohstoffe kontinuierlich zu steigern. Ebenso wichtig ist neben dem „Was“ aber auch das „Wie“. Sie müssen für ihr Produkt genauso brennen, wie wir das für unser Bio-Brot, Bio-Gebäck und unsere Bio-Patisserie tun. Denn genau diese Leidenschaft schmeckt man auch und sie macht ein Produkt ganz besonders.

Neben Brot und Gebäck werden auch andere Produkte wie Milch, Eier, Pestos angeboten: Welche Bedeutung hat diese Schiene für das Unternehmen?

Weghaupt: Unser Anspruch ist es, unsere Kundinnen und Kunden in den Grätzeln um die Filialen, als Nahversorger nicht nur mit „phrischem“ Bio-Brot, Bio-Gebäck und Bio-Patisserie zu verwöhnen. Neben Produkten wie Bio-Aufstrichen, Bio-Müslis und Bio-Limonaden aus unserer eigenen Produktion bieten wir in unserer Greißlerei Produkte vieler kleiner Produzenten und Manufakturen an. Es ist unserem Unternehmen wichtig, kleine Betriebe, die hervorragende Qualität liefern, zu unterstützen und zu stärken.