Dachsberger kontert Kritik: „Alle Vorgaben erfüllt“. Die Firma Dachsberger steht vor ungewisser Zukunft – und kontert lauter werdender Kritik.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 22. Juli 2020 (02:20)
Mit Stand Montagabend waren 38 Mitarbeiter des Schlachthofes Dachsberger sowie fünf weitere Personen an Corona erkrankt.
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38 Mitarbeiter und fünf weitere Personen sind mit dem Coronavirus infiziert – das ist die aktuelle Zwischenbilanz, nachdem Mitte der Vorwoche bekannt wurde, dass es im Schlachthof Dachsberger in Gauderndorf zu neuen Coronafällen gekommen ist. Das gab Irmgard Lechner vom Landessanitätsstab Niederösterreich am Montag bekannt. Wie es mit dem Betrieb – der entgegen ersten Meldungen nicht behördlich gesperrt ist – weitergeht, ist indes weiter unklar.

Dachsberger kontert Kritik

In der NÖN-Redaktion langten in den vergangenen Tagen zahlreiche Anrufe und Mails zur Causa ein. Was den Kunden aufstößt: Einerseits sei es am Dienstagnachmittag noch möglich gewesen, im Shop einzukaufen, obwohl man seit dem Wochenende vom ersten Fall wusste. Andererseits sei auch im übrigen Betrieb noch gearbeitet worden. Wie die Firma Dachsberger verlautete, seien alle von der Gesundheitsbehörde vorgegebenen Maßnahmen eingehalten worden.

Noch am Sonntag seien jene Mitarbeiter, die mit dem ersten infizierten Kollegen Kontakt gehabt haben, informiert und isoliert worden, sie seien ab Montag nicht mehr im Betrieb gewesen. Gearbeitet hätten nur noch negativ getestete Personen in „Schlüsselfunktionen“, um den Betrieb hinunter zu fahren. „Und das geht bei unserer Betriebsgröße nicht sofort. Wir sind behördlich nicht gesperrt – und trotzdem den schnellstmöglichen Weg gegangen“, sagt eine Betriebssprecherin zur NÖN. Schließlich gehe es um verderbliche Waren. Zudem seien Lkw von einem Parkplatz auf den anderen gefahren worden, um dort gewaschen zu werden.

Zukunft ungewiss

Wann der Betrieb, der erstmals seit 70 Jahren einen Stillstand zu verzeichnen hat, wieder hochgefahren werden kann, sei aber dennoch fraglich. Das hänge von der weiteren Entwicklung und dem Verlauf der Coronafälle ab. Wie es nach dem Hochfahren mit dem Betrieb weitergehe, komme auf „die Treue der Kunden und Lieferanten an“.

Man könne nur hoffen, dass die Bauern wieder liefern und die Kunden wieder einkaufen kommen, ansonsten müsse man notwendige Konsequenzen ziehen. Das Unternehmen hoffe aber, dass „das Bewusstsein gegeben ist, dass es jedes Unternehmen hätte treffen können“. Derzeit sei es noch zu früh, den wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen zu beziffern.

Offener Umgang mit Information

Als Familienunternehmen sei es der Firma Dachsberger wichtig, die Menschen in der Region über die aktuelle Situation zu informieren – mittels persönlichem Brief auf der Firmen-Website. Es werde auch angedacht, diesen Brief in Umland-Gemeinden auszutragen oder per Postwurf zu verteilen.

Bürgermeister-Brief an Bevölkerung

Mit einem Brief wandte sich bereits der Eggenburger Bürgermeister Georg Gilli an die Bevölkerung. Darin berichtet er über die gemeinsam von der Stadtgemeinde, der Bezirkshauptmannschaft Horn, dem Landessanitätsstab und dem Unternehmen durchgeführten raschen Maßnahmen, besonders hinsichtlich der Quarantäne-Maßnahmen.

Den in Quarantäne untergebrachten Personen sei es verboten worden, während der 14-tägigen Isolierung ihre Unterkunft zu verlassen. Dieses Verbot werde von der Polizei kontrolliert und überwacht.

Appell an Bürger

Gilli hofft in der aktuellen Situation auf Eigenverantwortung der Bürger. Vor allem beim Einkaufen soll Maske getragen werden. Außerdem bittet er die Bevölkerung, bewusst Abstand zu halten („mindestens einen Meter“), Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Desinfizieren zu beachten, auf Händeschütteln oder Umarmen zu verzichten und bei größeren Menschenansammlungen einen Mund-Nasenschutz zu tragen. Auch eine Maskenpflicht für die Stadtgemeinde Eggenburg sei laut Gilli in Erwägung gezogen worden, aufgrund der Debatte um eine generelle Maskenpflicht habe man davon aber bisher Abstand genommen.

Rückblick: Erster positiver Test am Wochenende

Nachdem am vergangenen Wochenende der erste Mitarbeiter positiv getestet wurde, wurde seitens des Betriebes eine schon zuvor geplante freiwillige Testung der Mitarbeiter über ein Projekt der AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) vorgezogen. Zu dieser freiwilligen Testung hatte sich der Betrieb aufgrund der Coronafälle in Schlachthöfen in Oberösterreich entschieden.

Diese Entscheidung habe man getroffen, weil dem Betrieb die Sicherheit der Mitarbeiter, aber auch der Bevölkerung ein großes Anliegen gewesen seien, hieß es nach dem Bekanntwerden der positiven Fälle aus dem Betrieb. Es sei eine richtige Entscheidung gewesen, um im Falle einer Infektion rasch reagieren zu können und weitere Ansteckungen zu verhindern. „Mit der Testung haben wir unseren Betrieb in eine blöde Lage gebracht. Aber die Region haben wir damit vor noch Schlimmerem bewahrt“, hieß es seitens der Firma Dachsberger am Montag.

Sicherheitsmaßnahmen schon vor Lockdown

Auf Sicherheitsmaßnahmen hatte der Schlachthof schon vor dem Lockdown gesetzt. Anfang März war beim Eingang eine Schleuse installiert und getrennte Eingangs- und Ausgangsbereiche eingeführt sowie in den Verkaufsgeschäften Desinfektionsmittelspender aufgestellt worden. Bei den Mitarbeitern, die Schutzmasken tragen mussten, wurden regelmäßig Fiebermessungen durchgeführt und detaillierte Aufzeichnungen darüber geführt.